Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Mein PCR-Test

Hadmut
18.10.2021 21:53

Eine Anmerkung.

Ich hatte doch neulich die Frage aufgeworfen, was der Unterschied zwischen einem RT-PCR-Test und einem RT-PCR-Test ist. Weil die einen meinen, RT bedeute Reverse Transcriptase, und der andere, das bedeute Real Time. In Dubai wollen sie das mit der ersten Bedeutung, das Testzentrum hier übersetzt es mit der zweiten.

Als ich bei dem Testzentrum ein zweites Mal nachfragte, wieso es da zwei Bedeutungen gäbe, und welches sie nun anböten, bekam ich die schroffe Antwort, ich solle mir doch ein anderes Testzentrum suchen. Das zog ich in Erwägung, aber hatte da das Ticket für den Test bereits bezahlt.

Eine überwältigende Zahl von Lesern aller einschlägigen Fachbereiche, Ärzte, Biologen, Leute, die darüber promoviert haben, meldeten sich bei mir, um mir das zu erklären. Manche räumten aber ein, dass ihnen das auch noch nicht aufgefallen sei, dass zwei Interpretationen für „RT“ in Umlauf wären. Alles zusammengefasst – es ging weit über mein Laienverständnis hinaus, was die mir da alles erklärt und erläutert haben, war aber sehr interessant, ist, das beide RTs wichtig sind. Eigentlich müsste man es als RT-RT-PCR bezeichnen, weil es beides sei, aber diese Mehrdeutigkeit falle meist nicht auf, weil man das zweite RT eigentlich auch gar nicht RT, sonder q , also qPCR nenne, damit es eben zu solchen Verwechslungen nicht komme.

Ohne das erste RT gehe gar nichts, man brauche die reverse Transkriptase, um aus der RNA eine DNA zu machen. Da flackerten irgendwann in meinem alten, müden, kriegserprobten und leidgeprüften Hirn alte Erinnerungsmuster an den Bio-Unterreicht auf. DNA-Strang, Doppelhelix, einer richtig, der andere der Negativ-Abdruck. G-A-T-C oder so ähnlich. Und aus dem Negativ-Abdruck macht die dann wieder den Positivabdruck wie aus einem Gipsabdruck, habe ich so in entfernter laienhafter Schemenerinnerung.

Jedenfalls sei das total wichtig, das werde immer und überall gebraucht, auch in der Forensik. Nur so könnte man aus winzigsten Spuren nachher den DNA-Abdruck herauslesen. Wird wohl damit erst mal vervielfältigt, bis man genug hat. Anscheinend wird das, was sie einem da aus den Löchern herauspoken, damit auch erst mal vervielfältigt, damit man was zum messen hat.

Und, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, bezieht sich das mit Real Time auf diese Messung. Früher habe man das, so habe ich das verstanden, radioaktiv markieren müssen, um es dann anhand der Strahlung irgendwie auszuzählen, inzwischen aber gebe es fluoreszierende Farbstoffe, die sich da anlagern und denen man in Echtzeit zuschauen kann.

Seltsam, dass das Labor das nicht wusste.

War übrigens das, über das ich schon mal berichtet hatte, wo ich nämlich wutentbrannt ohne Test wieder gegangen war, weil ich in der Hochzeit der Corona-Krise zwar pünktlichst erschienen war, draußen vor der Tür aber eine rund 100 Meter lange Schlange stand, in der die Leute gar keine Abstände zum Vordermann hielten.

Weil’s halt nun mal um die Ecke ist und ich in ein paar Minuten zu Fuß hin kann und sie das billigste Angebot hatten, hatte ich da einen gebucht, zum einfachen Tarif mit Ergebnis bis zum nächsten Abend, also morgen abend.

War fast nichts los.

Vor mir in der Schlange nur zwei Personen. Eine Frau, die endlos diskutierte, ob sie den Test nicht doch kostenlos haben könnte.

Und ein Mann, der wortreich erklärte, warum er den Test in bar zahlen müsse – weil weder sein Bankkonto noch das seiner Freundin noch zahlungsfähig sei.

Ich wurde dann vorgezogen, weil ich das fertige Ticket schon hatte, vor mir nur gähnende Leere. Die Laborantin winkte mich gleich rein, die hatte nichts zu tun. Äußerst freundlich und erklärreich, aber es fühlte sich an, als würde sie mir das Wattestäbchen durch die Nase bis in den Zwölffingerdarm schieben, die Magenspiegelung gleich miterledigen und den Blinddarm durchputzen. Ich hab erst mal drei Minuten gebraucht, bis ich mich davon wieder erholt hatte, die Augen tränten.

Ich bekam ein Kärtchen mit einer langen Code-Nummer drauf, die ich dann eingeben müsse, um den Test herunterladen zu können, so als Zusatzpasswort.

Eben kam zu meiner Verblüffung schon das Testergebnis, obwohl ich dort nur dafür gezahlt hatte, es bis zum nächsten Tag zu bekommen.

Aus irgendwelchen Gründen, die ich nicht verstehe, brauchen sie geschlagene 3 Seiten, um alle Informationen darzustellen, obwohl es so viele nicht sind. Drei Seiten finde ich ganz schlecht. Eine ist gut. Zwei gehen auch noch, wenn man einen Duplex-Drucker hat. Passen auch auf ein Blatt. Aber drei Seiten muss man heften (und kann sie auch nicht laminieren), das ist immer schlecht. Das reißt, ist Stückwerk. Die dritte Seite ist das eigentliche Zertifikat und dabei richtig wertarm, es steht nämlich nicht drauf, was für ein Test das war, Anschrift, Reisepassnummer. Die steht nur auf Seite 1. Wer denkt sich sowas aus?

Dafür heißt der Test nun RT-qPCR.

Ach ja, die lange Nummer, die den Zugang sichern sollte, habe ich nicht gebraucht. Konnte man so herunterladen.

Naja, denke ich, wenigstens habe ich es jetzt.

Aber, ach.

Weil die in Dubai meinen, sie bräuchten es auf QR-Code, kam ich auf die verwegene Idee, den QR-Code zu testen.

Alle Prüf-Apps, die ich schon hatte und probiert habe, sind der Meinung, der QR-Code sei nicht gültig.

Schaue ich mir den QR-Code genauer an, dann enthält der kein Zertifikat, sondern einen URL auf das Testzentrum mit sehr langem Pfad. Anscheinend das Zertifikat als Parameter zum URL. Die App will offenbar sowas wie beim Impfzertifikat, wo das Zertifikat direkt im QR-Code selbst steckt.

Gehe ich aber drauf, bekomme ich nur eine Info-Seite, dass ich eine von drei Apps installieren müsse. Eine davon habe ich schon, die meint der QR-Code sei ungültig. Die Luca-App verweigere ich aus Prinzip. Und die dritte ist von dem Labor selbst und läuft nur unter iOS. Also iPad rausgekramt und herangezogen. Tatsächlich, damit geht es, scheint aber nur für Deutschland gemacht zu sein und dem Gastwirt zu sagen, dass er mich reinlassen soll.

Steht zwar auch auf Englisch drauf (Dubai verlangt Englisch oder Arabisch), aber auch einen QR-Code. Ob das dann dort funktioniert, werde ich dann sehen.

Irgendwie hätte ich mir vorgestellt, dass wir da nach eineinhalb Jahren Pandemie besser drauf sind und das ordentlich funktioniert und einheitlich ist. Irgendwie passt da wieder gar nichts zusammen und jeder druckt nur irgendwie irgendwas zusammen.

Nicht mal einen einheitlichen QR-Code bekommen sie auf die Reihe.