Ansichten eines Informatikers

Die Diskussion zur Gurkenglasstrategie

Hadmut
29.9.2021 1:54

Ein wissenschaftlich gebildeter Mensch erhebt Widerspruch gegen die Art und Weise, wie ich derzeit ein angebrochenes Glas Gurken im Kühlschrank untergebracht habe.

Er schreibt:

Hinlegen halte ich für kontraproduktiv, weil das die Kontaktoberfläche mit dem Sauerstoff vergrößert, Stichwort “Zellkulturflasche”; da ist es gewollt. Auch wenn in Reagenzgläsern Kulturen gezüchtet werden, werden diese fast waagerecht gelagert.

Oh.

In der Tat.

Diesen Aspekt hatte ich hier tatsächlich nicht bedacht und gänzlich übersehen.

Ich danke sehr für den Hinweis.

Bei näherem Nachdenken überzeugt er mich dann aber doch nicht ohne weiteres.

Denn ohne näheres Nachrechnen gilt der Aspekt zweifellos und leicht abschätzbar nur dann, solange sich nur Flüssigkeit im Glas befindet oder die Flüssigkeit alles abdeckt. Anders gesagt, solange wir nur von einer einfachen, bis auf den Kapilareffekt am Rand planen Flüssigkeitsoberfläche sprechen, die bei dem zylindrischen Glas (nicht zwingend, aber abgeschätzt bei den gegebenen Maßen und dem Flüssigkeitsstand) im Liegen höher scheint als im Stehen. Schon deshalb, weil die Flüssigkeitshöhe im Liegen viel niedriger ist, das Glas aber breiter, also mehr Flüssigkeit einer Oberfläche ausgesetzt ist. Ich müsste mal ausrechnen, wieviel das ausmacht.

Eine solche Situation haben wir hier aber nicht, sonst hätte ich ja das Problem nicht. Wäre die Oberfläche eine plane Flüssigkeitsoberfläche, stellte sich das Problem der Bedeckung ja erst gar nicht.

Steht das Glas, und füllt man aus hygienischen Gründen kein Wasser nach, ragen nämlich die noch nicht verzehrten Gurken oben aus der Flüssigkeit heraus, was ja das ganze Problem erst eröffnet.

Und die Oberfläche der herausragenden Gurkenstückchen müsste man ja bei diesem Vergleich auch berücksichtigen.

Da müsste man mal gegenrechnen und schauen, wann und unter welchen Randbedingungen sich die Oberfläche der Flüssigkeit im liegenden Glas mit bedeckten Gurkenstreifen tatsächlich gegenüber dem stehenden Zustand mit zwar (geschätzt) geringerer Oberfläche aber herausragenden Gurkenenden tatsächlich größer ist.

Mehrere Leser wandten ein (was auch meiner Beobachtung entspricht), dass es des Aufwandes gar nicht bedarf, weil die Luftfeuchtigkeit innerhalb des Glases so hoch sei, dass die Gurken gar nicht austrocknen können und dies nach empirischer Beobachtung auch nicht täten. Das ist aber akademisch unsportlich.

Ich muss da nochmal in Ruhe drüber nachdenken und das mal durchrechnen, wenn mir gerade nichts besseres einfällt. Müsste doch eigentlich auf eine Optimierungsaufgabe hinauslaufen, bei welcher Gurkenlänge oder Zahl die Oberflächen bei vertikaler und horizontaler Lagerung Gleichstand erreichen.

Wäre das nicht mal ein Experiment für die ISS? Das Verhalten angebrochener Gläser Gurkensticks in Single-Haushalten in der Schwerelosigkeit? Ich würde die Spenden und die dürften die auch gerne nach dem Experiment essen.