Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der letzte aktive echte Original-Nazi

Hadmut
28.2.2021 3:09

Ratet mal, wo noch ein echtes NSDAP-Mitglied, also so ein echter und kein nachgemachter Nazi, immer noch aktiv ist.

Ich hatte doch schon einige Male angesprochen, dass die SED nach dem zweiten Weltkrieg systematisch Nazis/NSDAP-Mitglieder einsammelte und sich aus denen aufbaute. Man brauchte damals befehlsgewohnte, ordentliche Sozialisten und da holte man sie sich.

Man schrieb mir nun auf Twitter, dass auf Wikipedia Beachtliches zu finden sei. Dort nämlich heiße es über einen gewissen Hermann Klenner, geboren 1926:

Aufgewachsen ist Klenner im schlesischen Adelsbach und Breslau, wo er 1944 das Abitur ablegte. Seit 1936 war er Mitglied der Hitlerjugend (HJ) und trat am 20. April 1944 der NSDAP bei.

Wie süß. Entritt zum 20.4. zu Hitlers Geburtstag, mit 18. Und nach dem Krieg:

Er trat zunächst der SPD bei und wurde nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD 1946 Mitglied der SED.

Übergangslos von der NSDAP in die SPD. Wo die Nazis doch eigentlich die Kommunisten abwehren wollten. Und da machte er Karriere:

Von 1953 bis 1954 war er als Dozent und stellvertretender Direktor des Instituts für Theorie des Staates und des Rechts tätig, wo er 1956 den Ruf zum Professor mit Lehrauftrag erhielt und zugleich Prodekan der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität wurde.

Als SED-Mitglied in leitender Funktion verfasste Klenner einen schriftlichen Beitrag zum 40. Jahrestag der Oktoberrevolution, die aufgrund teils historisch-kritischer Betrachtungen das Missfallen der politischen Führung erregte.

Ja, denn die Nazis waren ja eigentlich die Gegner der Revolution. Aber eben Humboldt-Universität.

Wurde dann wohl umgebügelt, sehr schön auch die Verstrickungen:

Von 1969 bis 1991 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Philosophie der AdW. Er wurde zu einem international bekannten Verfechter marxistisch-leninistischer Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie und Rechtsauffassung. Von 1970 bis Ende 1989 arbeitete Klenner als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) „Klee“ für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), in dessen Auftrag er unter anderem den damaligen BRD-Innenminister Werner Maihofer ausforschte und ein Gutachten für den Prozess gegen den Dissidenten Rudolf Bahro lieferte. Klenner verfasste Bücher und Aufsätze und wurde später mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet, zudem erhielt er die Hegel-Medaille und die Pufendorf-Medaille. Im Jahr 1978 wurde er Korrespondierendes und 1987 Ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR, 1984 bis 1986 vertrat er die DDR als Leiter der DDR-Delegation bei der UNO-Menschenrechtskonferenz in Genf. Der Vertreter Israels verlas daraufhin Klenners NSDAP-Mitgliedsnummer und bemerkte, Klenner sei wohl besonders zu Stellungnahmen in jüdischen Angelegenheiten berufen. Die New York Post kommentierte: „Die Ostdeutschen haben es zu ihrer regulären Praxis gemacht, anderen vorzuwerfen, ehemalige Nazis unterzubringen. Dass sie selbst in den UN von einem Ex-Nazi repräsentiert werden, sei ein interessanter Kommentar über kommunistischen Zynismus.“

Ja, hübsch. Für die DDR-Delegation bei der UNO-Menschenrechtskonferenz. Bisschen Holocaust, bisschen Selbstschussautomat. Und:

1991 wurde er emeritiert. Vom September 1990 bis 1993 war er Honorarprofessor an der Juristischen Fakultät des Humboldt-Universität zu Berlin.

Vermutlich der letzte Nazi, der in Deutschland als Professor tätig war. An der Humboldt-Universität von SEDs Gnaden.

Ich konnte das erst nicht ganz nachvollziehen, weil ich wegen Stauf auf dem Monitor den Namen als Hermann Kienner gelesen hatte, mit i statt l, und tatsächlich auf einen Hermann Kienner mit i gestoßen war, nämlich in den Gratulationen des Neuen Deutschlands zum 70. und 75. Geburtstag. Weil aber Geburtsdatum und Lebenslauf gleich sind und im 70er in der obersten Anreißer-Überschrift Klenner mit L geschrieben ist, haben sie vermutlich selbst den Namen verwechselt, und ich dachte zuerst, ich hätte den mit i richtig gelesen, weil ich diese Seiten gefunden hatte, die zur Beschreibung passen. Ich gehe deshalb davon aus, auch weil sie ihn einmal mit L statt i schreiben, dass es sich trotz des Schreibfehlers um dieselbe Person handelt.

Viel von Marx, nichts von NSDAP. Dafür eine Erklärung, was die SED seit 1990 mit uns da eigentlich treibt:

Kienner hat aus der Analyse des Scheiterns der DDR und ihres Rechtssystems eine Grunderkenntnis für jeden Sozialisten in die BRD mit eingebracht: Es gibt keine Vergesellschaftung der Produktionsmittel ohne eine Vergesellschaftung des Staates, keine sozialen Menschenrechte ohne politische, keine realen Rechte ohne formale!

Und gnau das ist, was wir seit 1990 hier so erleben.

Das ging dann dort offenbar nahtlos in die Gender Studies über.

Aus der 75er Gratulation:

In der DDR, wo die SED-Führung die Herrschaftskontrollfunktion des Rechts negierte, brachte Kienner die Auffassung vom Recht als Maß der Politik 1958 den Revisionismusvorwurf ein. Zehn Jahre später, zur Zeit des Prager Frühlings, denunzierte ihn der Generalstaatsanwalt als Konvergenztheoretiker, Antimarxisten und demokratischen Sozialisten, der keine Gewähr mehr dafür biete, als Hochschullehrer klassenbewusste Staatsanwälte und Richter zu erziehen. Natürlich erbrachte Kienner daraufhin, um seine intellektuelle Produktion fortzusetzen und den Realsozialismus zum wirklichen Sozialismus gesellschaftlicher Demokratie werden zu lassen, auch Anpassungsleistungen. Doch darüber möge sich, einen Satz des Jubilars aus seiner Humboldt Edition (1994) aufgreifend, nur der mokieren, der die Wirkungsbedingungen seiner Gedanken zu diktieren vermag.

Hermann Kienner jedenfalls, der Marx nicht ohne Kant, Hegel, Spinoza und Hobbes zu denken vermochte und dem wir ak ribische Editionen der Texte jener rechtsphilosophischen Großdenker verdanken, steht beharrlich für das, was nach der Implosion des Staatssozialismus vom sozialistischen Rechtsdenken bewahrens- und entwicklungswert geblieben ist.

Das scheint lange her.

Aber noch heute sitzt ein Hermann Klenner im Ältestenrat der LINKEN.

Wenn die Angaben in der Wikipedia stimmen und es sich wirklich bei allen Texten (trotz des Schreibfehlers) um dieselbe Person handelt, dann ist er wohl in der Tat einer der letzten und womöglich wirklich der letzte noch immer politisch aktive Original-NSDAP-Hitler-Nazi.

Und mit der Professur an der Humboldt-Universität und seinen Schriften dürften wesentliche Teile der Politik deren rechtswissenschaftler Fakultät, der Gender Studies, des Geschehens seit 1990 und sogar in mancher Hinsicht der Politik der Landes- und Bundesrepublik Dank der SED/Linken sehr nachhaltig vom letzten (oder einem der letzten) aktiven Original-Nazi bestimmt sein.

Bei allen Nicht-Linken schreien sie dann: „Nazis raus!”

Es sind übrigens nicht die Maßstäbe, die mich so besonders ankotzen. Es sind die doppelten Maßstäbe.