Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Frau und Videokonferenz

Hadmut
7.4.2021 15:25

Ein Thema erregt die Gemüter.

Ich hatte doch geschrieben, dass man inzwischen meine, dass sogar Videokonferenzen frauenbenachteiligend seien. Was eigentlich nicht wirklich überrascht, weil ausnahmslos alles frauenbenachteiligend ist. Weil ja, wie die Gender Studies lehren, die Frau da als „benachteiligt konstruierte Geschlecht” sei. Es ist also ganz egal, worum es geht, es kann alles schön sachlich und in bester Ordnung sein, kaum wankt eine Frau herein, erzeugt sie um sich herum so ein mindestens dreidimensionales Benachteiligungsfeld. Das ist so ähnlich wie bei den Physiker-Erklärgraphiken mit den hyperbelförmigen Rotationstrichtern, mit denen die die Verzerrung des Raumes durch die Gravitation erklären. Oder wie diese Groschen-Spendentrichter, die in Museen und ähnlichen Örtlichkeiten herumstehen, bei denen man gerne kleine Münzen hineinrollen lässt, wie die so lustig immer stärker nach innen beschleunigt werden, wie ein Planet, der schließlich in seine Sonne stürzt. Oder ein schwarzes Loch.

So ähnlich stellen sich Gender Studies das Dasein der Frau vor.

Wie so ein schwarzes Loch großer Masse (jegliche rassistische Anspielung ist völlig unbeabsichtigt, rein zufällig und entsteht ausschließlich in der schmutzigen Phantasie der Leser), das um sich herum den Raum verzerrt und jegliche Benachteiligung in sich hineinzieht. Und dass Feminismus mit Physik zu tun hat, ist zumindest in diesem unseren Lande nicht von der Hand zu weisen.

Nun schreibt mir aber ein Leser derben Tones:

Hallo Herr Danisch,

das hat einen ganz einfachen Grund warum sich Frau hier durch Videokonferenzen benachteiligt fühlt :

Der gute alte “Titten & Südpolbonus” lässt sich nicht oder nur sehr schlecht per Onlinekonferenz übertragen. Frau wird in dem Fall halt nur noch per Stimme wahrgenommen (welche direkt vom Hirn gesteuert wird), was ja praktisch eine Reflektion des jeweiligen IQ Werts der Dame darstellt.

Plötzlich muss Frau irgendetwas intelligentes von sich geben in einen Meeting mit XYZ Personen, ohne sich komplett auf ihre weiblichen Reize zu verlassen (die in dem Fall ja nicht sichtbar sind :D).

Mir ist noch keine Sängerin oder eine aktive Grippevirologin (Influenca ;)) bekannt, die sich irgendwann über diesen Effekt beschwert hätte.

Warum ?

Von denen existieren immer (selbsterstellte) Vollkörperaufnahmen, welche alle öööhm Vorzüge problemlos immer ins richtige Licht rücken

Welch garstig Unhold mir da derbe Kunde schickt.

Wie ich also gerade so drüber nachdenke, dass er eigentlich Recht hat, spült mir die Twitter-Timeline die Kunde des armen, erbarmungswürdigen, gequälten Supermodels Irina Shayk in die Kenntnis, die arme geknechtete Frau. Sexistisch, in Unterwäsche knappster Art und unter Herausstellung primärer, sekundärer, tertiärer und ich möchte sogar sagen, ihrer quartären Geschlechtsmerkmale, noch dazu eindeutiger Natur, zur Schau gestellt und zum objektifizierten Sexobjekt erniedrigt, und das auch noch – sozialisiert und abgerichtet – per Selfie und selbstgepostet:

Die arme Frau. Hat nichts anzuziehen. Und alle können sie angucken.

In der Tat könnte ich mich jetzt nicht erinnern, derartiges jemals in einer Videokonferenz gesehen zu haben, an der ich real teilgenommen hätte.

Wie allerdings erwähnt, frönte ich früher mal der Aktphotographie, und seit die Damen, die von gewerblicher Zurschaustellung ihrer selbst leben, coronabedingte Umsatzeinbrüche zu beklagen haben, werde ich mit Anfragen weitgehender Art überschüttet – nicht nur zur persönlichen Ablichtung vor Ort, auch die neue, corona-sichere, aber fotografisch ziemlich wertlose Spielart wurde entwickelt, das „tethered shooting” anzubieten. Man ist in einer Videokonferenz mit dem Model, das irgenwo anders ist, eine Art Studioumgebung bereitstellt, und dann macht, was man sagt, und wenn man „jetzt” ruft (oder in besseren Fällen per Webbrowser steuert), dort eine Kamera auslöst.

Entsetzlich.

Und feministisch gesehen rätselhaft, warum nicht ich als alter weißer Sexist sowas von Frauen fordere, sondern die mir – auch völlig unbekannte – in rauhen Mengen anbieten, Model-Datenbank für Fotografen und so.

Könnte also was dran sein?

  • Was mir schon lange auffällt, und nur in wenigen Fällen positiv: Frauen markieren gar zu gerne ihre Präsenz und ihre Raumeinnahme durch Parfum. Und leider nicht immer so sparsam, wie man es beim Preis der Wässerchen erwarten dürfte. Ich kann mich an Fälle erinnern, in der eine zufällige Aufzugfahrt schon zum Überlebenskampf wurde, weil einem schier die Luft wegblieb. In nicht wenigen Fällen tränten mir die Augen, und gelegentlich kam mir schon das Kriegswaffenkontrollgesetz in den Sinn. Im Berliner öffentlichen Personennahverkehr kommen nicht selten auch die Duftnoten Viel-hilft-viel und Nuttendiesel zum Einsatz.

    Zwar regen sich Feministinnen gern darüber auf, dass Männer sich „breit” machten (obwohl objektiv betrachtet, Frauen nicht nur in der Breite, sondern auch in der Tiefe mehr Platz vereinnahmen), aber das olfaktorisch Raumgreifende übergehen sie.

    Und das fällt in der Videokonferenz glücklicherweise weg.

  • Ein anderer Punkt ist, dass man als Mann je nach Örtlichkeit schon schief angesehen oder gar nicht erst reingelassen wird, wenn man nicht Smoking, Geschäftsanzug oder wenigstens lange Hose trägt. Damen dagegen wird das kurze luftige Kleid gestattet, denn man zeigt Bein. Selbstverständlich auf hohen Hacken. Kein Foto irgendeines Filmstars käme aus ohne Bein zu zeigen, das gerne aus dem hochgeschlitzten Kleid herausgestellt wird.

    Fällt in der Videokonferenz auch weg.

  • Dann kommt das Dekollete dazu, das die Mächtigkeit seiner Wirkung aus der schieren Tiefe des Dreidimensionalen schöpft. Aber, ach, die Videokonferenzkamera ist nur zweidimensional veranlagt und die Ausleuchtung in aller Regel so flach wie das Bild, das sie liefert.
  • Dann gehören natürlich Schminke, aufdonnern, Kleidung, Frisur, das gesammte Aufbrezel-Repertoire mit dazu. Das klappt auch nicht so richtig, denn wer brezelt sich schon auf, wenn man den ganzen Tag in der Jogging-Hose zuhause rumsitzt und dann eine Stunde Videokonferenz in Auflösung 512×288 oder schlechter macht, abzüglich der Kompressionsartefakte. Würde ja auch nicht, und wenn, dann albern wirken.
  • Und dann gibt es Verhaltensweisen, wie bestimmte Intonationsweisen, oder beim Reinkommen erst mal lautstark und emotional alle zu begrüßen, Grimassen zu ziehen oder Leute zu unterbrechen, ihnen ins Wort zu fallen. Nonverbale Kommunikation durch Gestik und Mimik. Gelangweilt gucken. Ich hatte in meinen Schulungen mal eine im Publikum, die sich aufspielen wollte, indem sie mir ständig ins Wort viele und (irrtümlich) meinte, alles besser zu wissen.

    Das klappt halt alles nicht in der Videokonferenz, wenn man die Gesichter der anderen Zuhörer erst gar nicht sieht, oder das Reinkommen darauf beschränkt ist, vor seiner Laptop-Kamera aufzutauchen oder auch nicht.

Und so fällt das ganze typisch-weibliche Wirkungsrepertoire auf einmal weg und es zählt nur noch, was man sagt, was man präsentiert.

Beachtlich daran ist, dass die Videokonferenz aus dem Homeoffice Frauen letztlich genau das brachte, was Feministinnen immer forderten: Entsexualisierung.

Niemand fingert sie mehr an. Geht ja nicht.

Niemand guckt ihnen mehr in den Ausschnitt oder auf den Hintern. Geht ja auch nicht.

Keiner macht anzügliche Witze, würden ja alle hören und könnte aufgenommen werden.

Sich sexualisiert zu präsentieren Bein und Ausschnitt geht auch nicht mehr.

Auch ansonsten fallen die ganzen Stilmittel wie Schminke, kurzer Rock und so weiter alles weg.

Im Prinzip sind Videokonferenzen genau das, was man immer forderte: Eine praktisch völlig vom Geschlecht, von der Geschlechterrolle losgelöste Form der Kommunikation und Zusammenarbeit. Der garantiert von sexueller Belästigung freie Arbeitsplatz.

Das, was man immer haben wollte.

Aber anstatt zu jubeln, dass Videokonferenzen den feministischen Traum umsetzen, beschweren wie sich wieder.

Bedenke, worum Du bittest. Es könnte Dir gewährt werden.