Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wie man „Führungskraft“ bei Microsoft wird

Hadmut
21.6.2022 12:12

Das wird ja immer besser.

Oder: „Das Gesicht der neuen Arbeitswelt“

Zu dem Personalienschwesterndoppel Laura Dornheim / Magdalena Rogl gab es einige Zuschriften und Antworten. Etwa die:

Die Schlagzeile ist der Brüller: Magdalena Rogl ist das Gesicht der neuen Arbeitswelt Darf ich da mal ganz böse und zynisch ablästern? Gut: Ja, das könnte stimmen.

Schauen wir mal rein in den Artikel, ist von 2018:

Magdalena Rogl war einst Erzieherin, heute ist sie in einer Führungsposition bei Microsoft – und Vertreterin einer neuen Generation von Frauen. […]

Rogl, 33 Jahre, weiße Turnschuhe, offenes Lachen, leitet die digitale Kommunikationsabteilung beim Software-Hersteller Microsoft. Sie kümmert sich um den Auftritt in Sozialen Medien oder auch die Zusammenarbeit mit Influencern. Rogl arbeitet im Europa-Hauptquartier, das vor zwei Jahren im Münchner Stadtteil Schwabing eröffnet hat und das sie hier ein wenig selbstironisch „Office mit Windows“ nennen. […]

Mit 16 bricht sie das Gymnasium ab, um eine Ausbildung zur Erzieherin zu machen. „Damals war das genau die richtige Entscheidung“, erzählt sie heute. Als sie mit der Ausbildung fertig ist, wird sie schwanger. Mit 19 bekommt sie ihr erstes Kind, vier Jahre später das zweite. Kinder, Mann, ein guter Job, alles ist gut – bis sich plötzlich alles ändert. Ihr Mann trennt sich von ihr, mit 24 Jahren ist Rogl alleinerziehend. „Das tat wirklich weh“, sagt sie. „Ich war in einer ziemlichen Krise.“ Wenn es im Leben Momente gibt, an denen sich der weitere Weg entscheidet, dann waren es bei ihr wohl diese Monate. In der Zeit des absoluten Tiefpunkts entscheidet sich Rogl für Optimismus. „Ich wollte einfach nicht mehr traurig sein“, sagt sie. Damals habe sie gelernt, dass Glück eine Entscheidung ist.

In ihrer schwierigsten Zeit hilft ihr das, was sie ihre beste Eigenschaft nennt: die Fähigkeit zur Kommunikation. Rogl hat schon früh angefangen, sich für Soziale Medien zu interessieren. Sie legt einen Facebook-Account an, als die meisten ihrer Altersgenossen gerade erst StudiVZ entdecken, bald darauf hat sie ihr eigenes Twitter-Profil, auch heute ist sie quasi immer online. Neben ihrer Stelle im Kindergarten nimmt sie einen zusätzlichen Job beim Münchner Verlag Tomorrow Focus an. Drei Jahre lang ist sie Community-Managerin bei Focus Online, so etwas wie die Aufpasserin in den Kommentarspalten also. Sie steigt auf, wechselt innerhalb des Verlagshauses. 2016 fängt sie bei Microsoft an, mit gerade einmal 30 Jahren ist sie in einer Führungsposition – eine Karriere, die für Frauen immer noch vergleichsweise ungewöhnlich ist. Fragt man Rogl, was ihr Erfolgsrezept ist, bekommt man eine überraschend simple Antwort: „Freundlichkeit“, sagt sie. „Wer Ellenbogen ausfährt, bekommt auch Ellenbogen zurück.“ Dazu kommen: ein gutes Netzwerk und das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Die neue Generation Frau: Früher hat man sich hochgevögelt, heute twitter man sich hoch. Da sind die Leistungsanforderungen eben doch sehr gesunken.

Früher war es Rogl oft peinlich, kein Abitur zu haben. Heute sagt sie, sie sei „sehr, sehr stolz“ darauf, es als Quereinsteigerin geschafft zu haben.

Da gibt es auch einen Podcast von der ZEIT über sie: Magdalena Rogl: “Ich finde es nicht schlimm, wenn man auf der Arbeit heult” Gut, dafür, dass man bei der Arbeit heult, dafür habe ich als Informatiker größtes Verständnis, das kommt bei Nutzung von Windows und anderer Microsoft-Software ständig vor. Ihr glaubt gar nicht, was für Leute ich da schon haben heulen gesehen, wenn die Daten weg sind oder die Kiste nicht macht, was sie soll. Da dann aber zu arbeiten, das ist Masochismus.

Der Microsoftmanagerin Magdalena Rogl war es lange peinlich, kein Abitur zu haben. Das Gespräch über Scham, Ablehnung und Erfolg im Arbeitspodcast hat viele interessiert.

[…]

“Ganz lange habe ich versucht zu verheimlichen, dass ich kein Abi und nicht studiert habe”, sagt Magdalena Rogl im ZEIT-ONLINE-Podcast Frisch an die Arbeit. Die 34-Jährige, die heute als Head of Digital Channels bei Microsoft arbeitet, war keine gute Schülerin. Mit 16 Jahren enschied sie sich dazu, die Schule abzubrechen. Sie wollte Kindererzieherin werden und begann eine Ausbildung.

So wird man dann „Microsoft-Managerin“ – und dann beschwert man sich darüber, wie sehr doch Frauen diskrimiert, benachteiligt, ausgegrenzt werden. Die „gläsernen Decken“ und so.

Rogl begann sich auf andere Stellen zu bewerben, schrieb über 50 Bewerbungen – und kassierte nur Absagen. “Da hatte ich richtig Angst. Ich hatte das Gefühl, das wird nichts mehr.” Schließlich klappte es doch, im Jahr 2016 bekam sie eine Zusage von Microsoft Deutschland. Heute sitzt sie auf vielen Podien, tritt bei Konferenzen auf und spricht über Digitalisierung, Diversität und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Die ausgebildete Kindergartentante sitze auf Podien und spricht über Digalisierung und Diversität.

Noch immer habe sie manchmal das Gefühl, nicht überall mitreden zu können, sagt Rogl im Podcast. Etwa, wenn es um “businesslastige Themen” gehe. Doch mittlerweile habe sie gelernt, damit umzugehen.

Ja. Als Frau muss man nicht mitreden können, sondern einfach lernen, damit umzugehen, dass man keine Ahnung hat.

Auch sie selbst habe Gefühlsausbrüche auf der Arbeit: “Ich schreie meinen Bildschirm an, wenn etwas nicht so läuft, wie ich möchte.” Ihr Team löse das mit Humor – und der Candybar in der Abteilung.

Microsoft Windows halt. Da bleibt einem nicht viel anderes, als den Bildschirm anzuschreien. (Informatiker-Tipp: Der Bildschirm kann nichts dafür. Man muss den PC anschreien. Oder am besten den, der einem da Windows drauf installiert hat.)

Der Bayerische Rundfunk hat auch noch einen Podcast mit ihr: Eltern ohne Filter Es geht um ihren „beeindruckenden Lebensweg“.

Da fragt man sich: Wie schafft es eigentlich eine Schulabbrecherin mit Ausbildungsstand Kindergartentante in die ganzen Medien? Denn liest man die oben genannten Texte über sie, dann hat sie bisher außer Kinder zu kriegen, sich über 450-Euro-Jobs zu hangeln und aus unerfindlichen Gründen Glück mit einer Bewerbung bei Microsoft gehabt zu haben, noch gar nichts geleistet. Es wird auch nicht erwähnt, was sie da überhaupt macht, was sie eigentlich dort tut, außer eben Twitter-Kanäle zu überwachen. Twittern kann die achtjährige Nachbarstochter hier auch. Es nährt den Verdacht, dass sie Mitglied bei den Grünen sein könnte. Oder dass man das vielleicht gar nicht so genau sagen will, was die eigentlich macht, denn oben stand irgendwo was vom Kontakt zu „Influencern“. Sowas wie Modeblogger, nur für Software?

Und weil das immer noch nicht reicht, schreibt mir noch einer, da gäbe es auch noch die „Business Ladys : Mittagspause am Mittwoch: Magdalena Rogl, Head of Digital Channels, Microsoft“

Was machst du eigentlich? Beschreibe deinen Beruf in drei Sätzen.

Seit Kurzem bin ich Head of Digital Channels bei Microsoft. Mit meinem Team betreue ich die interne und externe Social Media Kommunikation, wobei wir einen starken Focus auf Relations setzen. Ich denke, Kommunikation hat immer etwas mit Beziehungen zu tun und ich freue mich sehr, dass das hier so konsequent umgesetzt wird.

Früher sagte man „irgendwas mit Social Media“. Heute sagt man „Head of Digital Channels bei Microsoft“.

Erzähl bitte mehr von dir. Wie bist du dahin gekommen? Welche Entscheidungen hast du warum getroffen?

Meine erste Ausbildung war die zur Erzieherin. Ich bin also eine typische Quereinsteigern.
Wenn mir vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte, dass ich einmal in der Unternehmenskommunikation von Microsoft arbeiten würde, hätte ich vermutlich gelacht.
Ursprünglich habe ich eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht. Die Arbeit mit Kindern hat mir wahnsinnig Spaß gemacht, aber irgendwie gab es da noch einen Drang nach mehr. Außerdem ist das Leben in München extrem teuer, also habe ich nach einem Nebenjob gesucht. Privat habe ich mich schon immer sehr für Kommunikation und „das Internet“ interessiert und da passte es perfekt, dass FOCUS Online Community Administratoren suchte. Dieser Bereich hat mich so begeistert, dass ich mich dazu entschieden habe, ein Onlinestudium in Social Media & Community Management zu machen. Und dann kam eins zum anderen. Viele Entscheidungen habe ich wahrscheinlich unterbewusst getroffen. Was für meinen beruflichen Weg sicher von Vorteil war, ist meine Leidenschaft für Menschen und Networking. Dazu noch eine große Portion Glück 😉

Ja, das hatte ich ja neulich schon bezüglich eines anderen Konzerns beschrieben, dass dort der firmeninterne Umgang seit der Frauenförderung zum Kindergartengehampel verkommt. Im Ernst, ohne Scheiß: Ich musste da zu einer frauengemachten Schulung, in der jeder ein Blatt Papier und Wachsmalstifte bekam, und dann was malen sollte. Und IT-Expertinnen meinten, dass man ausgewachsenen IT-Experten Fragen der IT-Sicherheit durch heitere Ratespiele nahebringt. Da ist eine Kindergartenausbildung natürlich die perfekte Qualifikation für eine Führungskraft. Das ist heute so.

Ja, und die Russen?

Während mir fast alle Leser dazu nur fassungslos obige Links geschickt haben, stellt einer auch richtig ernste Fragen:

Hallo Hadmut,

bei der Literatur Deiner Ausführungen zur Digitalisierung Münchens voraussichtlich via Microsoft springt mir die aktuelle Diskussion um unsere Abhängigkeit von russischem Gas und Öl ins Auge. Sich von einer
‘single source’ ohne Not derart abhängig zu machen ist falsches Risikomanagement. Die gesamte Verwaltung von Microsoft abhängig zu machen geht in diesselbe Richtung. Microsoft hat bei politischem Bedarf
unser Land mindestens genauso im Griff, wie Russland. Dass nicht nur in Russland die ‘Bösen’ sitzen, zeigt das seit vielen Jahren bestehende Sanktionsregime der USA gegenüber missliebigen Staaten.

Interessant wäre aber mal zu wissen, wie sehr Russland von Windows abhängig ist, ob Russland Alternativen hat. Zumindest habe ich noch nicht gelesen, dass auch die Nutzung von Windows sanktioniert werden
solle. Microsoft könnte ja aber auch jederzeit ‘böse’ Updates aufspielen. SWIFT ist auch ein Beispiel, bei dem ein Land mal schnell vom einfachen Zahlungssystem abgeschaltet werden kann. Dafür hatte sich
Russland aber vorbereitet.

Da hat der Leser völlig recht. Den Microsoft-Kram einzusetzen ist schon wegen seiner Undurchsichtigkeit und seines abstrusen Lizenzsystems ein No-Go. Dazu kommt, dass man alle seine Daten völlig der US-Regierung ausliefert, weil Microsoft als US-Konzern denen jeden Zugang gewähren muss. Bis vor ein paar Jahren hatte Microsoft ein Rechenzentrum, das T-Systems „treuhänderisch“ für sie betrieb, um einen gewissen Schutz behaupten zu können. Das hat man dann aber aufgelöst, offiziell, weil es den Kunden dann doch zu isoliert war. Branchenintern erzählte man sich aber, das habe mit einer Gesetzesänderung in den USA zu tun, wonach der Standort des Rechenzentrums außerhalb der USA und mit eigener Tochterfirma nicht mehr schütze, sondern es für den Zugriff bereits ausreiche, wenn der Mutterkonzern in den USA sitze, oder so ähnlich. Man konnte sowas zwar nicht offiziell zugeben, aber eine Datensicherheit zu behaupten, die mit US-Recht nicht recht vereinbar war, ging da auch nicht mehr.

Schon deshalb ist es grotesk, Daten in die Microsoft-Cloud zu schieben. Ich bin da vor einiger Zeit auch mal richtig fuchtig geworden, als ein Konzern, für den ich arbeitete, zunächst einen Mailserver, den wir lokal in der Firma unter eigener Kontrolle und im eigenen Serverraum betrieben, in das Konzernrechenzentrum wegmigrierte und unserer Kontrolle entzog, und dann aber – ohne die Mitarbeiter zu fragen – nochmal in die Office365-Cloud migrierte. Das wäre zwar schon übel, aber noch halbwegs vertretbar gewesen, wenn man gesagt hätte „ab jetzt“. Aber die haben gleich die gesamten Mailboxen mit teils jahrealten Mails migriert, ohne eben die Mailboxinhaber oder auch die Absender der jeweiligen Mails zu fragen. Denn wer vor Jahren mal eine Mail von außen an die Firma geschickt hat, konnte nicht damit rechnen, dass das Unternehmen das Zeug Jahre später in einer Microsoft-Cloud speichern würde. Und das ist umso kritischer, als man nach US-Straf- und Börsenrecht schon in üble Probleme kommen kann, wenn man nur eine Mail löscht, weil das dort schon als Beweisvernichtung gesehen werden kann. Man kann da schon Probleme bekommen, wenn man eine Mail auch nur löscht, wenn sie da einmal drin ist.

Dann aber kommt noch die Abhängigkeit von Microsoft als Single Point of Failure dazu. Man wird unwiderruflich von denen abhängig, ist denen völlig ausgeliefert.

Und dann ist die Frage mehr als berechtigt, wer eigentlich so wahnsinnig ist, sich, sein Unternehmen, seine Behörde Microsoft derartig auszuliefern.

Ist es eigentlich noch keinem aufgefallen, dass so viele Behörden, Gerichte, Hochschulen nach Hacker-Angriffen viele Monate, manchmal Jahre brauchen, um ihre IT wieder zum Laufen zu bringen?

Es gibt in der IT-Sicherheit eigentlich so eine Faustregel: Die Kern-IT muss nach Ausfall innerhalb von 48 Stunden wieder laufen (auch an Feiertagen). Weil nach drei Tagen die Kunden zur Konkurrenz wechseln und der Laden pleite ist. Nun sagt deshalb mancher, dass man ja gerade deshalb in die Microsoft-Cloud geht, weil das dann deren Problem und nicht das eigene sei. (Ich frage dann gerne: Und wer ist dann pleite und tot, wenn es nicht klappt? Du oder Microsoft?)

Und aus dem ganzen Russen-Gas-Debakel hat man nicht gelernt, wie gefährlich es ist, sich in Abhängigkeit von einer einzelnen finsteren Macht zu begeben. Wer ist gerade Außen- und Wirtschaftsminister? Baerbock und Habeck. Es grünt so grün, aber es dämmert nichts.

Bill Gates

Bill Gates hat neulich gefaselt, dass er der Meinung ist, dass jegliche Kommunikation von KI-Systemen darauf geprüft werden müsse, dass sie nicht gegen Recht verstößt. Also so kein Terror, keine Kinderpornographie, keine politisch unkorrekte Sprache. Wehe, man redet vertraulich über einen Dritten und gendert ihn falsch.

Und so einem Laden wollt Ihr Eure Kommunikation anvertrauen?

Aber wie schon gesagt: Feminisierung und Microsoftisierung gehen Hand in Hand. Denn auch hier gilt das Ursula-von-der-Leyen-Prinzip: Je quotenfrauiger der Laden, desto höher der Druck, die Aufgaben an externe Berater und Dienstleister auszulagern. Es ist das, was ich schon zum sozialistischen Luftschloss beschrieben habe. Uns gaukelt man einen Sozialstaat vor, mit Krankenversorgung, Arbeitslosengeld, Mindestlohn, tatsächlich aber hat man immer größere Teile unserer Gesellschaft in Form der Arbeit in Billiglohnländer wie China, Kambodscha, Bangladesh, Myanmar ausgelagert ohne Sozialsysteme, dafür mit Kinder- und Sklavenarbeit ausgelagert. Und genauso gaukelt man uns eine „gerechte, diverse“ Welt mit arbeitsintegrierten Frauen vor, aber hinter den Kulissen machen wieder Männer die Arbeit, weil man das alles in Beratungsfirmen und auf Dienstleister auslagert, um den Frauenanschein zu wahren. Und die stellen sich dann so ein paar Zier- und Quotenfrauen ins Schaufenster, damit es dort so aussieht, als ob. Die Frauenquote in deutschen Firmen und Behörden ist soviel wert wie unser Mindestlohn und unsere Sozialversicherung in Myanmar. Aber vielleicht kommt ja nach dem „Lieferkettengesetz“ bald auch das „Frauenkettengesetz“.

Wird Zeit, dass Deutschland zusammenfällt.

Das Gute zum Schluss

Ich will ja nun auch was Positives zeigen:

Ist das nicht wunderbar, wenn man im feministischen Microsoft-Europa-Headquarter arbeitet und jemanden kennt, der einem bei Technik-Problemen weiterhelfen kann, den man anrufen kann?

Deshalb passt es ganz wunderbar zusammen, dass München auf Microsoft umstellen und Laura Dornheim zur IT-Referentin wählen will. Denn was könnte einem Besseres passieren als die zu haben, bei der das Microsoft-Headquarter anruft, wenn sie ein Technik-Problem haben?