Ansichten eines Informatikers

Youtuber statt öffentlich-rechtlichem Rundfunk

Hadmut
6.4.2021 15:25

Noch eine Anmerkung dazu, wie ich mir die Zukunft des Rundfunks vorstelle.

Nun sitze ich also seit 13 Monaten im Home-Office und hatte dabei – ich habe ja erwähnt, dass ich das wegen meines Tinnitus manchmal bevorzuge, wenn da etwas Handlung ist und es nicht den ganzen Tag lang so mucksmäuschenstill ist, und ich deshalb ganz gerne mal nebenbei den Fernseher laufen habe, selbst wenn ich nicht programmfolgend zuschaue, und habe deshalb in den vergangenen 13 Monaten eine Überdosis Öffnetlich-Rechtlichen Rundfunks abbekommen, was auch daran liegt, dass ich nicht einsehe, für ein werbebasiertes Privatfernsehen nochmal extra zu zahlen. Ich bin hier in Sichtweite des Fernsehturms am Alexanderplatz und habe deshalb auch in den Zimmern guten DVB-T-Empfang. Seit sie aber auf DVB-T2 umgestellt haben, kostet der Empfang der Privaten extra. Die Alternative wäre DVB-C, aber das würde auch wieder kosten. Was mich dann besonders stört, ist, wenn man für jeden Fernseher einzeln zahlen muss. Wenn ich also allein in der Wohnung bin und trotzdem mehrfach zahlen müsste. Pro Sieben und Sat 1 könnte ich auch über „Apps” im Fernseher streamen, habe aber nur äußerst selten einen Anlass dazu gesehen. RTL bekomme ich gar nicht mehr, insofern: Praktisch kein Privatfernsehen.

Es ist nicht zum Aushalten.

Bares für Rares bis zum Erbrechen, und Kochshows für nach demselben. Ansonsten endlos Schmalz- und Pseudokrimi-Serien nach dem immer selben Strickmuster.

Was mir dabei auffällt:

Vor einigen Jahren habe ich bei diesen Vorabend-Krimis einen drastischen Qualitätsschub bemerkt, die sind schlagartig viel besser geworden – aber nur was die Bildqualität und Kameraführung angeht. Früher hatte man so diesen einfallslosen, völlig statischen Derrick-Look, bei dem man hätte wetten können, dass die Kamera von einem echten Beamten geführt wurde. Irgendwann mal gab es einen Schub und die haben angefangen, richtig gute Kameraszenen zu machen, zumindest ab und zu. Da wurde richtig Wert auf Qualität gelegt.

Nur: Die Stories und das Schauspielerische sind oft zu davonlaufen. Man merkt zwar, dass sie auch da versuchen, noch irgendwas in die Drehbücher reinzukriegen, was man nicht schon 370 Mal gesehen hat („Wo waren sie zur Tatzeit? Sie haben keine Zeugen? Sieht nicht gut für Sie aus.”), aber das alles überragende Serienprinzip, den immer selben Teebeutel jede Woche aufs Neue aufzubrühen, lässt alles fad werden.

Das kommt nicht von ungefähr, dass aus den USA ein Trend kommt, Miniserien zu machen, mit nur drei bis zehn Folgen. Selbst große Kinostars sagen, dass ihnen das eigentlich besser gefällt als ein Kinofilm, weil man dadurch auf eine Filmdauer von ein paar Stunden kommt, und das die Möglichkeit eröffnet, eine Story auch zu entwickeln und zu erzählen, anstatt in 90 Minuten per Krach-Bumm zum Ziel zu galoppieren. Gerade bei den Harry-Potter-Kinofilmen ist mir das schon aufgefallen, dass die im Eiltempo durch die Story hetzen, und versuchen, jedes Detail kurz zu bringen, das die Buchleser unbedingt haben wollen. Es hätte vielleicht weniger Umsatz und Gewinn gebracht, aber mehr Qualität, jeden einzelnen Kinofilm stattdessen nach diesem Serienschema im Miniformat zu machen, Season x, Episode y, und in jeweils drei, vier Teile zu teilen.

Man merkt, dass sich der Schwerpunkt wieder etwas zum Erzählen hin bewegt. Eigentlich war man da in den 50er und 60er Jahren schon mal. In den 70ern fing das dann mit Krach-Bumm und Bildwirkung an. Auch technisch bedingt, weil man es dann eben konnte. Das hat sich aber abgenutzt.

Ich muss deshalb sagen, dass mir vieles auf Youtube, selbst wenn nur von Amateuren im Amateurstil gemacht, aber dafür in einer Vielzahl von Ideen und direkt am Leben, besser gefällt als öffentlich-rechtliches Fernsehen. Beim Fernsehen kann ich jederzeit bedauernsfrei abschalten, und auch fast immer ohne das Gefühl, irgendwas zu verpassen, kommt ja jeden Tag gleiches Programm. Bei Youtube muss ich mich aber manchmal richtig losreißen, wenn es dann nachts um 2 ist.

Und das dann gar nicht mal, weil das Youtube-Zeug so gut wäre. Sondern weil es ordentlich durchmischt ist und jeder irgendwas anders oder neu macht. Man hat nicht diesen Wiederholungseffekt, dass dieselbe Masche immer wieder wiederholt wird.