Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Kreditkarte ist anders

Hadmut
30.9.2021 0:51

Oha.

Erstaunlich.

Gerade erst vor ein paar Tagen hatte ich mich noch etwas, nur geringfügig, darüber geärgert, dass beim Reisen im Geldbeutel die Kreditkarte dicker aufträgt, weil die noch diese geprägte Kartennummer hat.

Die meisten Leute werden nicht mehr wissen, warum bei Kreditkarten die Nummer richtig herausgeprägt ist und herausragt, und nicht, wie etwa bei EC-Karten (oder wie auch immer die heute heißen) einfach eingeprägt oder mit dem Laser reingeschrieben ist. Noch vor 20 Jahren war das so, dass viele Läden die Kreditkartenzahlung „offline“ vorgenommen haben, weil: Rein mechanisch. Ohne jede Elektronik oder IT. Da gab es so einen Rahmen, der eine Händlerbeschriftung aus Metall eingelassen war, die erhaben herausragte, und ein Fach für die Kreditkarte. Die legte man da rein und dann ein mehrlagiges Formular darüber, dass druckempfindlich war und sich auf Druck so leicht blau verfärbte. Dann zog man mit einem Ratsch so einen Schieber mit einer Walze darüber, und hatte damit vom der Metallplatte den Namen des Händlers und von der Kreditkarte die 16-stellige Nummer übertragen, weil die eben alle herausragten und im druckempfindlichen Formular als Schrift sichtbar wurden. Dann hat der Händler mit dem Kuli den Betrag daraufgeschrieben, der Kunde dann unterschrieben und der Händler die Unterschrift mit der auf der Karte verglichen, und fertig war die Zahlung. Der Kunde bekam einen Durchschlag, und der Händler musste die Hauptseite des Formulars einreichen. Damals hatten die Karten noch keinen Chip, und auch noch nicht gleich einen Magnetstreifen. Der war dann auch erst mal nur für Geldautomaten da, nicht für Zahlungen.

Ein einziges Mal habe ich in einem Laden gezahlt, der nicht mal das hatte, der hatte nur so einen seltsamen Kuli mit einem drehbaren Ring drauf, und musste dann damit die Kreditkarte, die auf dem Tisch lag, auf das Formular durchdrücken musste.

Ich kann mich auch erinnern, dass vor 30 Jahren vor einer Art des Kreditkartenbetrugs gewarnt wurde, ohne zu verraten, was man dagegen eigentlich tun könnte:

Schritt 1:
Taschendiebe klauen einem Touristen den Geldbeutel mit der Kreditkarte. Der ruft natürlich sofort die Bank an und lässt die Karte sperren, darauf kommt es aber nicht an. Die Karte wird nämlich nicht verwendet, wie sie ist, sondern vorsichtig mit dem Bügeleisen plattgebügelt, um sie damit wieder in den Zustand eines Kartenrohlings zurückzuführen.
Schritt 2:
Ein anderer Kunde zahlt mit einer Karte derselben Bank in einem Laden, der den Dieben zugänglich ist. Weil dieser Kunde aber ganz normal bezahlt und seine Karte zurückbekommt, für ihn also alles normal ist, hat er auch keinen Grund, die Karte zu sperren. Die Nummer wird dann vom Formular in den durch Bügeleisen geplätteten Rohling übertragen, ganz normal eingeprägt, damit also eine Dublette gefertigt, mit der dann einer am gleichen Ort ähnliche Dinge einkauft. Der Kreditkartenfirma fällt das nicht auf, weil doch jener Kunde gerade am Ort X in Urlaub ist und Dinge wie Y kauft. Beispielsweise Schmuck in Singapur.

Der Kunststoff der Karte hält das angeblich aus, einmal wieder plattgebügelt und neu geprägt zu werden, wenn man es vorsichtig und mit der richtigen Temperatur macht.

Ich habe gerade eine ganz neue Kreditkarte gesehen. Aufkleber drauf, nix mehr mit Unterschrift. Ab jetzt Zahlung nur noch mit PIN. Chip, Kontaktlos und zu meinem Erstaunen immer noch mit Magnetstreifen (es gibt wohl in einigen Winkeln der Welt immer noch alte Geldautomaten, die nur damit funktionieren.)

Nicht mehr geprägt. Glatt.

Oho: Die Kreditkartennummer steht nicht mal mehr vorne drauf. Nur noch klein hintendrauf. Es ist im Normalfall nicht mehr vorgesehen, dass ein Mensch die noch liest. Außer natürlich bei Online-Zahlungen im Internet.

Und: Nicht mehr im Querformat, sondern Hochkant. (Was sich ja nur in der Bedruckung äußert.) Weil: Sie ist nur noch dazu gedacht, per Chip voraus irgendwo reingesteckt oder kontaktlos irgendwo drangehalten zu werden.

Damit ist das klassische Kreditkartenzahlen mit Ratsche und Unterschrift endgültig Vergangenheit.

Was aber auch heißt: Wer sich keine PIN merken kann, kann nicht mehr zahlen.