Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Vom seriösen Journalisten und seinem vermeintlichen Monopol

Hadmut
23.4.2021 20:55

Eine Groteske.

Ein Leser schreibt, die Bundestagspetition 120943 wäre direkt gegen mich gerichtet.

Jemand empört sich, dass sich immer mehr Leute „Journalist“ und „Presse“ nennen und will beim Bundestag eine Legaldefinition von „Presse“ und „Journalist“ sowie eine Berufsdefinition erreichen, und damit alle, die ihm nicht in den Kram passen, davon ausschließen, Presse oder Journalist zu sein.

Nicht auszuschließen, aber sehr unwahrscheinlich, dass das auf mich bezogen ist, weil ich mich ja nicht als Journalist bezeichne (mich auch nie dazu ernannt habe) und auch das da Beschriebene noch nie getan habe. Es geht auch um Streams und Handyaufnahmen, und ich habe noch nie in Bezug auf mein Blog oder meine publizistische Tätigkeit hier gestreamt oder etwas mit dem Handy als Video aufgenommen.

Aber gut möglich, dass, wer auch immer das geschrieben hat, mein Blog und meine Stellungnahmen für die Landtage kennt, weil ich darin beschrieben habe, dass früher die hohen technischen Anforderungen eine Abgrenzung bildeten, heute aber nicht mehr. Muss man aber nicht unbedingt bei mir gelesen haben, die Schlauesten kommen auch selbst drauf.

Wobei der da sicherlich nicht zu den Schlauesten gehört, denn eine Petition wirft man nicht mal eben so hin, sondern schreibt die systematisch und organisiert, und überträgt dann den Text, was hier aber offensichtlich nicht passiert ist, es sind schon viele Sprachfehler drin.

Einerseits denkt man, das kann kein Journalist geschrieben haben, vielleicht eher ein genervter Rettungssanitäter oder Polizist, weil ja direkt auf Behinderung der Rettungsarbeiten Bezug genommen wird (was ich auch noch nie getan habe), und weil Journalisten eigentlich wissen müssten, dass eine Petition an den Bundestags sowieso problematisch ist, weil Presserecht und Polizei zunächst mal Ländersache sind, es dem Bund dazu an der Zuständigkeit fehlt (weshalb es auch kein Bundespresserecht gibt, obwohl es das eigentlich geben müsste, denn der Bund ist zwar nicht für die Presse, aber für das Verhalten der Bundesbehörden und seiner Beauftragten gegenüber der Presse zuständig, und das müsste gesetztlich geregelt sein).

Wenn, dann müsste man sich damit etwa an die Innenministerkonferenz oder sowas in der Art wenden.

Eigentlich würde man denken, dass Journalisten in ihrer Ausbildung gerade sowas lernen. Und der/die/das Pettierende keine journalistische Ausbildung haben kann.

Dann aber diese komische Betonung darauf, dass man Journalismus lernen müsse und das so seriös wäre, sowas würde kaum jemand anderes so schreiben.

Damit nicht vor allem an Großveranstaltungen oder Demonstration nicht jeder Smartfonbesitzer sich als “Presse” oder “Journalist” ausgeben kann wäre der Schutz dieser beiden Bezeichnungen wichtig insbesondere

1. Um seriöse, kompetente Journalisten von Laien abzugrenzen, und “Journalismus” als Beruf und “Presse” als Instanz(umgangsprachlich) anzuerkennen.

2. Droht die Gefahr, dass immer mehr Menschen der Meinung sind durch die Eröffnung eines “Streamimgkanals” das Presserecht für sich in Anspruch nehmen zu dürfen und dadurch “legitimiert” seien Rettungs- und Polizeieinsätze behindern, bzw. aus jeder polizeilichen Anordnung ein angeblich unzulässige Einschränkung der Pressefreiheit konstruieren.

Eine Legadefinition des Begriffs “Presse” war vor den Steigerung der medialen Möglichkeiten noch nicht erforderlich, da der technische Entwicklungsstand ohnehin den Personkreis beschränkt und eine klar Abgrenzung möglich war.

Dies ist jedoch seit längerem nicht mehr gegeben und daher ist eine Anpassung an die Situation heute durch den Gesetzgeber m. E. zwingend geboten.

Das ist auch inhaltlich sehr dämlich, denn eine Legaldefinition kann ja den seriösen, kompetenten Journalisten nicht vom Laien abgrenzen. Der Journalist wird ja nicht durch Definition seriöser oder kompetenter. Dazu müsste man die Ausbildung ändern und eine Berufszugangsprüfung einführen. Gerade das geht aber wegen der Pressefreiheit nicht.

Davon abgesehen haben die meisten Journalisten längst keine Kompetenzen mehr, die sie vom Laien unterscheiden könnten.

Ist auch chancenlos, denn die Petition müsste bis heute abend 50.000 Stimmen erreicht haben. Sie ist bei 62. Also nicht 62.000, sondern 62. Knapp vorbei ist auch daneben.

Aber letztlich läuft es auf die Abgrenzungsprobleme hinaus, die ich in den Landtagsstellungnahmen beschrieben hatte.