Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Kolonialismus-Alarm im Freizeitpark

Hadmut
18.9.2021 17:25

Dass Geisteswissenschaftler so entsetzlich dumm sind, wäre ja nicht ganz so schlimm, wenn sie in den Universitäten blieben.

Die Stuttgarter Zeitung berichtet, dass die Kolonialismus-Peitsche nun den Europa-Park Rust getroffen habe und die gerade schleunigst umbauen.

Ich war dort schon lange nicht mehr, bin daher nicht auf dem Stand, was die an Attraktionen haben. Zumal ich Freizeitsparks früher vornehmlich deshalb besucht habe, weil ich leidenschaftlicher Achterbahnfahrer war, ich das jetzt altersbedingt aber auch nicht mehr mache, also wenig Grund habe, noch in solche Freizeitparks zu gehen.

Die haben dort wohl so eine Afrika-Wasser-Safari, eine Dschungel-Floßfahrt. Da könnte ich mich noch an so eine Bootchenfahrt erinnern, die damals noch nichts mit Afrika zu tun hatte. Ich war mit Freunden da, und ausgerechnet an diesem Tag war Rudi Carrell für irgendeine Veranstaltung dort im Park, und irgendwie passten immer 6 Leute in so ein Boot. Direkt vor uns stieg Carrell in das Boot, setzte sich vorne hin und erwartete offenbar, dass wir (zu dritt oder zu viert, weiß nicht mehr genau, weil wir öfters in gemischter Besetzung die Parks besucht haben) uns zu ihm mit reinsetzen. Nun war Carrell aber bekanntlich Kettenraucher und wir alle strikte Nichtraucher, und haben ihn alleine fahren lassen und sind erst in das nächste Boot gestiegen. Der hat ziemlich angepisst geguckt, weil der dann alleine da im Boot saß, weshalb mir das jetzt gerade so einfällt, ich weiß aber nicht, ob dass dieselbe Bahn war und die die dann auf Afrika umgenudelt haben.)

Jedenfalls scheint es auf dieser Afrika-Bahn so typisches Afrika-Zeugs rumzustehen und zu -hängen, Lianen, Nashörner, Flusspferde, Affen und so.

Nun war ich ja zweimal in Afrika, eine Rundreise Namibia und eine Südafrika, und muss sagen: Das ist so abwegig nicht. Die haben da tatsächlich jede Menge Nashörner, Flusspferde und Affen. So echte. Die laufen da so rum. Wir haben in einem Dorf übernachtet, wo man uns eingeschärft hatte, keinesfalls das Hotel zu verlassen, weil dort die Flusspferde nachts in den Straßen rumlaufen und mit Abstand das gefährlichste Tier Afrika sind, weil es die meisten Leute tötet. Ich hatte noch vor und gefragt, ob ich nicht vorsichtig losziehen könnte, um die aus der Entfernung zu fotografieren. Antwort: a) You must be very brave. b) Ob er dann morgen meine Kamera behalten dürfte, ich bräuchte ja dann keine mehr. Ich habe auch sehr viele dort gesehen. Ich bin mir deshalb doch ziemlich sicher, dass die dort Flusspferde, Affen und Nashörner in Afrika haben, und dass es nicht die Kolonialisten waren, die die dort aufgestellt habe.

Nun sieht man das Problem, dass man dort auch Menschen zeigt.

Nun, auch da bin ich mir sicher, dass die in Afrika auch Menschen haben, und die nicht von den Kolonialisten dort aufgestellt wurden. Ich habe die dort gesehen.

Europapark nimmt Vorwürfe ernst

Eine Seminararbeit zweier Studierender aus Freiburg brachte den Stein offenbar ins Rollen. Diese machten die Dschungel-Floßfahrt der Badischen Zeitung zufolge im Jahr 2019 zum Thema. Was die Gemüter an der Attraktion erhitzt: Dass schwarze Menschen in traditioneller Kleidung dargestellt werden – weiße Menschen hingegen tragen Safari-Outfits mit beigen Anzügen und Hüten. An diesem Bild des überlegenen Weißen stören sich die Studierenden gewaltig. „Eine Zeit wie der Kolonialismus hat in einem Freizeitpark nichts zu suchen“, wird eine an der Seminararbeit beteiligte Studentin in dem Bericht zitiert.

„Manche Szenen der ‚Dschungel-Floßfahrt’, die zu den ältesten Attraktionen des Europa-Park zählt, können nach heutigen Maßstäben fehlgedeutet werden“, sagt Engelbert Gabriel, Sprecher der Geschäftsleitung des Europa-Park auf Anfrage unserer Redaktion. Bereits im vergangenen Jahr habe es vereinzelte Hinweise von Gästen gegeben, die sich eine neue Einordnung der Attraktion in einen zeitgemäßen Kontext wünschten.

Man sollte aus der Uni Freiburg eine geschlossene Anstalt machen und die nicht mehr so einfach rauslassen. Das ist nicht gut.

Tut mir leid, dass man es gerade von mir und jetzt erfahren muss, aber: Das ist da zumindest in Namibia wirklich so, dass die Schwarzen sehr häufig in traditioneller Kleidung rumlaufen, wenn sie nicht gerade als Beamter oder in Hotels arbeiten und die jeweilige Uniform anhaben. Traditionell heißt dann auch: Eher wenig. Weil es dort warm ist. Es gibt Gegenden in Namibia, in denen Frauen verschiedener Stämme und Volksgruppen auch in der Stadt grundsätzlich oben ohne rumlaufen. Man sagte mir, dass es in irgendeinem der benachbarten Staaten (weiß nicht mehr, welcher) auch heute noch gang und gäbe sei, dass die dort einfach ganz nackt rumlaufen. Das ist da so.

Und es ist auch so, dass Weiße oft in beiger Kleidung rumlaufen, weil die nämlich, das können sich Studentinnen heutiger Zeit nicht vorstellen, für solches Wetter am besten ist. Und, weil man damit die Tiere weniger verschreckt und nicht so auffällt, weil der Boden oft ähnliche Farben hat. Ich habe noch jede Menge solcher Reiseklamotten, teils in Australien gekauft, die ganz wunderbar und genau richtig für sowas ist, die ich nur nicht mehr verwende, weil ich in Australien damit ständig von Touristen angequatscht wurde, die mich für einen Reiseleister oder Wildhüter hielten. Heute muss man knallbunt rumlaufen, um unter Zeitgeistigen und Touristen nicht aufzufallen, auch wenn man die Tiere damit verschreckt. Ursprünglich kamen die sandfarbenen Stoffe wohl von den britischen (und anderen) Soldaten, die diese Stoffe als Uniform für Sand und Hitze hatten, oder generell ihre Uniformen in Brauntönen hielten. Es heißt ja gerne, die Nazis seien braun, weil sie braune Uniformen anhatten, aber Briten und Amerikaner hatten die auch. Hat außerdem produktionstechnische Gründe, weil die früher oft Baumwolle oder Leinen verwendeten, was eben von Natur aus solche Beige-Töne hat.

Deshalb sind solche Stoffe in solchen Beige-Tönen eigentlich auch von der Herstellung her die umweltfreundlichsten, weil sie nicht gebleicht werden müssen, aber versucht mal, dass Geisteswissenschaftler-Tussis von der Uni klarzumachen. Dafür sind die zu doof.

Das knallbunte Modespektrum dagegen kommt eben von der Modeindustrie, weil die Jugend eben gerne knallbunt rumläuft und rumlaufen soll, und sich dann wundert, warum sie keine Tiere sehen. Oder warum ihnen so warm ist.

Ehrlich gesagt, würde man Afrikaner heute korrekt darstellen wollen, würden man ihnen weder traditionelle, noch beige Kleidung anziehen, sondern Massen-Marken-Fetzen von Adidas. Und sowas. Komischerweise habe ich noch nie Kolonialismusvorwürfe darüber gehört, wer heute in der Welt alles mit Adidas-Zeugs rumläuft.

Seltsam finde ich auch, dass zwar alle gegen Plastikmüll wettern und hier jeden Strohhalm und jede Plastikgabel verbieten, es aber völlig normal finden, dass die halbe Welt in Adidas-Synthetics rumläuft.

Die Realität ist aber, dass dort eben tatsächlich viele Weiße und auch schwarze Beamte in beigen Klamotten rumlaufen, weil das eben gut und Ableger der Militäruniformen sind, und einheimische in traditioneller Kleidung.

Verdammt nochmal, was sollten Schwarze auch sonst anhaben, wenn nicht traditionelle Kleidung? Sollen sie in europäischer Kleidung rumlaufen, weil sie in traditioneller Kleidung kolonialisiert aussähen? Wie schwachsinnig ist das denn?

Herero

Was ich übrigens erstaunlich finde:

Ich noch nicht ein einziges Mal gehört, dass sich irgendwer dieser Gutmenschen über die Tracht der Herero-Frauen aufgeregt hätte. Die laufen nämlich heute noch in Kolonialmode herum, nur der Kopfputz soll die Hörner der Rinder stilisieren, weil sie Viehzüchter waren.

In Namibia hat man mir erzählt, wie es dazu kam, dass die Herero in Kleidung rumlaufen, die nach Europa 19. Jahrhundert oder viktorianisch aussieht. Als nämlich die Kolonialisten kamen, hätten sich die Ehefrauen der Kolonialisten sehr daran gestört, dass da jede Menge schöner Frauen splitternackt herumliefen und ihren Männern den Kopf verdrehten. Deshalb hätten die Kolonialistenfrauen den schwarzen Frauen Nähmaschinen und Stoffe geschenkt und ihnen das Nähen beigebracht, und die Herero seien bald so gut darin gewesen, dass sie sich diese Schnittmuster als Tracht angeeignet haben, sie aber keine einheitlichen Farben und Muster haben, weil immer der Stoff verarbeitet wurde, den sie geschenkt bekamen, weshalb die zwar alle ähnliche Schnitte haben, aber jede in anderer Farbe herumläuft.

Und die habe ich dort auch so gesehen, die laufen wirklich herum wie Europa um 1900.

Ich könnte mich aber nicht erinnern, dass irgendwer dieser Gutmenschen verlangt hätte, die Herero zu dekolonialisieren und wieder nackt herumlaufen zu lassen. Denn ohne Kolonialisierung und die Nähmaschinen der Kolonialistenfrauen wären sie eben…nackt.

Ich habe dort auch eine Spinnerei besucht, wo man tatsächlich noch wie im Märchen vom Rumpelstilzchen am Spinnrad Wolle spann. Auch das: Durch Kolonisten eingebrachte Techniken. Auch die Webstühle, die ich dort gesehen habe, eindeutig europäischen Ursprungs. Mir wäre jetzt zumindest nicht auswendig bekannt, dass in Afrika eigene Webstühle erfunden worden seien. Oder die Gerberei. Insofern ist es selbst mit der traditionellen Kleidung nicht so lang her. Mir wäre jetzt nicht bekannt, dass die vorkolonial größere Quellen für Stoffe gehabt hätten.

Wenn man sich also schon gegen Kolonialismus und für ein realistisches, entkolonialisiertes Afrika-Bild ausspricht, dann würde das darauf hinauslaufen, dass die Schwarzen nackt, oder wie bei den Himba, im kleinen scharfen Lendenschurz und mit nackten Brüsten dargestellt werden.

Alles so schwachsinnig.

Ich plädiere deshalb dafür, um Universitäten Mauern zu ziehen und niemanden, der sich für Geisteswissenschaften, mindestens die der Sozialwissenschaften und Philosophie, immtrakuliert hat, jemals wieder rauszulassen. Das merken die auch nicht, oder es stört sie nicht, solange sie darin noch zur Mensa und zu Alkohol kommen und man ihnen sagt, dass es sich um die neue Version des antifaschistischen Schutzwalles handele.

Von außen kann man das dann antisozilogischen Schutzwall nennen.