Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Oh, was’n Scheiß Flughafen…

Hadmut
16.9.2021 23:32

Nun war ich auch mal am BER.

Oder: Nach langer Pause endlich wieder eine neue Folge des nie endenden Dramas und der ewig fortwährenden Saga „Ich und die Flughafensicherheit“.

Ich hatte mir das ja bisher verkniffen, den BER zu besichtigen oder zu nutzen, aber nun ist es passiert. Ich bin dort einmal abgeflogen und einmal wieder gelandet.

Naja, nicht ich selbst, die Piloten. Die Sache mit der Kotzkurve hatte ich ja neulich schon, dazu sogar einige Zuschriften von Piloten bekommen, darunter ein A380-Pilot und ein Prüfer. Aber heute will ich das mal als Passagier beleuchten.

Wobei ich den wichtigsten, den Danisch-Flughafen-Test, den bisher noch kein einziger Flughafen der Welt bestanden hat (ich aber nicht alle getestet habe, auf denen ich war) noch gar nicht durchgeführt habe.

Der Danisch-Flughafen-Test geht so: Sei als Single (der keinen dabei hat, der mal auf das Gepäck aufpassen kann) mehr als 3 Stunden vor Abflug am Flughafen, also bevor der Check-In-Schalter geöffnet hat. (Manche öffnen auch erst 2 Stunden vor Abflug.) Mit viel Gepäck. Und geh dann mal pinkeln oder in die volle Transaktion. Es gibt Klokabinen, in denen man schon ganz ohne Gepäck die Tür von innen kaum zubekommt. Am Flughafen Tegel gab es eine, in der die Klotür mit so ein, zwei Fingerbreit abstand an der Kloschüssel vorbeischwang, und ich stand da und fragte mich, wie man die Tür eigentlich ohne Akrobatik oder die Hose an der versifften Kloschüssel entlangzuziehen von innen zukriegen soll. Aber nun geht mal mit Gepäck aufs Klo. Ich kenne keinen Flughafen der Welt, auf dem das geht, aber viele, die immer gerne solche Durchsagen wie „don’t leave your bags unattended“ posaunen oder „Sicherheitshinweis – lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt!“. Wie das aber gehen soll, wenn man mal muss, konnte mir noch nie jemand beantworten. Wie gesagt, ich habe es noch nicht überall getestet, auch nicht am BER, aber die bisherigen Untersuchungsergebnisse führen dazu, dass ich Flughafenarchitekten generell für eine Kategorie von Idioten halte, die nicht wissen, was sie da bauen und wofür.

Den Abflug empfand ich als chaotisch.

Obwohl sie ja alle jammern, dass sie wegen Corona darben müssen und ihren schönen neu-alten Flughafen nicht auslasten können, war der Check-In schon ein großes Durcheinander, Hektik, alle durcheinander. Da habe ich mir schon überlegt, was die eigentlich mal machen, wenn da voll ist. Vielleicht muss ich noch üben, aber mir erschließt sich das Konzept des Flughafens irgendwie nicht. Vor allem aber verstehe ich nicht, was an diesem Flughafen fast 10 Jahre des Nachbessserns gebraucht haben soll. Man steht da in einer großen, drögen, eigentlich nur quaderformigen Halle von der Atmosphäre einer Messehalle, und ich frage mich, was die da eigentlich die ganzen Jahre gemacht haben wollen. In München bauen sie die Hallen für das Oktoberfest jedes Jahr (außer Corona) auf und wieder ab.

Als Ärgernis empfand ich die Zoll-/Passkontrollen, die ich für unterdimensioniert halte. Das ist weder dafür vorgesehen, dass die mehr machen als zu schauen, dass jeder mal mit dem Pass winkt, noch für automatisierte Passkontrollen. Geplant eben im Stil von 2000.

Versteht mich nicht falsch. Die geben sich da nicht nur Mühe, der deutsche Zoll ist inzwischen auch der Bestaussehendste, den ich kenne. Als ich noch Student war, fand man die bestaussehendsten Frauen noch bei den Bibliothekarinnen. Inzwischen hat sich das verschoben, die bestaussehendsten Frauen laufen inzwischen bei der Polizei rum (kann man nur nicht anbaggern, die sind bewaffnet und da wird auch recht schnell so eine Handschellen-Nummer draus) und ähnlichen Institutionen, offenbar auch Zoll. Früher saßen da nur Männer, inzwischen nur Frauen. Gutaussehende. Aber: Die schnellsten sind sie nicht.

Ich kam da heute so an, lange Schlangen.

Also dachte ich, gehste mal zu den automatischen Systemen. Das geht normalerweise schneller.

Tatsächlich hatten sie da 6 solcher automatischer Passprüfgeräte. 6. Nicht 60, sondern 6.

Von diesen 6 zeigten immer nur ein oder zwei ein grünes Signal, dass einer reinkann, die anderen zeigt rot, geht nichts.

Da lief nun einer vom Flughafen rum, der Leuten weiterhalf und das alles etwas ordnete, und ich fragte den, mit der Begründung, dass ich es gerne verstehen würde, warum, wenn man schon nur 6 Automaten hat, nur 2 davon in Betrieb sind. Kaputt könnten die anderen vier nicht so sein, weil es nicht immer dieselben zwei sind, die in Betrieb sind. Das wüsste er auch nicht, sagte er, das müsste ich die [Ich weiß nicht mehr, ob er Zoll oder Bundespolizei sagte, jedenfalls die, die dahinter im Kabäuschen sitzen und die Pässe kontrollieren] fragen, die betrieben die Dinger und steuerten die.

Ich denke noch so „Hä!?“, warum sollte jemand automatische Passkontrollen willentlich runterbremsen?

Bis ich dann eben selbst durch war.

Irgendwas rief die mir von innen zu, ich habe sie aber nicht verstanden, weil man sie durch eine dicke Glasscheibe mit ein paar gebohrten Löchern nicht so versteht wie man sollte. Da saßen nämlich zwei nebeneinander und kontrollierten alle, die durch den Automaten gegangen sind, noch einmal. Und deshalb ließen die immer nur soviele durch den Automaten durch, wie sie dann selbst kontrollieren konnten.

Was soll das, dass ich erst in einem Automaten, der die Gesichtsgeometrie biometrisch vermisst, den Reisepass automatisch prüfen lasse und ihn dann nochmal zusätzlich von einem Menschen prüfen lassen muss? Wenn sie ihrem Automaten nicht trauen, warum stellen sie ihn dann überhaupt auf?

Dann musste ich meine Einreiseanmeldung vorzeigen. Wenn man nämlich aus einem „Hochrisikogebiet“ nach Deutschland einreist, muss man vorher über die Webseite Einreiseanmeldung eine Einreiseanmeldung vornehmen. Was bekloppt verläuft. Sie schreiben zwar, das ginge mit Handy und digital, aber wenn man das macht, bekommt man die Anmeldung als PDF zum Ausdrucken. Wie man das unterwegs ausdrucken soll, sagen sie nicht, aber sie haben es auch akzeptiert, dass ich ihnen das Handy mit der Anzeige rübergereicht habe. Darauf war ich vorbereitet, denn sie sagen es einem nicht nur bei dieser Anmeldung, dass man sie vorzeigen muss, sondern es hängt auch ein Schild da.

Und dann wollten sie noch die Impfbestätigung sehen.

Die ich zwar dabei hatte, was aber nicht zu dem gehörte, was da angekündigt war, weshalb ich den Rucksack erst absetzen und das rausfummeln musste. Kostet natürlich alles Zeit.

Wenn man da schon ein Schild aufhängt, auf dem steht, was man vorzeigen muss, warum steht dann da nicht alles drauf, was man vorzeigen muss? Dann hätte man die Sachen schon in der Hand, und es ginge schneller.

Und warum bekomme ich das als PDF, also einen Druckformat, statt als QR-Code oder in der Corona-App, die ich ja sowieso schon auf dem Handy haben muss? Warum wieder so eine Pseudodigitallösung, die nicht digital ist?

Warum aber brauche ich das überhaupt? Wozu fülle ich überhaupt dieses Einreiseanmeldung aus, wenn dann doch wieder alles einzeln neu geprüft wird?

Und warum muss ich einen Impfnachweis vorlegen, wenn sie doch online abfragen könnten, ob ich geimpft bin?

Zum Vergleich

der Flughafen in meinem Zielland.

Auch da musste ich vorher eine Corona-Einreiseanmeldung vornehmen. Online. Name, Pass, Datum der Impfung und sowas. Und bekam die dann auch als PDF, für die Läden und sowas. Aber: Bei der Einreise wussten die schon, dass ich da angemeldet bin und brauchten die nicht (oder nur in Problemfällen). Es wurde nur vor dem Abflug danach gefragt, einfach nur um sicherzustellen, dass keiner in den Flieger steigt, der keine Anmeldung hat.

Ich hatte mal gefragt, welchen Wert das hat, wenn man nur das Datum und den Impfstoff angibt, aber die Impfbescheinigung selbst nicht hochladen muss. Antwort: Passiert im Hintergrund. Mit Name, Geburtsdatum und Datum der Impfung fragen die im Hintergrund bei der EU-Datenbank an. Und deshalb müssen die bei der Einreise nichts mehr kontrollieren.

Überhaupt funktioniert es dort ganz anders. Bei Ein- und Ausreise stehen da einfach lange Reihen mit Prüfautomaten, wie die Checkin-Automaten der Fluglinien. (IT-Fachbegriff: Kiosk-System) Ich habe sie nicht gezählt, aber gefühlt so zwischen 20 und 40, und zwar so viele, dass immer ein paar frei sind. Schlange=0, gibt keine Schlange. Auch keine Schranken oder Vereinzellungsmaschinen und sowas. Man sucht sich einen, der kontrolliert und fotografiert einen, und druckt dann auf einem Bon-Drucker eine Bestätigung aus, dass man sich da ausgewiesen hat, dazu ein gerastertes Foto der Person, die den Automaten bedient hat. Und damit das dann keiner überspringen und an den Dingern einfach vorbeilaufen kann, ist dieser Zettel dann quasi die Eintrittskarte. Da steht dann nur noch ein einziger Beamter und lässt nur die durch, die ihm so einen Zettel geben können, er prüft kurz, ob die Persion die auf dem Foto ist. Fertig. Ruckzuck, effektiv keine Wartezeit.

Alles digital, alles skalierbar, genug Automaten.

Bei uns: Da sitzen zweie und müssen alles manuell und einzeln prüfen, und sie wirkte auf mich, als sähe sie den Impfausweis zum ersten Mal. Und das dauert.

Warum können die das in anderen Ländern und wir nicht?

Bei uns ist alles immer irgendwie Flickwerk und zusammengemurkst, weil für alles irgendwer anderes zuständig ist und keiner kooperiert, sondern jeder seine eigene Suppe macht, und keiner sich auskennt. Warum haben wir eine COVID-19-App, dann über für Einreiseanmeldungen wieder eine neue Sache, die komplett anders organisiert ist? Warum kann ich nicht einfach die Corona-App mit dem Corona-QRCode an das Lesegerät halten? Vielleicht, weil sie kein Lesegerät haben? Inkompatible Software?

Apropoos Können: Am Abflugflughafen hatte mich ein Shuttle-Bus zum Flughafen gebracht. Anfahrt auf derselben Ebene wie der Abflug, vom Fahrzeug zum Check-In-Schalter hatte ich gerade mal 50 Meter ohne Höhenunterschied. Kenne ich eigentlich von so vielen Flughäfen der Welt, besonders den amerikanischen. Warum geht sowas bei uns nicht?

Oh, pardon, in Tegel ging sowas an manchen Schaltern, aber den hat man ja dicht gemacht.

S-Bahn

Und dann zum S-Bahnhof. Der ist ganz unten.

Es gibt eine Treppe. Zwei Fahrstühle, die nur einen Teil der Leute transporieren können. Und eine Rolltreppe nach oben.

Aber keine nach unten zur S-Bahn.

Welcher Idiot baut denn einen Flughafen-Bahnhof, bei dem die Rolltreppen nur von den Bahngleisen weg, aber nicht hingehen? Können sich Architekten das nicht vorstellen, dass man auch auf der Heimkehr noch im Besitz des Gepäcks ist?

Wahrscheinlich einer von der Sorte, die glaubt, dass man dort mit kleinen Toilettenkabinen auskommt, weil man es eh nicht mit Gepäck ins Gebäude schafft.