Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Wirecard und die Geheimdienste

Hadmut
16.4.2021 21:46

Noch ein bisschen im Dreck wühlen.

Ich hatte doch schon öfters geschrieben, dass ich Wirecard für eine Geheimdienstoperation halte.

Gut, das ist jetzt nicht so wahnsinnig phantasievoll, weil ja schon viele schrieben, dass mindestens einer im Vorstand Geheimdienstkontakte hatte und der BND da irgendwie Gelder abgewickelt hatte. Ich überlege aber, ob die das nicht nur benutzt haben, sondern ob der ganze Laden wie die Crypto AG übernommen worden ist.

Ein Leser meint nun, es käme bereits zu bedauerlichen Unglücksfällen:

Und die NZZ schreibt:

Zahlreich sind die Gerüchte über Verbindungen zwischen Wirecard beziehungsweise dem Ex-Vorstand Jan Marsalek und Geheimdiensten. Zeugenbefragungen und ein Ermittlungsbericht brachten hierzu kaum Klärung – dafür brisante Details einer Zusammenarbeit mit dem BKA. […]

Der Wirecard-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags hat am Donnerstag zwei ehemalige Geheimdienstkoordinatoren der Bundesregierung als Zeugen befragt und sich einen Bericht eines Sonderermittlers angehört – doch viel klarer scheint die Lage dadurch nicht geworden zu sein.

Einer der beiden Ex-Koordinatoren, der 2018 pensionierte ehemalige Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche, bestätigte, dass er im Ruhestand als bezahlter Berater für Wirecard tätig gewesen ist. Wirecard habe die Kontakte zur Bundesregierung verbessern wollen.

So, so. Ein pensionierter Geheimdienstkoordinator.

Zur Erinnerung: BND-Direktor Otto Leiberich, der die Stelle geleitet hat, die die Crypto AG betrieben hat, war auch schon pensioniert, als der bei uns damals an der Uni rumscharwenzelte und mir die Karriere blockiert hat. Es hat den Anschein, als würde man da öfters noch pensionierte Geheimdienstleute für solche Gesprächs- und Vermittlungsdienste einsetzen.

Vielleicht so ein bisschen die Pension aufbessern und dafür die Dinge machen, die dann nicht mehr so in den Akten stehen und nicht so dem Dienstrecht unterliegen?

in Erstkontakt des BKA mit Wirecard erfolgte laut Wieland im ersten Halbjahr 2013. Damals sei der Konzern einer von vielen Kooperationspartnern im Zusammenhang mit der «Operation SPAM» gewesen. Es ging um Ermittlungen gegen Mitglieder krimineller Gruppierungen, die sich auf das «Waschen» von Einkünften aus Computerbetrügereien spezialisiert hätten. Das BKA wollte offenbar eigene Finanzagenten einschleusen und brauchte dafür Kreditkarten.

Die Operation hatte nicht den gewünschten Erfolg, und die Karten wurden zurückgegeben. Doch im Januar 2014 wandte sich das BKA wieder an Wirecard, um bei der Entwicklung neuer Fahndungsansätze mit Hilfe von Kreditkarten-Daten Informationen über den Aufenthalt von bekannten oder unbekannten Tätern möglichst in Echtzeit zu erhalten.

Dass Wirecard etwas mit dem BND zu tun hatte, legt dieser Absatz nahe:

Neue Fragen wirft laut dem Report zudem der erwähnte Datensatz auf. Eine Zeugin, die einst im Wirecard-Vorstand sass, soll vor der Staatsanwaltschaft München angegeben haben, dass Marsalek von ihr «einen kompletten Jahresdatensatz der Wirecard-Geschäftspartner zur Weiterleitung an den BND angefordert und erhalten hat». Der BND schliesse jedoch nachprüfbar aus, einen solchen Satz erhalten zu haben. Damit bleibe offen, wer die Daten dann erhalten habe, hält Wieland fest.

Naja – vielleicht ein BND-Pensionär?

Auch die Berliner Zeitung schreibt etwas dazu. Und auch da geht es wieder um die Pensionäre:

Bernd Schmidbauer ist eine deutsche Geheimdienstlegende. Wie kaum ein zweiter kennt er die internationale Szene. Auch bei seinem Auftritt vor dem Wirecard Untersuchungsausschuss des Bundestags ließ Schmidbauer die Abgeordneten über seine Bedeutung nicht im Unklaren: „Ich treffe auch US-Präsidenten“, sagte der 82-Jährige auf die Frage, warum er immer von „wir“ spreche, obwohl er kein Amt mehr ausübt.

Offenbar geht man da nicht einfach so in Pension.

Schmidbauer war in seine Vernehmung mit einem Sympathie-Defizit gestartet: Der Geheimdienstmann soll an Operationen mitgewirkt haben, die auch einer Bespitzelung des Linken Fabio De Masi zur Folge gehabt haben könnten. Gemeinsam mit Beamten des österreichischen Geheimdienstes BVT beteiligte sich Schmidbauer unter anderem an einer digitalen Konversation, in der De Masi als „linker Kretin“ bezeichnet worden war. […]

In einem Punkt hörten die Abgeordneten dem Doyen der deutschen Dienste jedoch genau zu. Schmidbauer, der den früheren Wirecard-Manager Jan Marsalek einmal in dessen Wohnung in der Münchner Prinzregentenstraße getroffen hatte, sagte: „In wenigen Jahren werden wir feststellen, dass wir die Falschen gejagt haben.“ Der Grund: „Das liegt daran, dass man an die großen Kaliber nicht rankommt.“ Marsalek habe sich überschätzt – etwa, als er versucht habe, militärisch in den Libyen-Krieg einzusteigen: „Ich glaube, das war einer der Punkte, wo er zu sehr am Rad der Weltgeschichte drehen wollte.“ Die wirklichen Drahtzieher hinter Wirecard befänden sich im Ausland. Diese könnten vom Ausschuss daher nicht geladen werden, weshalb die Untersuchungen nur „kleinen Fische“, nicht jedoch die wahren Profiteure des Systems Wirecard ans Tageslicht gefördert würden. Mehrfach sagte Schmidbauer, dass es unter anderem um Geldwäsche gehe.

Was natürlich wieder die Frage aufwirft, ob da – wie bei der Crypto AG – BND und CIA die Finger drin hatten. Besonders die CIA ist ja sehr reinlich und dafür bekannt, sogar ihr Geld gern gründlich zu waschen.

Schmidbauer sagte, dass die Geschäfte von Wirecard für alle Geheimdienste interessant gewesen seien: „Jeder Dienst, der Einfluss hatte, war begierig, mit ihm zu reden. Alle hatten ihn auf dem Schirm.“ Die „Nachrichtendienste wollten die extravagante Arbeit einer solchen Firma nutzen“. Marsalek habe daher den Kontakt mit Diensten und politischen Entscheidungsträgern gesucht. Schmidbauer: „Man muss sich doch fragen , warum jemand wie der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy zu einem Treffen nach München kommt, um an einem Abendessen mit dem Vorstand eins Dax-Konzerns – Wirecard – über Libyen zu sprechen.“ An dem Abendessen nahmen unter anderen der frühere österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und der frühere bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber teil. Auf Nachfrage der SPD-Abgeordneten Cansel Kiziltepe, warum Marsalek Stoiber treffen wollte, sagte Schmidbauer, dass Stoiber „als ausgewiesener Experte für internationale Beziehungen im europäischen Raum“ für Marsalek sehr wertvoll gewesen sein könnte.

Und jetzt kommt eine wichtige Stelle:

Schmidbauer sagte, dass die Technologie von Wirecard Geheimdiensten die Möglichkeit geboten hätte, Geldflüsse weltweit nachzuvollziehen. Dies sei zur „Terrorabwehr und Terrorfahndung“ ausgesprochen hilfreich. Schmidbauer: „Wirecard hat auch den Missbrauch als Teil des Geschäftsmodells angeboten.“ Damit hätte der Dienstleister die Möglichkeit gewährt, problematische Zahlungen gleichzeitig abzuwickeln, sie zu verstecken und sie zu überwachen. Im Zusammenhang mit Libyen wäre es so möglich gewesen, Söldner zu bezahlen. Schmidbauer: „In Libyen waren Clearwater aus den USA, Wagner aus Russland, Söldner aus der Türkei – die alle mussten bezahlt werden.“

Schmidbauer erläuterte, dass die Nachverfolgung von Zahlungen außerdem die ideale Form der weltweiten Überwachung darstelle. Marsalek habe mit allen Geheimdienste gesprochen, „auch mit den Amerikanern und Briten“. Daher könne man heute nicht sagen, wohin sich Marsalek abgesetzt habe. Vor Schmidbauer hatte am Freitag der Geheimdienstkoordinator Klaus-Dieter Fritsche erklärt, dass er nicht glaube, dass Marsalek nach Russland geflohen sei. Fritsche hatte gesagt, „Gnade ihm Gott“, wenn sich Marsalek mit russischen Geheimdiensten eingelassen hatte. Schmidbauer sagte, er könne nicht einmal sagen, ob Marsalek überhaupt noch lebe. Der Geheimdienst-Mann, der seine große Zeit unter Helmut Kohl gehabt hatte, sagte zur Flucht Marsaleks: „Auch aus Minsk fliegen Flugzeuge nach Virginia und auf die Philippinen.“ Auf die Nachfrage des FDP-Abgeordneten Florian Toncar, wie er auf Virginia komme, sagte Schmidbauer: „Das war eine feinsinnige Anspielung auf den Standort der CIA.“

Das stinkt nach CIA, und ich habe doch schon frühzeitig gesagt, dass ich vermute, dass das eine ähnliche Aktion wie die Crypto AG war, mit ähnlichen Zielen, nur jetzt eben nicht Regierungskommunikation, sondern Zahlungsbewegungen. Es ist ja bekannt, dass die Amerikaner ganz scharf darauf sind, Geldbewegungen zu überwachen.

2013 kam ja schon raus, dass die CIA den weltweiten Zahlungsverkehr, etwa mit Western Union überwacht, und 2017 stank es danach, dass sich die NSA Zugang zum europäischen Swift-Zahlungsverkehr (Giro-System) verschafft hatte um Zahlungen von und nach Nahost auszuspionieren. Obwohl man eignetlich 2014 schon gesagt hatte, das Ausspitzeln in Westeuropa auszusetzen.

Höchstvermutlich geht die Zusammenarbeit zwischen CIA und BND (man kann sich überlegen, ob der BND eine Tochterfirma der CIA ist) weiter, denn 2020 hieß es

Nach Informationen von BR und “Spiegel” kann der BND offenbar auf mehr als eine Billion Internetverbindungen täglich zugreifen. Nächste Woche wird in Karlsruhe entschieden, ob die Überwachung rechtens ist.

Ich würde stark bezweifeln, dass in Deutschland Technik hergestellt und vorgehalten wird, die derartige Auswertungskapazitäten hat. Da würde ich auf CIA/NSA tippen oder wenigstens Five Eyes.

Ratet mal, was die mit naseweisen Kryptodoktoranden anstellen, die sich mit dem Verhindern staatlicher Kommunikationsüberwachung befassen.