Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der Cannabis-Whataboutism

Hadmut
20.4.2021 12:11

Warum Cannabis-Anhänger dumm sind.

Oder: An ihrem Schwachsinn sollt Ihr sie erkennen.

Es korreliert. Die Kausalitätsrichtung lasse ich mal offen.

Jedesmal, wirklich jedesmal, wenn ich selbst irgendwas zu Cannabis sage, kommt immerhalb von Minuten, meist von Sekunden, das Gegenfeuer, es sei doch verlogen, unehrlich und so weiter, dass wir soundsoviel Tote und Schäden durch Alkohol haben, und der sei nicht verboten.

Diese Argumentationsweise ist so endknalledumm.

  • Ich habe noch nie irgendwo Alkohol befürwortet. Ich trinke keinen Alkohol, ich halte nichts von Betrunkenen, ich habe schon gesehen, welche Folgen Alkoholismus hat, und wie sich Betrunkene benehmen – von mir aus könnt Ihr Alkohol sofort verbieten. Stört mich nicht, habe nichts dagegen. Ich komme nicht nur völlig ohne aus, er schmeckt mir auch überhaupt nicht.

    Kommt mir bloß nicht mit dem saudummen Geschwätz, es sei unehrlich, Alkohol zu gestatten und Cannabis zu verbieten. Das tue ich nämlich nicht. Im Gegenteil halte ich es für äußerst bedenklich, dass es in jedem Discounter regalweise den Billigsprit gibt.

  • War das nicht so, dass Linke so leidenschaftlich gerne den „whataboutism“ anprangern?

    Was ist das, wenn nicht „whataboutism“?

  • Wenn einer gesellschaftsschädlichen Unsinn macht, soll der nächste einen Anspruch darauf haben, ihn auch zu machen?

    Habe ich dann nicht einen Anspruch gegen die Grünen, auch Fleisch zu essen, soviel ich will, weil sie das in anderen Ländern tun? Oder soviel rumzufliegen, als wäre ich Grünen-Politiker?

    Rechtfertigt das begehen einer Straftat oder einer Gemeinschädigung die weiteren?

  • Was ist das eigentlich für eine schwachsinnige Sichtweise?

    Es gibt Alkohol, und deshalb soll man in seiner Meinungsbildungsfreiheit eingeschränkt sein, aufgrund der schieren Existenz von Alkohol nicht gegen Cannabis sein zu dürfen?

  • Seit wann löst man Probleme, indem man sie vergrößert und sich neue schafft?

    Wenn man schon sagt, dass die Gesellschaft großen Schaden, viel Kriminalität und Verkehrstote durch Alkohol hat, wie schwachsinnig ist es dann, trotzdem zu sagen, dass man noch eine zweite Droge freigeben will, die man schon selbst mit Alkohol vergleicht?

    Es ist doch völlig hirnrissig zu sagen, dass Alkohol Schaden, Probleme, Tote verursacht, und dann aus Gründen der Gerechtigkeit davon noch mehr haben will. Haben wir nicht schon genug Probleme?

    Oder sind die Grünen so drauf, dass sie sagen, wenn Fabrik A giftige Abwässer in den Fluss lässt, es Fabrik B auch dürfen soll, der Gerechtigkeit wegen?

    Im Verwaltungs- und Verfassungsrecht gilt übrigens der Grundsatz, dass es Gleichheit nur im Recht, nicht im Unrecht gibt.

Immerhin aber haben Leute, die – warum auch immer – Alkohol konsumieren, wenigstens ein paar Pseudoargumente.

Immerhin sagen sie, er schmecke ihnen gut, passe gut zum Essen, er mache gesellig, erlaube Erholung und so weiter. Das muss man nicht objektiv richtig oder gut finden, aber immerhin ist es greifbare, subjektive Motivationslage. (Meine Auffassung zu Drogen, Amygdala und Sozialverhalten ist bekannt, muss ich hier nicht wiederholen.) Selbst, wenn ich die Argumentation für falsch oder nicht nachvollziehbar halte, kann ich erkennen, was denjenigen jetzt dazu bringt, sich ein Glas Wein einzuschenken oder einen Whisky.

Und ebenso immerhin hat die Bierbrauerei einen rationalen Hintergrund. Es war nämlich in frühen Zeiten bis selbst noch im 19. Jahrhundert eine der wenigen Möglichkeiten, Lebensmittel haltbar zu machen. Im Vergleich zum damaligen Trinkwasser war das tatsächlich ein hygienischer Fortschritt. Hat man nicht neulich irgendwo eine mehrere tausend Jahre alte Großbrauerei ausgegraben? So eine richtig große Industrieanlage mit modern erscheinenden, gerade gezogenen Mauern und großen Kesselanlagen, die da so richtig Durchsatz hatten und produzierten? Wenn ich mich recht erinnere, nahm man dazu an, dass der Herrscher irgendwelche Volksfeste in Auftrag gegeben hatte, und das „Catering“ beim damaligen Stand von Technik und Hygiene nur so zu bewältigen war. Wasser fault, wenn nicht sehr sauber abgepackt, wie es heute möglich ist.

Auch wenn diese Gründe beim heutigen Stand der Technik und Wissenschaftlich nicht mehr gelten, weil wir heute moderne Abfüll- und Kühlanlagen haben, hat der Alkohol zumindest historisch eine sachliche triftige Berechtigung, die erklärt, warum man es nicht verboten hat. Alkohol war ursprünglich eben nicht (nur) Droge, sondern Konservierungsmittel. Selbst heute ist er das noch. Als ich jünger war, war ich noch geschmacksempfindlicher. Manche Schokoriegel und Süßigkeiten (besonders auffällig: „Yes-Tortie“, keine Ahnung, ob es die noch gibt) fand ich einfach widerlich – weil ich den Alkohol rausgeschmeckt habe. Da hat man geringe Mengen Alkohol reingemischt, um es haltbarer zu machen.

Bis heute aber konnte mir niemand erklären, wozu ein allgemeiner Cannabis-Konsum gut sein soll.

Es mag ja sein, das will ich nicht mal in Abrede stellen, dass Cannabis als Droge gegen Schmerzen oder sogar bestimmte Krankheiten wirkt. Dann wäre das ein rezeptpflichtiges Medikament und keine Lifestyle-Droge. Selbst wennn Cannabis gegen gewisse gesundheitliche Probleme hilft – kann ich nicht beurteilen, nehme ich mal so hin – erklärt das nicht, warum man es Leuten, vor allem Jugendlichen, geben sollte, die diese Probleme nicht haben.

Denn nachgewiesen ist auch, dass Cannabis krank macht und ziemliche – meines Wissens irreversible – gesundheitliche Probleme verursacht. Da kann die Abwägung durchaus zugunsten von Cannabis laufen, wenn ein alter Mensch Schmerzen hat und das in Richtung Palliativ-Medizin geht. Und der sowieso nicht mehr am Arbeitsleben oder Straßenverkehr teilnimmt.

Aber mir konnte noch nie jemand sagen, warum ein Mensch, der keine Schmerzen und Krankheiten hat, Cannabis nehmen will, wenn doch der Vorteil des Zeugs sich darin erschöpfe, gegen Schmerzen und Krankheiten zu helfen.

Ich fress’ doch auch keine Kopfschmerztabletten, wenn ich keine Kopfschmerzen habe.

Ich kenne sehr gute Mittel gegen Fußpilz oder Lippenherpes, aber ich nehme sie nicht, wenn ich keinen Fußpilz oder Lippenherpes habe.

Ich trage nicht mal einen Gipsverband, solange ich mir das Bein nicht gebrochen habe.

Und um mal ein grünes Argument zu bringen: Antibiotika helfen zwar gegen Bakterieninfektionen, aber auch nur dann, wenn man Bakterieninfektionen hat. Sie aus Spaß und prophylaktisch zu nehmen ist kontraproduktiv und verursacht Resistenzen.

Wozu also will ein Mensch, der keine Schmerzen und keine Krankheiten hat, Cannabis konsumieren, wenn ich als Grund für Cannabis immer nur höre, dass es Schmerzen lindert und Krankheiten heilt?

Muss das nicht jedem Menschen mit Verstand auffallen, dass die Grünen Mist erzählen?

Und warum wollen die Grünen keinen Alkohol verbieten, wenn sie doch sonst auch immer alles verbieten wollen und in ihrer Cannabis-Argumentation selbst darlegen, wie gefährlich und schädlich Alkohol ist?