Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Kommentar 1984 von 1956

Hadmut
24.9.2021 22:09

Kurze Bewertung. Update: URL

Ich konnte den Film nicht aufnehmen, weil der nicht über DVB-T kam, sondern da nur der Streaming-Link kam, und der Fernseher das dann automatisch streamt. (Machen die so, weil sie nicht genug DVB-T-Bandbreite für alle Sender haben, die senden wollen, weshalb die, die nur wenige Zuschauer haben, nur eine Informationsseite und den Link übertragen, was praktisch keine Bandbreite belegt, und der Fernseher dann automatisch streamt, fühlt sich, von einer Anfangsverzögerung abgesehen, genauso an, als würde man normal fernsehen.) Leider können meine Geräte, die DVB-T aufzeichnen können, nicht streamen, und die die streamen können, zeichnen nicht auf. In der Mediathek kommt er auch nicht.

Schlecht fand ich ihn nicht, aber halt eben ein Produkt der Zeit.

Das meine ich dramaturgisch, wie man in den 50er Jahren eben Filme machte. Es war unheimlich wichtig, dass der Protagonist ab und zu mal innehält und entsetzt in die Kamera guckt. Wichtiger als alles andere.

Ich meine es technisch, weil sie damals eben noch nicht in der Lage war, die Idee des Telescreens aus 1984 adäquat filmisch umzusetzen, zumal es wohl eine recht preisgünstige Produktion war.

Ich meine es historisch, weil sie wohl unter dem Eindruck der Nazis die Schergen des totalitären Staates den Nazis nachempfanden, sowohl die unteren Dienstgrade, die wie gelutschte SS aussieht, oder der böse O’Connor, der wie eine Nazi-Größe aussieht und wohnt. Was ich für fehlerhaft halte, denn Orwell meinte damit ja linke und nicht rechte totalitäre Strukturen.

Und ich meine es filmisch, weil ihnen die Filmlänge und die damaligen filmischen Mittel, darunter langatmige Dialoge – Film war damals noch so etwas wie eine reproduzierbare Darstellung einer Theateraufführung – dass sie die eigentlich Story eigentlich nicht rüberbringen. All die Subtilitäten fehlen, allerdings ist es bei mir schon lange her, dass ich 1984 gelesen habe, ich habe jetzt auch nicht mehr alle Details in Erinnerung. Aber: Es war doch sehr gekürzt, da blieb nicht mehr viel von der ursprünglichen Story übrig. Nur noch ein totalitärer Uniformenstaat, der lügt, zwei Leute, die sich lieben und hadern, zwei Lügner, die sie reinlegen, Folter und Zimmer 101. Zu austauschbar. Das Linke kommt nicht mehr rüber, es könnten auch die Nazis sein. Und am Schluss fehlte ihnen wohl die Zeit oder das Geld, Winston und Julia unterwerfen sich nach Zimmer 101 nicht und werden einfach erschossen. Im Original werden sie gebrochen und ordnen sich ein. Und warum aus O’Brien O’Connor wurde ..

Es kam nicht viel von dem Buch rüber.

Was aber nicht unbedingt heißt, dass ich den Film schlecht fand. Im Rahmen der Mittel und der damaligen Zeit war er trotzdem recht gut gemacht.

Vor allem sollte man sich klarmachen, dass wir gerade mitten in dem leben, was 1984 gerade beschreibt. Wir sind praktisch genau in dem, was da gezeigt wird.

Jeder schnüffelt jedem hinterher, die Gesellschaft ist voller Denunzianten und man kann niemandem mehr trauen. Eine Gesellschaft, in der jeder vor jedem Angst hat.

Auch die Geschichtsrevision, die Löschung unerwünschter Nachrichten haben wir, heißt heute beispielsweise Youtube. Die haben angeblich gerade angekündigt, nach der Wahl am Sonntag rigoros alles zu löschen, was politisch nicht passt.

Den Telescreen haben wir längst in Form des Handys und der Social Media.

Und dass jeder verfolgt wird, der nicht so denkt, wie er soll, ist auch als Zustand längst erreicht.

Mal schauen, ob es das irgendwo doch noch im Netz gibt.

Die Version von 1984 ist natürlich die eindrucksvollere, und laut IMDB ist eine neue Version in der Mache, aber wohl noch im Status des Drehbuchschreibens. Allerdings gibt es die Gerüchte schon lange, und man hat eher den Eindruck, dass das Projekt längst von Corona überrollt und tot ist. Ich hätte auch Zweifel, ob man das in der heutigen gesellschaftlichen und politischen Situation überhaupt noch vorlangengemäß verfilmen kann.

Denn was man klar sagen muss: Der ganze Feminismus- und Genderkrampf entspricht sehr genau dem totalitären Staat aus 1984. Sowas kann man heute nicht mehr kritisieren.

Update: Der Film liegt beim Bayerischen Rundfunk in der Mediathek.