Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

“Stack? Heap? Für mich heut Sushi.”

Hadmut
26.9.2021 14:09

Zum Stand der Softwareentwicklung.

Zu meinen Artikel zur Degeneration der Softwareentwicklung schreibt mir ein Entwickler:

Zu Ihrem Artikel

https://www.danisch.de/blog/2021/08/31/scrum-vom-versuch-software-auf-linke-weise-schreiben-zu-wollen/

Ich gebe Ihnen völlig recht, aber ohne Scrum wären wir schon am Ende. Scrum ist inzwischen das Ruderwerk auf einer Galeere und der Scrum Master der Trommler, die Entwickler werden eingetaktet. Die Qualität der Entwickler ist in den letzten 20 Jahren so gesunken, das eigene Kreativität bei denen kontraproduktiv ist. Sie ist auch kaum noch nötig. Inzwischen ist jede softwaretechnische Komplexität in mehreren Schichten von Libraries gebunden. Wahrscheinlich könnte man inzwischen einen Affen trainieren, modernen Code zu schreiben. Und wenn ich mir die Testergebnisse mancher Anwärter anschaue, sind wir nicht mehr weit davon entfernt (“Stack? Heap? Für mich heut Sushi.”,”2. oder 3. Normalform? Ne, ganz normal.”). Dass die Libraries und Datenbanken selbst streckenweise einfachste Grundregeln missachtet und der Code teilweise völliger Rotz ist, möchte ich hier nicht näher erläutern.

Wir arbeiten inzwischen nicht mehr mit Projekten zusammen, die nicht Scrum verwenden. Weil sie entweder schon zu alt sind (mein Rekord war Modulo) oder keine Aussicht auf erfolgreiches Shipping haben (“Wir haben flache Hierarchien und arbeiten agil”). Auf Fachbereichsebene Spricht man nicht mehr von Agil, sondern von Notwehr (Zeitgewinn durch Planungsdefizit), spricht ein anderer Bereich darüber, ignoriere ich das Wort schlicht.

Zu Ihrem Artikel

https://www.danisch.de/blog/2021/09/25/wie-man-den-it-fachkraeftemangel-aufloest/

Ich kann Ihnen versichern, das solche Kandidaten von dem entsprechenden Fachbereich abgelehnt werden. Tatsächlich haben aber viele große Unternehmen (ich bin da aber nicht bewandert) Bereiche, die sich auch mit dem Wort “IT” schmücken, aber eigentlich nichts mit dem Bereich Softwareentwicklung zu tun haben. Dort tauchen dann solche Orchideen gern wieder auf. Dies wird aber meiner Meinung nach nur ein kurzer Zeitgeisteffekt sein. Wenn es weiter in die vermutete Richtung geht, wird sich das einstellen. Kein Unternehmen braucht eine Abteilung “King of hill nothing”.

Frauen werden tatsächlich bevorzugt, selbst bei geringerer Qualifikation. Es gibt keine strukturelle Frauenfeindlichkeit in unserer Branche, dies zu erläutern führt hier zu weit. Wer eine frauenfeindliche Umgebung kennenlernen möchte, sollte einmal fürs Fernsehen oder sonstige Medien arbeiten. Frauen nehmen aber Männern als Softwareentwickler keinen Platz (mehr) weg, inzwischen würden beide Kandidaten einfach eingestellt werden.

Das ist schon wieder nicht mehr so.

Denn inzwischen kommt noch die Lohngleichheit dazu. Man zahlt Männern nicht mehr, was sie wert sind, sondern muss immer den Mittelwert über alle bilden, zahlt also dem Mann und der befähigungslosen Quotentussi gleichen Ranges jedem die Hälfte von dem, was sie zusammen wert sind. Sowas „solidarisches“. Und ob der Mann das noch mitmacht oder nicht wohin geht, wo er nach seiner Leistung bezahlt wird, ist dann die Frage.