Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die AfD, ihre Selbstdarstellung und die Darstellung in den Medien

Hadmut
27.9.2021 18:58

Das ist so eine Frage.

Ich hatte mehrmals geäußert, gerade aktuell, dass ich der Meinung bin, die AfD habe die Chance versäumt, die vier Jahre im Bundestag als Oppositionsführer zu nutzen, um sich als Oppositionspartei zu etablieren und eine feste, öffentlich wahrgenommen demokratische Instanz zu werden.

Ich habe dazu viele Antworten bekommen, eigene sogar als offenen Brief.

Letztlich lassen sich die Antworten grob in drei Antwortengruppen zusammenfassen:

  • Aber sie haben doch, sie haben Youtube-Channels, Webseiten, und und und … gemacht.
  • Aber sie hatten doch praktisch keine Chance, weil die anderen Parteien und vor allem die Medien sie überall nur geschnitten, ignoriert oder an die Wand gestellt haben.
  • Aber sie haben doch auch wirklich gute Oppositionsarbeit gemacht, es wurde ihnen nur nicht gedankt.

Im Prinzip alles richtig, aber eben nicht ganz richtig, und alle drei Zipfel, die das Ziel verfehlt haben, ergeben halt zusammen ein Ergebnis, das nicht den Erfolg brachte, den sie hätten haben können.

Ja, die AfD hat – auch, nicht nur – sehr gute Oppositionsarbeit gemacht, Anträge gestellt, Auskünfte eingeholt, ist vom Einheitsbrei abgewichen. Ich weiß, dass sie das getan hat, und dass sie unterschätzt wird. Und dass da einige sehr fähige und vernünftige Leute aktiv sind, die in den anderen Parteien keine Chance hätten, weil man fähig und vernünftig in anderen Parteien schlicht nicht mehr duldet.

Und ich weiß auch, dass es die AfD war, die einige der wichtigsten, weil für die Demokratie peinlichsten Momente der Parlamente auf einen Youtube-Channel packte. Unsere Parlamente sind längst zu einer Versammlung von Säufern, Dummschwätzern und Ideologen verkommen, und sie sind eigentlich die einzigen, die noch darauf deuten, was da abläuft.

Aber Klappern gehört nun mal zum Handwerk, und schon der Volksmund weiß: Tue Gutes und rede darüber.

Nun ist es unübersehbar und müsste jedem mit einem IQ oberhalb unserer intellektuellen Staatsinflationsrate klar sein, was für einen Schund unsere Medien darstellen, Presse wie Rundfunk, und die eigentlich nur noch grüne Aktivisten sind. Müsst Ihr mir nicht erzählen, ich werde ja auch ständig geschnitten und wenn überhaupt mal, dann nur als „rechter Blogger aus Berlin“ erwähnt. Ich habe mir das Mediengesindel ja auch ausgiebig aus der Nähe angesehen und weiß, wie die „arbeiten“. Ich halte die auch für überaus schädlich im demokratischen Sinne.

Aber:

Das ist nicht neu.

Unsere Medien waren auch vor vier Jahren schon Schrott, wenn auch noch nicht ganz so schlimm wie heute, wie in den letzten zwei, drei Jahren. Man hätte es aber wissen können und müssen.

Es ist deshalb ein verfehlter Ansatz, entweder darauf zu hoffen, von ARD und ZDF erhört und begnadigt zu werden, oder im Jammertal zu bleiben, deren Opfer zu sein.

Ich weiß, dass es verdammt schwer ist, sich gegen die Übermacht aus ARD und ZDF zu stellen, die am vorgewärmten Milliardenklistier hängen. Vor allem, wenn einem selbst das Geld knapp ist.

Ich halte ARD und ZDF und auch die meisten Printmedien aber für so arrogant und gleichzeit so schlecht, dass ich sie auch für angreifbar halte. Die Leute haben zwar durch die Sendemaschine und das viele Geld einen Riesen-Vorteil, aber durch die Typen, die da rumlaufen, sind sie eben angreifbar und auch bloßzustellen. Man sollte sich nicht beklagen, dass sie einen ignorieren, sondern an genau der Stelle zustoßen. Das wäre beispielsweise eine ziemlich gute und sicherlich auch mit Aussicht auf Aufmerksamkeit ausgestattete Aktion gewesen, die Anforderungen der Rundfunkordnung und des Bundesverfassungsgerichts der Realität der Medien gegenüberzustellen. Georg Restle und Anja Reschke allein würden an sich schon reichen, um den Rundfunk als verfassungswidrig einzustufen. Die verstoßen ja beide schon gegen die Rundfunkordnung, wenn sie auf den Parkplatz fahren.

Es gab hier eine große Diskussion um die Erhöhung der Rundfunkbeiträge. Die zwangsläufig durch alle Länderparlamente ging, aber in fast allen belanglos unter den Tisch gekehrt wurde. Ich habe es in Sachsen mitbekommen und in Sachsen-Anhalt war es zu sehen, wie kritiklos man das alles durchgewinkt hat, und wie sehr sich die Landtage schlicht weigerten, sich damit zu befassen. Und das kam nicht überraschend wie Corona oder das Hochwasser, sondern war lange vorher absehbar. Da hätte man richtig reinschlagen können (und müssen), und aufzeigen, wie parteiisch, aktivistisch, ideologisch und verlogen das Fernsehen ist. Und das so, dass auch das Bundesverfassungsgericht nicht mehr einfach so hätte wegwischen können.

Die Möglichkeit, da ARD und ZDF mal richtig Feuer unter dem Arsch zu machen, statt darauf zu warten, dass sich selbiger in der Gnade öffne, einen zum Bekriechen einzuladen, war da. Ich sage nicht, dass es einfach oder wenig Arbeit gewesen wäre, aber wenn man strategisch gedacht und das geplant hätte, statt nur darauf zu warten, was so vor sich hin passiert, hätte man das ausnutzen können.

Wir sind heute in einer Situation, die es so nie vorher gab. Man kann heute mit kleinem Geld durchaus Sendungen machen. Die sind dann sicherlich nicht so professionell und erscheinungstadellos wie die des ÖRR, aber das Youtuber-gewöhnte Publikum verlangt das auch nicht mehr. Hätte man beispielsweise Podcasts, eine einfache Talkshow, eine Doku-Sendung gemacht, die ja nicht mal regelmäßig hätten erscheinen oder immer gleich lang sein müssen, udnd en ganzen Mist im Paralament und den Medien gesammelt und kommentiert präsentiert, anstatt nur ab und zu mal Schnipsel des Parlamentsfernsehens durchzureichen, hätte da was draus werden können.

Und zwar gerade weil ARD und ZDF so berstend schlecht sind. Große Teile wissen und merken das schon, was die für einen einseitigen und verlogenen Schund senden und hoffen auf Alternativen. Man hätte das dankbare Publikum im Prinzip schon gehabt, bevor man überhaupt angefangen hat.

Billig ist es freilich nicht.

Man kann sich natürlich auch über die Youtube-Zensur beschweren. Klar. Gibt ja auch jeden Grund dafür.

Man kann aber auch selbst Webserver in Auftrag geben oder betreiben und seine Videos selbst streamen. Auch über Content-Delivery-Netzwerke oder mit automatisch skalierenden Cloudservern. Nicht einfach, nicht billig, aber sowas geht. Man hätte sich als Informationsquelle etablieren können. Stattdessen hat man einige Youtube-Channels, die man nicht leicht alle findet, die dann von Youtube nach Gutdünken zensiert werden, und in denen man schwer thematisch was findet.

ARD und ZDF sind schlecht. Ja. Aber genau das macht es leichter, das zu sein, was die nicht sind. Eine demokratische Informationsquelle.

Einige Male haben mir Leute Anträge und Auskünfte dazu geschickt, nach dem Schema „Guck mal, was für tolle Sachen die machen“. Ja. Schon. Aber wer liest sowas? Wer liest Parlamentsanträge? Man muss es den Leuten auch so präsentieren und einordnen, dass es ankommt. In normaler Sprache erklären, was da lief, warum man den Antrag gestellt hat. Was die Regierung geantwortet hat und was nicht. Wo ist der Skandal.

Sowas als Podcast für Leute, die morgens mit der U-Bahn zur Arbeit fahren und 10 Minuten Zeit haben, was auf dem Handy zu hören.

Dazu etwas Parteikosmetik. Nicht alles, was bei denen rumläuft, ist – dezent formuliert – förderlich. Und sorry, wenn ich es mal so direkt sage, aber: Das Logo sieht richtig billig aus. Auf mich wirkt schon die Aufmachung des Logos wie ein Werbezettel von irgendeinem 1-Euro-Basar oder einem Pizza-und-Döner-Laden im U-Bahn-Zwischendeck. Billiges Umzugsunternehmen. Das sollte man mal überarbeiten (lassen) und dazu auch ein wiedererkennbares Audio- und ein Video-Intro produzieren, die auch was taugen.

Dazu ein kleines, zur Not einfaches Fernsehstudio basteln, in das man beispielsweise den, der gerade einen interessanten Antrag gestellt und eine Antwort bekommen hat, reinholt und sich mit dem mal unterhält, was ist das, was haste da gemacht, warum, was hat es gebracht, was ist das Problem.

Am besten sogar zweigeteilt, weil es – merke ich ja auch am Blog und den Zuschriften – immer zwei Arten von Interessenten gibt: Die einen wollen es schnell, einfach, zusammengefasst, quasi das, was man in der IT-Branche so als Managementzusammenfassung bezeichnet. Und vielleicht was Vertieftes für die anderne, die es genauer wissen wollen.

Mir ist zum Beispiel im Bundestag bei verschiedenen Veranstaltungen aufgefallen, wie oft da tischeweise der Sekt rumsteht. Da wird richtig gesoffen. Oder mir sagte mal jemand, dass da die Abgeordneten reinkommen und ihr Sitzungsgeld bekommen, indem sie nur auf einer Liste unterschreiben und wieder gehen. Sowas in der Art könnte man anprangern.

Neulich hat mal irgendjemand ein Foto gemacht, wie da vor irgendeiner Sitzung eine endlose Tischreihe voller Papier lag, lauter ausgedruckte Drucksachen. Nix digital. Und warum überhaupt bekommt man die erst vor der Sitzung? Nichts vorbereitet?

Ich kann mich erinnern, dass es schon Videos gab, auf denen man sieht, wie wichtige Themen nachts entschieden werden, kaum noch jemand da ist, aber das zutiefst lächerliche Bundestagspräsidium die Beschlussfähigkeit unterstellt. Einfach mal zeigen, was für ein Hohn dieser Bundestag ist, und wieviele Versager sich dort mit fetten Diäten vollfressen. Mal zeigen, was für ein Dummvolk da im Bundestag rumsitzt und von ARD und ZDF gepampert wird.

Da hätte man einen richtigen Klopfer machen und ARD und ZDF dazu uralt aussehen lassen können.

Die AfD hatte die Chance und eine historisch ziemlich seltene Gelegenheit, sich als medienprofessionelle Opposition zu positionieren und ARD und ZDF so richtig nass zu machen. Hat man aber nicht genutzt. Stattdessen interne Streitigkeiten und sowas.