Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Deanonymisierung des Internet

Hadmut
2.9.2021 22:31

Vor- oder Nachteil?

Sie wollen das Internet komplett deanonymisieren und Leuten für ihre Auftritte in den Social Media „credits“ geben. Hört sich so ähnlich wie in China an.

Bevor man jetzt allzu laut auf die Australier schimpft, sollte man zwei Dinge bedenken:

  • Die Australier, Großbritannien, das Common Wealth hat keinen Hintergrund der Grundrechte, ist keine historisch gewachsene Demokratie in dem Sinne, dass eine Verschlechterung eintritt. Sie sind historisch ein Königreich, das zwar durchaus ein Ober- und ein Unterhaus hat, das aber zumindest historisch eben auch vom Oberhaus bestimmt wurde, in dem Adlige saßen. Zensur ist in deren Geschichte verankert, und es gibt in Australien Museen (ich habe mehrere in den größeren Städten besucht, weshalb ich jetzt nicht mehr genau sagen kann, in welchem ich dieses Detail gesehen habe), in denen erklärt wird, dass Leute in England schon deshalb eingekerkert, für den Rest des Lebens nach Australien verbannt, dort wieder eingekerkert und ausgepeitscht wurden, weil sie auf der Straße fluchten oder sich ungehörig äußerten. Sie hatten da so ein Projekt, wo man beim Betreten zufällig gewählt einen von mehreren Nachdrucken der Ausweispapiere von einigen realen Häftlingen bekam, die damals mit den Gefangenenschiffen nach Australien verfrachtet wurden und dort von Null an alles aufbauen mussten. An den Wänden Dokumentationen zu deren Lebenslauf. Ich hatte so einen erwischt, der sich nichts anderes zu Schulden hatte kommen lassen, sich ungehörig – heute würde man sagen: politisch unkorrekt – zu äußern.

    Andererseits haben sie an der französischen Revolution nicht oder nur am Rande teilgenommen und hatten nie so etwas wie das Dritte Reich oder die DDR. Woher soll’s kommen?

  • Obwohl man meinen sollte, dass das bei uns wegen unserer Vergangenheit besser aussieht, tut es das nicht. Auch bei uns gibt es Politiker, die sowas wollen und ab und zu auch mal mit solchen Forderungen ankommen. Nicht Demokratie oder Grundrechte sind es, die uns bisher davor bewahren, sondern die blanke Unfähigkeit, Internetprojekte auf die Reihe zu bekommen.

    Wie die Australier das dann machen wollen, darauf darf man gespannt sein.

Was mir nun durch den Kopf geht: Wie finde ich sowas eigentlich? Was halte ich davon?

Wenn ich die letzten 20 Jahre als Maßstab herannähme, käme ich kurioserweise zu dem Ergebnis, dass ich davon profitiert hätte. Denn so weit ich mich erinnern kann, habe ich nie meine Meinung öffentlich gesagt, ohne auch meinen Namen dazuzuschreiben.

Leute, die mich angreifen, diffamieren, verleumden, beschimpfen oder generell, unabhängig von mir, eine politisch gegnerische Position vertreten, treten fast immer anonym, pseudonym oder hinter irgendwelchen Rückverfolgungsschutzmechanismen auf.

Ich hatte das ja beschrieben, wie oft mir auffällt, dass dieser ganze linke Komplex fast immer anonym oder zumindest ohne wirksames Impressum publiziert, während ich mich immer mit Impressum ausweisen muss. Deshalb hätte ich durch eine solche Pflicht bisher keine Nachteile gehabt, aber den Vorteil, dass es meine Gegner schwerer hätten.

Jedenfalls bei einem gleichmäßigen Recht.

Natürlich wird das wieder so sein, dass diese Gesetze dann für Linke und Migranten nicht gelten, nur für die anderen. Wie immer. Denn wie sollte das funktionieren bei Leuten, die sich nicht ausweisen oder dann 30 Identitäten haben?

Die große Frage wäre aber, wie sie das international hinbekommen wollen. Wie man beispielsweise solche westlichen Vorstellungen von Kommunikation in Afghanistan oder so durchsetzen will.

Ich denke, wir werden noch viel Spaß haben. Wenn hier rot-rot-grün dran kommt, fangen die auch mit sowas an.