Ansichten eines Informatikers

Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes

Hadmut
26.7.2022 15:48

„Was immer es ist, ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen“ – Aktuelles zu trojanischen Pferden, faulen Geschenken und chinesischen Pagoden.

Ich liebe ja diese Erklärungsaansätze, bei denen historischen, übernatürlichen Geschehnissen eine andere, weltliche, plausible Erklärung zugrundegelegt wird. Etwa die vielen Erklärungen zu deutschen Märchen. Ich habe ja auch mal selbst die Vermutung aufgestellt, dass Romulus und Remus, die Gründer Roms, nicht etwa, wie es die Legende will, von der Wölfin (mama lupa) gesäugt wurden, sondern von der Puffmutter (vielleicht namens Layla), weil man in Pompeiji ein Bordell ausgegraben hat, dessen pornographische Wandmalereien erhalten waren, und man daraus entnehmen konnte, dass lupa eben nicht nur Wölfin heißt, sondern damals auch ein salopp-derber Begriff für Huren waren. Rhea Silvia, deren Mutter, musste sich als Vestalin durchschlagen, bis sie vom Gott Mars geschwängert wurde und die Zwillinge bekam. Nun ist aber bekannt, dass die Tempelpriesterinnen im alten Rom bisweilen ihren Lebensunterhalt mit Prostitution erwirtschafteten, und vor ein paar Tagen wurde im Fernsehen berichtet, dass im alten Rom der Familien- oder Hausvorstand förmlich annehmen musste. Und nahm er sie nicht, wurden sie getötet oder ausgesetzt. Es würde alles passen, wenn sie von einem Freier schwanger wurde, die Kinder nach damaliger Sitte ausgesetzt und dann die Puffmutter – und nicht die Wölfin – sich ihrer erbarmt hatte. Und der Gott Mars auch nur ein Kunde war, dessen Namen man verschleiern und die Sache schönmachen wollte.

Eine ebenso schöne Erklärung gab es neulich für das trojanische Pferd. Kam irgendwo im Fernsehen. Ich glaube, beides in Terra-X. Das nämlich sei gar kein Pferd gewesen sein, sondern ein robustes kleines Transportschiff. Die nämlich hatte man damals „Pferd“ genannt, weil sie als Lastentier eingesetzt wurden. Damals sei es Sitte gewesen, dass die Königreiche sich gegenseitig Respekt zollten, indem sie sich an und ab so einen Kahn (oder Schiff) voller wertvoller Geschenke schickten. Und eine Erklärung für die Sage von Troja ist nun, dass die Griechen (=Danaer) vorgeblich abzogen und eines ihrer Lastschiffe als Geschenk hinstellten. Das nämlich sei die Geste der Anerkennung und Unterwerfung gewesen und hätte diplomatisch und politisch exakt dazu gepasst, vorgeblich den Krieg zu beenden und abzuziehen. Und das würde auch erklären, warum sie das Ding nicht nur reingeschleppt haben, sondern es geradezu mussten, weil solche Geschenke immer zuerst dem Gott gebracht werden mussten, den man als Schutzpatron hatte, also an seinen Tempel gebracht werden mussten, und er stand immer in der Stadt, bevor man es dem König brachte. Würde man den Trojanern also so ein Geschenk hinstellen, könnten sie gar nicht anders, als es in die Stadt zu bringen, ob sie wollen oder nicht, weil ihr Gott es so verlangt. Und das würde dann auch zu dem angeblichen Ausspruch des Laokoon passen, wonach er die Griechen fürchte, auch wenn sie Geschenke brächten. Er soll mit einem Speer auf das „Pferd“ eingestochen haben, die Schutzgöttin der Griechen, Athene, schickte daraufhin zwei Schlangen, die ihn und seine Söhne erwürgten, was die anderen Trojaner als göttliche Strafe für den Zweifel am göttlichen Geschenk ansahen und deshalb annahmen, dass das Geschenk sicher und von den Götter für gut befunden sei, nahmen es deshalb in die Stadt. Davon gibt es nicht nur eine berühmte Marmorplastik im Vatikan (Bild von Wikipedia):

sondern damit auch den für diesen Artikel benötigten Übergang zur Kryptographie, weil damals an der Uni ein zeichenbegabter Kollege eine Version eben jener Statue mit Professor Beth statt Laokoon, den Mitarbeitern statt den Söhnen und Endlospapier statt den Schlangen zeichnete und auf T-Shirts drucken ließ. Als Symbol dafür, dass die Regierung jeden meuchelt, der ihre Unterwanderungsmethoden erkennt und benennt. Zu meinem allergrößten Bedauern finde ich meines aber gerade nicht in meiner Sammlung bedruckter T-Shirts, das hätte jetzt hier bestens gepasst. Kann sein, dass ich das mal versehentlich mit abgetragenen weißen T-Shirt-Unterhemden entsorgt habe. Schade. Zu schade. Das wäre der perfekte Übergang zur Story gewesen:

Die Chinesen nämlich wollten den Amerikanern eine Touristenattraktion schenken und nach Washington stellen.

Und die Amerikaner haben gerade noch rechtzeitig gemerkt, dass das eine getarnte Spionagestation hätte werden sollen:

Was für ein lukratives Projekt: 2017 bot die chinesische Regierung an, 100 Millionen US-Dollar für den Bau eines kunstvollen chinesischen Gartens in Washington DC auszugeben. Die Attraktion mit Tempeln, Pavillons und einer rund 20 Meter hohen weißen Pagode stieß bei den Behörden zunächst auf große Begeisterung. Immerhin hätte der Garten jedes Jahr Tausende von Touristen anziehen können.

Beim genaueren Hinsehen wurde dem FBI allerdings klar: Das Prachtstück hat wenig mit Tourismus zu tun. Vielmehr sollte es zu Spionage-Zwecken dienen.

Ein trojanisches Pferd aus China

Gebaut werden sollte das monumentale Gebäude aus Peking in dem 446 Hektar großen Naturpark „National Arboretum“ in DC, der einen der höchsten Aussichtspunkte der Hauptstadt besitzt.

Als sich die Beamten der US-Spionageabwehr die Baumaßnahmen anschauten wurden sie stutzig.

Laut „ CNN “ stellten sie fest, dass die Pagode strategisch auf einem der höchsten Punkte in Washington DC platziert worden wäre, nur rund drei Kilometer vom US-Kapitol entfernt und in direkter Blick- und Funkrichtung von Parlament, Weißem Haus und Pentagon. Sprich: Ein perfekter Ort für das Mitschneiden von geheimen Informationen.

Zudem bestanden die Chinesen darauf die Pagode mit Baustoffen errichten zu wollen, das in Diplomaten-Gepäck in die USA eingeschifft werden sollte. Dadurch hätten US-Zollbeamte keine Möglichkeit das Material zu begutachten. Bundesbeamte beendeten deshalb das Projekt stillschweigend.

Großes Projekt als Teil eines Riesen-Plans

Wieso das FBI noch vor Baubeginn so misstrauisch geworden ist? Die US-Behörden untersuchen seit längerem gezielt Lausch- und Sabotageangriffe der chinesischen Regierung.

Hintergrund: Der annullierte Gartenbau soll nur ein Teil eines gigantischen chinesischen Spionageplans auf US-Boden sein, den die Chinesen seit zehn Jahren verfolgen sollen.

Nur die Deutschen sind so doof, dass sie jeden Nazi und Verschwörungstheoretiker nennen, der davor warnt, und sich stattdessen die Chinesen ins Haus holen.