Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Das Canon 5200mm f/14 und andere Tele-Monster

Hadmut
8.6.2021 11:32

Optiken, für die der Waffenschein nicht mehr reicht.

Ein Leser meint, die beschriebene Linse sei noch nicht die größte, es gäbe da noch das Canon 5200mm f/14 Tele-Monster.

Jain.

Das ist zwar tatsächlich noch viel mehr als das beschriebene Canon EF 1200mm f/5.6L USM, die Brennweite ist mehr als viermal so lang, aber wie man in dem Video bei 0:36 sieht, ist das ein Spiegeltele. Das funktioniert mit gewölbten Spiegeln und nicht mit Linsen (jedenfalls nicht am dicken Ende), weshalb man dafür auch keine großen Linsen herstellen muss. Deshalb war das auch so vergleichsweise billig. Und dürfte sich von der Konstruktion eher an astronomischen Teleskopen orientieren.

Beachtlich: Das Ding wiegt nicht nur 100kg (obwohl Spiegelteleobjektive eigentlich „leer“ sind und deshalb für gewöhnlich sehr leicht), sondern es hat eine Mindestentfernung zum Scharfstellen von 120 Metern. Noch längere Brennweiten können sie, steht da, nicht bauen, weil sonst beim Fotografieren die Erdkrümmung im Bild ist. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das Bild dann noch wirklich scharf ist, weil dann einfach soviel Luft dazwischen ist, die Dreck und Schlieren enthält und wabert und sich bewegt, dass man, egal wie gut das Objektiv ist, nicht mehr knackscharf arbeiten kann. Das ist ja auch in der Astronomie ein Problem.

Auch da würde ich als Einsatzgebiet aber vor allem (oder nur noch) die Geheimdienste sehen. Objektive dieser Art dürften vermutlich in Spionagesatelliten Einsatz finden.

Ich könnte mir vorstellen, dass man sowas früher auch eingesetzt hat, um Dinge zu fotografieren, denen man sich nicht nähern kann, Tschernobyl und sowas.

Wär ich Milliardär, würde ich mir die alle kaufen. Just for fun.

Bin ich aber nicht.

Apropos Milliardär:

Irgendwer, ich glaube es war Sigma, hat mal vor ein paar Jahren damit angegeben, dass sie für einen arabischen Prinzen eine Einzelanfertigung hergestellt haben, auch so ein Monsterobjektiv, irre teuer, dass sich nicht nur so fotografiert, wie sich eine Panzerfaust oder Abwehrrakete schießt, sondern auch so aussieht, weil in tarngrün und militärischem Look. Der brauchte das, um seine Falken zu fotografieren.

Allerdings war die Angabe, dass das Canon das größte ist, wohl veraltet und galt nur damals.

Inzwischen gibt es nämlich auch ein Leica APO-Telyt-R 1:5.6/1600mm Lens, das den niedlichen Preis von US $2,064,500 kostete,

his makes it the most expensive consumer camera lens ever made. This Leica APO-Telyt-R was prototyped and built in Leica’s Solms, Germany factory, where the prototype can still be seen on display. At 1.2-meters long, 42cm wide at the end with whopping 60kg or 132lbs weight it may need a truck to be carried around.

Bedauerlich:

Interesting fact is that It was delivered to Al-Thani in 2006, and no pictures taken with it have ever been made public.

Der war Staatsoberhaupt von Katar.

Realistisch ist allerdings das Nikkor 1200-1700mm f/5.6-8.0 , über das es da heißt:

Price : US $ 60,000
Weighing in at 36 pounds and measuring nearly 3 feet in length, the manual focus lens was introduced in 1993 and had a hefty price tag of $60,000. It was first used in 1990 at the Koshien Stadium, the baseball ground at which the spring high school baseball tournament is staged. It was also used during the french hostage situation to capture photos from safe distance by AP journalists.

Und dann als größte bekannte dieses 5200mm von Canon.

Ich würde aber wetten, dass die Geheimdienste da auch noch einiges in der Kammer haben.

Wie gesagt: Wäre ich Milliardär … just for fun.

Beachtlicherweise dürften sich einige Anwendungsgebiete solcher Objektive durch die moderne Digitaltechnik erledigt haben. Denn mit der hohen Auflösung der Sensoren würde man heute bessere Ausschnittvergrößerungen hinkriegen und das mit kleineren, einfacheren Objektiven machen. Und „safe distance“ erreicht man heute mit ferngesteuerten Kameras oder Drohnen.