Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wahl, zweiter Versuch

Hadmut
26.9.2021 17:16

Zum Mäusemelken.

Oder: Hirnforschung im Wahllokal [Nachtrag]

Ich nun zweiter Versuch. 16:00.

Schlange genauso lange wie vorhin, einer behauptet aber, es ginge sehr schnell, das dauere nur 20 Minuten.

Von wegen. Es tut sich gar nichts. Nichts bewegt sich. Einige Leute schütteln erbost den Kopf, einige Ältere verlassen die Reihe und setzen sich auf die Bänke, weil sie so lange nicht stehen können. Ich dachte schon, das wird nichts, ich komme um 17:00 wieder, auf die Gefahr hin, dass ich es dann bis Schluss um 18:00 gar nicht mehr schaffe.

Wie ich gerade gehen wollte, machte die ganze Schlange plötzlich so einen 25-Meter-Satz nach vorne.

Was zur Hölle treiben die da drin, dass es mal gar nicht geht und dann plötzlich so schnell nach vorne?

Da ich nun schon im Eingang zum Schulgebäude stand, dachte ich mir, gut, jetzt bleibst du.

Aber, ach.

Vor mir stand eine, so der Typ junge Frau mit hautengen Hosen, kurz, wallende Mähne, Schleifchen oben drauf. Sieht auf 50 bis 100 Meter nach Feministin aus. Das ist soweit unproblematisch, solange jeder nur in der Schlange steht, nach vorne guckt und mit der Schlange voran geht.

Es stellte sich dann aber der Grund für den ruckartigen Fortgang heraus. Sie hatten nämlich nur die Klassensäle im Erdgeschoss verwendet, und das Gebäude ist halt nicht für Wahlen gebaut. Alle Leute, die zu den verschiedenen Wahlllokalen in einem der beiden Flügel mussten, mussten dort durch eine Engstelle durch. Und das funktionierte nicht. Die Leute warteten nämlich vor dem großen Knoten, ohne zu merken, dass sie im Prinzip nur an der Engstelle anstanden, aber die Klassensäle/Wahllokale hinter dieser Engstelle leerliefen. Weil die Leute sich eben nicht von selbst durch die große Engstelle an der Schlange des ersten Saales vorbeizwängten. Weil der erste Saal gleich an dieser Engstelle lag, führte das dazu, dass die Warteschlange des ersten Saales für alle (scheinbar) den Zugang zu den Sälen dahinter versperrte, weil ja alle erzogen sind, sich nicht vor- und durchzudrängeln und zu warten, bis sie dran sind. Sie standen also quasi in der Schlange des ersten Saales mit an, auch wenn sie nur zu einem der hinteren Säle durchmussten. Derweil liefen die hinten leer.

Hin und wieder kam deshalb einer an, fragte danach, zu welchem Wahllokal man will, und sammelte aus dem großen Knoten die für eines der Wahllokale ein. Immer so 4, 5, 6 Leute, „Folgen Sie mir!“. Um die dann durch den großen Knoten durchzulotsen. Weil sich das anders nicht entknotete.

Und obwohl der Mann das deutlich zu der Frau vor mir und zu mir gesagt hatte, sich umdrehte und nach hinten ging, und der dabei eine Schneise gemacht hatte, blieb sie wie angewurzelt stehen, obwohl vor ihr alles frei war. Ich kam aber nicht durch, weil die Frau vor mir stand. Und man inzwischen dann auch nicht mehr sah, wohin der Mann gegangen war, was das „Folgen Sie mir!“ erschwerte.

Ich sagte also zu der Frau in völlig neutralem Ton „Gehen Sie bitte durch.“ Mehr nicht.

Dann ging’s los.

Schräg vor ihr stand noch ein alter Mann mit Rolator, der sich auch nicht bewegte, weil er mit seiner Frau erst mal seinen Kram zusammensammeln und seinen Rollate anlassen musste. An dem hätte sie ohne weiteres vorbeigehen können, vor ihr nämlich neben dem Mann ein guter Meter Platz.

Und da sind wir wieder genau an dem Punkt, den ich neulich schon im Blog beschrieben habe: Frauen und das räumlich-funktionale Denken.

Dreht sich rum und faucht mich an, sie könne ja wohl nicht über den alten Mann drüberspringen.

Neben ihm hätte sie einen Meter Platz gehabt, aber was man sehr deutlich merkte: Die dachte nicht räumlich. Dass sie an ihm hätte vorbeigehen können. Die hatte überhaupt nicht gemerkt, nicht begriffen, dass der Folgen-Sie-mir-Mann versuchte, dort den Durchgang zu entknoten und die Leute erst mal nach hinten in den Ganz zu holen, damit sich das entknotet und alle durch können. Die dachte rein sozial, im Sinne von nicht vordrängeln.

Ich hatte nicht die geringste Lust, mich jetzt mit dieser Furie auseinanderzusetzen. Ich sagte einfach gar nichts, verhielt mich völlig teilnahmslos und reagierte überhaupt nicht, unter Ausnutzung des Umstandes, dass die Maske meine Gesichtszüge verdeckte. Gar nicht drauf einlassen.

Reichte der nicht. Ging zwar ein paar Meter in den Gang, drehte sich aber wieder rum und fing mit schulmeisterlich-mütterlichen Belehrungen an. Was man alles macht und nicht macht und dass ich ihr gefälligst ein bestimmtes Maß an Höflichkeit zu entbieten hätte. (Was ist an „gehen Sie bitte durch!“ nicht höflich genug? Soll ich sie zum Essen einladen oder ihr meine Arbeitsstelle überschreiben?)

Die verlor dabei völlig den Sinn und Zweck des Events aus dem Sinn, stand um 180° gedreht und wollte mich belehren, wie ich mich sozialkonform zu verhalten habe. Ich habe jedes Wort vermieden, jede Regung. Weil aber der Folgen-Sie-mir-Mann hinten inzwischen winkte, weil es nämlich nicht weiterging, der Saal leerlief, während draußen die Leute warteten, bis die Tussi sich da ausgefaselt hatte, machte ich nur eine Handbewegung, dass sie sich in Richtung Wahllokal in Bewegung setzen möge. Gesagt habe ich nichts. Gesichtszüge auf Null. Hinter Maske.

Das Ding wurde beendet, weil sie ja dann rein sollte, beide Anmeldetische drinnen waren frei und die warteten drauf, dass der nächste kam, während die Tussi sich mit Bürgererziehung abgab.

Es ist unglaublich.

Man kann sich nicht mehr im öffentlichen Raum bewegen, ohne von dieser Sorte von Tussis belehrt und erzogen zu werden. Die halten sich für jedermanns Lehrmeister und Erziehungsberechtigten, auch gegenüber Älteren. Die war vielleicht so Mitte zwanzig. Glaubt aber, alles müsse nach ihrer Pfeife tanzen.

Das ganze räumliche Ding, dass der Mann die Leute abholte, um diese Engstelle da aufzulösen, weil die hinten nicht genug Leute in den Saal bekamen, während die Leute draußen Schlange standen, hat die überhaupt nicht kapiert. Und dass sie den Betrieb aufgehalten hat, und andere wegen ihr warten mussten, auch nicht. Fühlte sich aber völlig unvertretbar angepisst, weil ich zu ihr neutral „gehen Sie bitte durch“ sagte, als sie im Weg stand und sich trotz Aufforderung durch den Wahlhelfer nicht bewegte.

Und was mir eben auch auffiel: Obwohl vor ihr so trichterförmig ein Meter breit Platz war, der Mann mit dem Rolater auch nicht vor ihr, sondern schräg versetzt stand, und sie räumlich ohne weiteres hätte in den Gang gehen können, war sie offenbar nicht in der Lage, räumlich zu denken und die Priorität zu erkennen, den Knoten da zu lösen und die Leute erst mal durchzuholen, damit die Wahl vorangehen kann und nicht draußen die Leute Schlange stehen, während sie drinnen in den Wahllokale leerlaufen, weil die Engstelle den Durchgang versperrt.

Die war rein sozial daran gehindert, erst mal an dem Mann vorbeizugehen und Platz zu machen, damit auch andere zu ihren Wahllokalen durchgehen können. Vor ihr war Platz, aber sie konnte nicht, weil sie sozial und nicht räumlich-funktional denkt. Erinnerte mich so stark an die vielen feministischen Veranstaltungen, auf denen ich schon war und immer dachte, dass denen da einfach ein Stück vom Hirn fehlt, organisch oder zumindest funktional. Dass die nicht rational denken können, sondern in ihrem Sozialkrampf festbetoniert sind.

Und das würde auch erklären, dass sie auch danach nicht begriffen hat, dass sie sich jetzt bewegen und beeilen soll, da in den Saal zu kommen, damit man mit der Wahl durchkommt, sondern erst mal meinte, mich belehren, zurechtweisen und sozial einordnen zu müssen, um da unter völlig Fremden, die sich schon 30 Sekunden später nie wieder sehen werden, eine Sozialordnung zu erstellen.

Sozialneuronal daran gehindert, situationsadäquat zu handeln.

Und das ist dann schon wieder mal der Punkt, an dem ich schon so oft war, an dem ich dann denke: Da fehlt was im Hirn. Da fehlt das Modul für das Rationale und das für das Räumliche. Und deshalb sind die auch politisch so leicht zu manipulieren.

Auf dem Heimweg habe ich überlegt, ob genau das vielleicht dazu führen könnte, dass man die Problemstellung, ein Auto rückwärts einzuparken, als eine Situation sozialer Diskriminierung und Ausgrenzung wahrnimmt. Dass da einfach der falsche Teil im Hirn feuert.

Hirnforschung im Wahllokal.

Nachtrag:

Die Überlegung, dass die die Situation nicht rational-räumlich erfassen konnte und nur sozial reagiert hat und deshalb daran gehindert war, an diesem alten Mann mit dem Rolator vorbeizugehen, würde auch deshalb genau in mein Modell von den Hirnfunktionen passen, weil die sich ja dann rumgedreht hat und mich erziehen wollte. Wenn man nämlich gegen das Sozialempfinden verstößt – und ich halte ja diesen ganzen „Gerechtigkeits“-Schmus für nichts anderes als das Wohlfühl-Belohnungsgefühl, das das Unterbewusstsein auslöst, wenn man sich konfrom zum Verhaltensprogramm verhält – löst das den Ungerechtigkeits- und Schlechtes-Gewissen-Trigger aus. Die fühlte sich von mir zu ungerechtem Verhalten genötigt und konnte gar nicht mehr anders, als die Situation per Gerechtigkeitserziehungseinheit wieder geradezurücken. Gerade dieses Höflichkeits- und Erziehungsding ist ein ziemlich deutliches Indiz dafür, dass bei der die Sozialfunktionen die Kontrolle übernommen hatten.

Genau denselben Effekt habe ich bei Rauchern so oft beobachtet. Die blasen rücksichtslos anderen ihren Dreck ins Gesicht. Sagt man aber was, setzen sie sich nicht mit ihrem Verhalten auseinnder, sondern blaffen einen an, dass man das auch höflich sagen könnte, selbst wenn man es höflich gesagt hat. Weil der Umstand an sich, dass man damit nicht einverstanden ist, schon als unhöflich betrachtet wird, egal wie man es sagt. Ich habe ja die Vermutung, dass die Stoffe im Zigarettenauch, Nikotin und andere, chemisch auf das Belohnungszentrum im Hirn wirken und eine soziale Wohlverhaltensbelohnung auslösen, obwohl keine da ist. Und wann man dann Nichtzustimmung äußert, obwohl sie sich chemisch gerade im Zustand größten sozialen Wohlverhaltens fühlen, wird das natürlich dann als asoziales Verhalten eingestuft. Das kommt alles aus der Sozialecke des Gehirns.