Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Mann, Frau, Hirn, Gott, links, rechts

Hadmut
9.12.2021 19:21

Naja, so mittelprächtig.

Eine Leserin verweist zu den Überlegungen zur Funktionsweise des Gehirns auf diesen Artikel: Das Problem mit der linken Hälfte – oder: Gott entsteht im Hirn eines Hugo Stamm im „Sektenblog“.

Bin damit jetzt aber auch nur so halb einverstanden.

Religion und Glauben sind auf der emotionalen Seite angesiedelt. […]

Zuständig für religiöse Gefühle ist die rechte Hirnhälfte. Sie erzeugt auch die starke Sehnsucht nach einem Gott oder einem göttlichen Wesen.

Versuchen wir mit der linken Hirnhälfte, die zuständig ist für die rationalen und abstrakten Belange, Gott zu erfassen, wird es kompliziert. Denn von dort tauchen Fragen nach Gott, einem Leben nach dem Tod und der Erlösung auf, die sich nur schwer beantworten lassen. Denn es gibt keine logischen Erklärungen für religiöse Phänomene.

Dieses Dilemma haben schon unsere Urahnen erkannt. Sie schrieben in die Bibel, selig seien die Armen im Geiste. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass sich den Reichen im Geiste Gott entzieht.

Ja.

So eine Betrachtung der Hirnhälften und was passiert, wenn sie getrennt werden, hatte ich ja neulich zum Thema „split brain“. Da gibt es ja das Phänomen der „Konfabulation“, bei dem sich split-brain-Betroffene fehlende Informationen oder was sie nicht verstehen, einfach durch frei erfundene Geschichten ergänzen.

Ich hatte ja mal die Hypothese aufgestellt, dass „Gott“ eine Art imaginierter Leithammel ist, den wir immer mit uns nehmen können, damit wir ihm immer und überall dahin folgen können und müssen, wo wir gerade hinwollen.

Eine andere Hypothese wäre, dass „Gott“ eine Art Füllstoff, eine Ersatzerklärung ist, die alles erklärt, was wir uns nicht erklären können, damit das Hirn seine Ruhe hat. So eine Art Fallback- oder Default-Erklärung für alles und jedes, was dem Denkfaulen und Dummen ja dann auch das Leben erleichtert, weil er für nichts nach einer Erklärung suchen muss – im Zweifelsfall hat er ja immer eine parat.

Spart Arbeit.

Und könnte demselben Prinzip der Klaubautermänner, Kobolde und Heinzelmännchen folgen, die ja auch nichts anderes sind, als eine Art Füllstoff, Erklärstoff für alles, was wir uns gerade nicht erklären können. Irgendwas weg, was gestern noch da war (oder wir das glauben)? Müssen die Hausgeister oder Kobolde gewesen sein. Ich habe einen entsetzlich abergläubischen Verwandten, der einfach alles immer mit Astrologie, Geistern, Hellsehen und sowas erklärt. Mit rationalen Erklärungen fühlt der sich nicht wohl, die akzeptiert der nicht wirklich.

Könnte Gott also so etwas wie die XXL-Profi-Version der Heinzelmännchen sein? So richtig durchorganisierte Vollesoterik?

Begriffspaare

Mal anders gefragt: Eines meiner Steckenpferde sind ja diese journalistischen Doppelbegriffe, diese Begriffspaare für dieselbe Sache, eines positiv und eines negativ konnotiert.

Sind Gott und Teufel so ein Begriffspaar?

Sind diese Doppelbegrifflichkeiten vielleicht nicht einfach nur ein rheotorischer Kniff oder dreckiger Trick, sondern eine Folge unseres Rudelverhaltens, alles in gut (eigenes Rudel) und schlecht (feindliches Rudel) einteilen zu wollen, und das mit demselben Begriff nicht ginge, man also zwei braucht? Damit, um ein Beispiel zu nennen, die Diversität total gut und die Heterogenität für alles Schlechte zuständig sein kann, obwohl es nicht nur das gleiche meint, sondern der gleiche Begriff ist, nur lateinisch und griechisch?

Zu Linken und Rechten hatte ich das ja schon vermutet, dass es einfach nur darum geht, in das eigene und das fremde Rudel zu unterscheiden.

Sind wir auch da im Bereich der doppelbegrifflichen Konfabulation, und deshalb Linke für alles Gute und Rechte für alles Schlechte verantwortlich sind?

Ist Political Correctness nur Ausfluss einer Unterkomplexität des Gehirns?

Oder anders gefragt: Ist Political Correctness die zwingende neurotechnische Folge mangelnder linker Hirnfunktion, die zu konfabulierenden Erklärungsmustern führt?

Nochmal gefragt: Wenn rechtshirnige besonders religiös sind, sind dann solche Erklärungsmuster wie Ketzerei, Ungläubigkeit, Sünde eine unmittelbare Folge rechtshirniger Konfabulation? Ist die katholische Kirche die Kathedrale der Rechtshirnigkeit? Oder der Islam?

Könnte es also sein, dass wir gar keinen eigenen Willen zum Glauben haben? Dass die Strukturen unseres Hirns dafür verantwortlich sind, ob wir uns Gott vorstellen können oder nicht?

Im Prinzip ja, ich würde es aber anders formulieren: Ob wir Gott brauchen oder nicht. Ob wir damit leben können, uns etwas vorläufig nicht erklären zu können – oder dann eben wissenschaftlich nach der Erklärung suchen, bis wir es eben wissen. Oder ob wir jede Erklärungslücke sofort mit dem Gottesmodell zukleistern müssen, um Hirnruhe finden zu können.

Das könnte durchaus mit linken und rechten Gehirnhälften zu tun haben.

Sind vielleicht deshalb Frauen im Schnitt gläubiger als Männer, weil bei ihnen die rechte Hirnhälfte stärker ausgebildet ist oder eine dominantere Rolle spielt? Können Skeptiker, die die Welt kognitiv erfassen wollen oder müssen, gar nichts dafür, dass sie keine Gotteserfahrungen machen können? Entsteht Gott vielleicht im Hirn?

Na, wo auch sonst? Im Darm oder den Beinen sicherlich nicht.

Das hängt aber sicherlich damit zusammen, dass Männer mehr zu Wissenschaft und Technik neigen als Frauen, und dass die Gender-Studies-Tanten so jammern, dass man doch die Informatik enttechnisieren und sozialkrambetanken müsse, damit Frauen da auch mitmachen können. Informatik ist ja so ein ganz rein linkshirniges Fach. Ich kenne mehrere Frauen, die im Rahmen der Frauenförderung und feministischen Politik Informatik studiert und Abschluss gemacht haben, Diplom, Promotion, und dann hingeworfen haben, weil sie sagen, sie könnten damit überhaupt nichts anfangen, sie hätten überhaupt keinen Bezug dazu. Eine wurde Muttertier und hatte nich mal mehr eine E-Mail-Adresse, eine andere hat einfach alles vergessen und nochmal etwas ganz anderes studiert.

Andere Hirnhälfte?

Umgekehrt gefragt:

Sind nicht etwa Männer männlich, weil sie linkslastig sind und Frauen weiblich, weil rechtslastig, sondern umgekehrt die Einteilungen in Hirnhälften da, um zwei Geschlechterprogramme gut abbilden zu können?

Wenn dem so wäre, würden die religiösen Konzepte und Dogmen in sich zusammenfallen. Dann wäre es eine fundamentale Ungerechtigkeit, wenn Gott am Jüngsten Tag nur jene Menschen erretten würde, die fleissig die Gottesdienste besucht, gebetet, ihn verehrt und an ihn geglaubt haben.

Ja, sowas sage ich ja schon immer. Warum im Konjunktiv, als sei Gott gegeben und das Maß dafür? Und das ist aber auch, wo der Text dann wegkippt.

Das Hilfskonstrukt der Seele

Ein Ausweg aus dem Dilemma könnte das Hilfskonstrukt der Seele sein. Siedelt man religiöse Empfindungen dort an und nicht im Hirn, geht die Rechnung der Religionen und Gläubigen wieder auf.

Doch dann stellt sich die Frage, wie die Seele funktioniert. Ist sie losgekoppelt vom Hirn, ist sie neurologisch unabhängig, getrennt vom Körper? Wir wissen es nicht. Niemand kennt die Seele. Sie lässt sich nicht lokalisieren.

Deshalb haben Menschen, bei denen die linke Hirnhälfte besonders aktiv ist, ähnlich kritische Fragen zur Seele wie zu Gott. Beide lassen sich nicht definieren, rational begreifen oder kognitiv erklären.

Und da merkt man dann doch, dass der Autor aus der Philosophie- und Religionsecke kommt, sich die Welt einfach über Hilfskonstruktionen zusammenreimt, damit es sich bequem darin sitzen lässt, wie die Genderisten. Er will die Religion retten, indem er eine Seele konstruiert, die er gleich der Erklärung entzieht. Also auch so konfabuliert, um sich was zusammenzugotten.

Wohl deshalb sind die exakten Wissenschaften der grösste Feind der Religionen. Denn für sie ist wieder die linke Hirnhälfte zuständig.

Womit wir bei der finalen Frage angelangt sind: Wieso hat Gott – falls es ihn gibt – uns mit einer linken Hirnhälfte ausgestattet? Denn damit hätte er ein Instrument geschaffen, um sich selbst abzuschaffen.

Nein, das ist nicht die Frage.

Das ist schon die Antwort. Auf die Frage nach dem Leben, dem Universum, und dem ganzen Rest. Ob es Gott gibt. Man könnte sagen, ja. In der rechten Hirnhälfte von Menschen mit zu schwach ausgeprägter linker Gehirnhälfte.

Krieg gegen die Wissenschaft

Mir geht gerade eine Frage durch den Kopf.

Ist der politische Umsturz, den wir gerade erleben, Gender, Migration, Marxismus, der Krieg der rechtshirnigen gegen die linkshirnigen?

Gender-Studies, der politisch motivierte Frauenterror, waren ja der totale Terror gegen weiße Männer und die Wissenschaften, ein Wissenschaftsvernichtungskrieg, bis ihnen Klima und Corona in die Quere kamen und man plötzlich Wissenschaft zumindest rhetorisch brauchte.

Rufen wir uns nochmal in Erinnerung, wie dieser Gender-Wahn sich aufgeblasen hat. Männer würden vom eigenen Ich abstrahieren und ihr Geschlecht, ihr Gefühlsleben (ihre rechte Gehirnhälfte…) draußen vor dem Labor lassen, und dann völlig vom eigenen Ich abstrahieren, objektivieren. Frauen könnten das nicht, sie könnten sich nicht von ihrem Gefühlsleben abstrahieren, und deshalb sei Wissenschaft an sich frauenausgrenzend. Was nur als billiges, dummes Gebabbel gedacht war, um die eigene Denkfaulheit zu entschuldigen, könnte am Ende die einzige empirisch richtige Aussage der Gender Studies sein, sie aber komplett widerlegen. Denn diese Darstellung, warum Wissenschaft frauenausgrenzend sei, würde exakt zur Funktion und Gewichtung der Hirnhälften passen.

Man müsste das also eigentlich übersetzen in: Naturwissenschaft, Technik, die MINT-Fächer finden im linken Teil des Gehirns statt, und grenzen deshalb alle aus, die nur im rechten Teil denken können – mithin die meisten Frauen.

Daraus könnte man folgern, dass der ganze Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften sowas sie „Wissenschaft spielen und Beamtenstellen bekommen für Rechtshirnige“. Deshalb wirken die Geistes- und Sozialwissenschaften auch so wie Cargo-Cult. Sie sind Cargo-Cult. Das Nachahmen linkshirnigen Gehabes mit der rechten Hirnhälfte.

Was aber würde das heißen?

Das Feinbild ist der weiße, heterosexuelle, unreligiöse (oder höchstens christliche) weiße Mann.

Daraus würde man schon folgern können, dass er eben deshalb unreligiös ist, weil er eben linkshirnig ist.

Nun wollen aber die unterdrückten linkshirnlosen – Frauen, Marxisten, Geisteswissenschaftler – unbedingt eine Migration haben. Bevorzugt mit Leuten starker Religiosität. Rechtshirnige.

Ist die derzeitige Entwicklung die Zusammenrottung der Rechtshirnigen aus einem Unterlegenheitsgefühl heraus den Linkshirnigen gegenüber, die die Technik, die Moderne, die Entwicklung der Welt dominieren, kolonialisiert haben?

Es ist nur ein Gedanke, eine Hypothese. Aber sie würde passen.

Sie würde den ganzen Gender- und Gleichheitskrampf erklären. Eigentlich würde alles auf den einfachen Nenner hinauslaufen, Rechtshirnige den Linkshirnigen gleichzustellen.

Woher kommt’s?

Wir wissen, dass wir in Teilen vom Neandertaler abstammen. Der ist nicht ausgstorben, der hat sich gepaart und gemischt. Sind wir deshalb kooperationsfähiger als andere? So, wie die an die Kälte angepassten Affen, von denen ich mal geschrieben hatte? War der Neandertaler auch an andere Lebensumstände angepasst, die Kooperation und Erforschung des Umfeldes erforderten, um überlegen zu können?

Ist die linke Hirnhälfte ein genetisches Erbe des Neandertalers?

Ist der Islam – genauer gesagt, dessen Gegenteil, die Fähigkeit ohne Religion, allgemeiner gesagt, ohne rechtshirnige Konfabulation – auszukommen – genetisch vererbt?

Linke und Rechte

Mir geht gerade eine irre Idee durch den Kopf.

Ich hatte ja schon einiges zu den Hirnhälften geschrieben. Beispielsweise, dass ich ausgeprägter Rechtshänder bin.

Oder auch, dass mein typischer Schreibfehler, nämlich beim Maschinenschreiben (und nur beim schnellen Maschinenschreiben auf der Tastatur, niemals beim Handschreiben) dazu neige, ganze Silben gegen andere zu vertauschen, die ähnlich klingen, aber ganz anders geschrieben werden, weil der falsche Bewegungsablauf ausgelöst wird, und das in den verschiedenen Hirnhälften stattfindet, das also Rückschlüsse darauf zulässt, wie die Information übertragen wird, wenn dafür nur wenig Zeit ist (passiert mir nämlich umso öfter, je schneller ich schreibe). Einige Leser hatten diesen Effekt bei sich auch schon beobachtet. Es scheint mit der Geschwindigkeit zu tun zu haben, in der die Informationen zwischen den Hirnhälften übertragen werden, und nur bei sehr schnellem Schreiben aufzutreten. Ab einer gewissen Schreibgeschwindigkeit kommt womöglich nur der Wortklang schnell genug an.

Mir ist auch schon was anderes aufgefallen.

Ich bin ja nun schon einige Male über mehrere Tage bis Wochen in Ländern mit Linksverkehr gefahren.

Dabei ist mir aufgefallen, dass ich manchmal das Gefühl habe, dass mir der Linksverkehr irgendwie sinnvoller, natürlicher erscheint. Ich bin es gewohnt, dass mir der Gegenverkehr auf der linken Seite entgegenkommt. Kommt er aber auf der rechten Seite entgegen, erscheint mir das zwar fremd und ungewohnt – aber manchmal irgendwie richtiger. Plausibler. Ich weiß nicht, warum. Aber vielleicht, weil Verkehr, der mir auf der rechten Seite entgegenkommt, eher von der linken Hirnhälfte wahrgenommen wird und die für Plausibilität zuständig ist.

Weil die Wahrnehmung und die Sinnesorgane gekreuzt verkabelt sind, könnte es sein, dass das rechte Gesichtsfeld mit der linken Gehirnhälfte verkabelt ist und mir deshalb eher liegt.

Jetzt der irre Gedanke:

Ich hatte schon öfters geschrieben, dass die Einteilung in „Linke“ und „Rechte“ willkürlich und blödsinnig ist, weil sie nur auf der belanglosen und willkürlichen Sitzordnung in der Paulskirche beruht und rhetorisch verwendet wird, um einen Gegensatz, eine diametrale Position zu suggerieren, obwohl das eigentlich nur ein Bruderkrieg über kleine parametrische Unterschiede ist.

Wie ich nun aber darüber nachdenke, kommt mir ein Gedanke.

Könnte es vielleicht sein, dass alle die rechtshirnigen Linken, Feministen, Marxisten und so weiter, eben aufgrund ihres Schwerpunktes auf der rechten Hirnhälfte über die verkreuzte Verkabelung eine generelle Präferenz für Dinge im linken Gesichtsfeld haben, und es reiner Zufall ist, dass man Linke und Rechte über die Sitzordnung der Paulskirche als „Linke“ und „Rechte“ bezeichnet, und damit in die Präferenzen gerät, obwohl es damit eigentlich gar nichts zu tun hat?