Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Flughafensicherheit

Hadmut
29.9.2021 12:40

Mmmmh.

Ich halte ja immer die Sicherheitskontrollen, an denen alles durcheinander geht und man Schlüssel, Geldbeutel, Handy, Kreditkarten und so weiter herausnehmen muss, Notebooks extra hinlegen, und einen dann die Schüsseln überholen, während man noch in der Abtastung oder im Scanner steht, für hoch sicherheitskritisch. Zu diebstahlgefährdet, es könnte man schnell einer zugreifen. Weshalb es sich übrigens bewährt hat, auf Reisen immer einen dieser dünnen Falt-Einkaufsbeutel, wie man sie in Drogerien wie Rossmann, bei IKEA usw. bekommt, dabei zu haben, weil sowas auf Reisen nicht nur generell sehr praktisch und nützlich ist, sondern den Gang durch die Security einfach erleichtert und sicherer macht, wenn man – falls die normale Reisetasche schon so gestopft voll ist, dass sie das nicht mehr aufnahmen kann – den ganzen Krempel in den Taschen, Gürtel, Kappe, was auch immer, einfach schnell in so einen Beutel werfen kann. Schützt nämlich auch vor den Blicken Dritter und man steht nicht im Getümmel da und muss die Taschen einräumen, sondern schnappt sich den Beutel und kann dann hinterher im Wartebereich in Ruhe alles wieder einräumen.

Als ich die Tage am Flughafen war, habe ich mal einen von den Security-Leuten, bewusst einen älteren, gefragt, wie oft das eigentlich vorkommt, dass da etwas geklaut wird.

Die mich überraschende Antwort:

Eigentlich gar nicht. In seiner ganzen Tätigkeit, und er mache das seit zig Jahren, seien ihm nur zwei Fälle untergekommen.

Es sei nämlich viel zu gefährlich. Überall Überwachungskameras und Sicherheitspersonal, unzählige Augen, Bewaffnete Polizei steht auch immer in der Nähe herum, keine Fluchtmöglichkeit, und alle durch die Tickets namentlich identifiziert. Das Risiko würde kein Dieb eingehen.

Aber was ist mit den Amateuren? Es gibt ja nicht nur die Profi-Diebe, sondern auch die, die durch Gelegenheit Diebe werden, zumal auf Reisen schon so manchem das Geld unvorhergesehen aus ging, etwa weil er vorher selbst beklaut wurde. Anscheinend aber ist die Gefahr zumindest an der Stelle nicht so hoch, wie ich sie immer eingeschätzt habe.

Verblüfft war ich auch, die Tage irgendwo zu lesen, dass die Sicherheitsanforderungen bei innerdeutschen Flügen, sofern die künftige Regierung sie überhaupt noch erlaubt, geringer als bei internationalen Flügen sei. Während international auch schon eine Nagelschere im Bordgepäck nicht gestattet sei, während bei nationalen Flügen spitze Gegenstände bis zu x cm (weiß nicht mehr, waren es 4?) gestattet. Das war mir bisher nicht bekannt, und ich kann mir jetzt auch nicht vorstellen, wie das gehen soll, denn dann müssten die in der Sicherheitskontrolle ja jeden fragen, wohin er fliegt. Da würde ich es auch nicht auf einen Versuch ankommen lassen, sondern erst mal nachlesen.

Stichwort Wasser.

Ich finde es etwas ärgerlich, wenn ich (ich habe auf Reisen fast immer Trinkwasser am Mann) vor der Sicherheitskontrolle meine Wasserflaschen in den Müll (oder Spendentopf) werfen muss, um gleich nach der Sicherheitskontrolle für teuer Geld Wasser nachzukaufen. Vor allem dann, wenn man mit dem Billigflieger fliegt, bei dem die Getränke nicht inbegriffen sind. Wobei es sich inzwischen doch an vielen Flughäfen etabliert hat, Wasserflaschen doch zu entfernt vertretbaren Preisen zu verkaufen.

Es gab ja so den Reisetipp, seine Wasserflaschen nicht wegzuwerfen, sondern nur auszuleeren, weil nur das Wasser, aber nicht die Flasche verboten sei, leere Flaschen könne man ohne weiteres mitnehmen und dann kostenlos hinter der Sicherheitskontrolle wieder auffüllen. Auf dem Klo oder so. Wozu ich sagen muss, dass mir sowas nicht gefällt, weil die meisten Waschbecken in den Flughafentoiletten so sind, dass ich daraus eigentlich nicht trinken würde. Obwohl sie ja grundsätzlich zähneputztauglich sein sollten. Auf einigen wenigen, vornehmlich US-amerikanischen Flughäfen gibt es freilich Trinkwasserspender, und wenn man das vorher weiß, kann man durchaus die Flasche aufheben und dort wieder auffüllen.

Sehr kurios ist aber der Wasser-Tipp, den ich gerade im Internet gelesen habe. Der wohlvorbereitete Vielflieger nämlich trüge seine Wasserflasche im gefroreren Zustand mit sich herum. Eis sei nämlich keine Flüssigkeit und unterläge deshalb nicht dem Flüssigkeitsverbot.

Mal abgesehen von der tatsächlichen Schwierigkeit, wo man auf Reisen eine ganze Flasche tiefgefrorenen Wassers herbekommen und die dann auch noch im vollgefroreren Zustand zum Flughafen und sogar bis zur Sicherheitskontrolle bringen sollte, und sich die Frage stellt, ob das nicht mehr Aufwand und Kosten verursacht, als sich doch einfach dort im Duty-Free überteuerte Flaschen zu kaufen, würde ich mich auf die Diskussion mit dem Sicherheitspersonal ganz bestimmt nicht einlassen wollen.

Und nebenbei: Es war nie eine gute Idee, aufzufallen. Wenn einer schon so daherkommt, wird der ganz sicher gefleddert.

Es hat sich schon immer bewährt, so nach hundsgewöhnlichem, völlig informationslosem und langweiligem 08/15-Reisenden mittleren Alters wie alle die anderen Millionen auszusehen, der die üblichen scheußlichen typischen Reiseklamotten anhat und seine Pauschalreise absolviert und in der Masse untergeht, und jegliche Spirenzchen zu unterlassen.

Der Versuch, eine gefrorene Flasche Wasser durch die Sicherheitskontrolle zu bringen, dürft dagegen dem Versuch gleichen, alle, wirklich alle auf sich aufmerksam zu machen, wenn es sich nicht gerade um einen Abflughafen in Sibirien oder auf Spitzbergen handelt und man sagen kann, dass man zu Fuß gekommen sei. Ganz abgesehen davon, dass zumindest einige der Röntgengeräte Flüssigkeiten detektieren können und das möglicherweise gar nicht mit ihrem Aggregatzustand zusammenhängt sondern mit den Wassermolekülen.

Wäre mal interessant zu sehen, was passiert, wenn man versucht, mit einer Flasche gefrorenen Wassers durch die Sicherheitskontrolle zu kommen, aber ich werde nicht derjenige sein, der das probiert.

Falls hier jemand von einer Sicherheitsfirma oder der Flughafensicherheit mitliest oder einer, der die überprüft, könnte man das ja mal diskutieren oder sogar ausprobieren und mir dann berichten.

Die zentrale Frage dabei wäre nämlich: Der ganze Zauber beruht ja darauf, dass es auch flüssige Sprengstoffe gibt und schon mal einer versucht hat, ein Flugzeug damit zu sprengen, aber – glaube ich – rechtzeitig ertappt wurde. Lassen sich diese Flüssigsprengstoffe denn bei normalen Kühlschranktemperaturen oder mit Trockeneisgeräten oder sowas einfrieren? Oder wäre bereits der Umstand, das die Flasche Wasser gefroren ist und nach normalem Wassereis aussieht, ein hinreichender Nachweis, dass es sich nicht um Sprengstoff handelt?