Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Korrelation und Kausalität

Hadmut
23.2.2021 15:56

Wieder mal eine Übung in wissenschaftlichem Denken und der Unterscheidung zwischen Korrelation und Kausalität.

Science Files schreibt: Bundesregierung: Psychologische Störung bei weiblichen Studenten der Geisteswissenschaften in Bremen besonders häufig

Wieder mal ein Fall, in dem das, was ich weiß und schreibe, mit fast 10 Jahren Verzögerung auch bei der Bundesregierung einsickert.

Es gibt Forschungsergebnisse, die man hätte vorhersehen können. Die Bundesregierung berichtet gerade Forschungsergebnisse zu psychologischen Störungen unter Studenten als Antwort auf eine Anfrage der besorgten Fraktion der FDP im Bundestag.

Demnach ist die Anzahl der Studenten, die angeben, “eine psychologische Beeinträchtigung” zu haben, wie die Bundesregierung schreibt, seit 2012 stetig gewachsen, von 3% 2012 auf nunmehr 10% 2020.

Das hätten wir auch so vermutet – ganz ohne Daten, einfach nur durch die Beobachtung dessen, was an Hochschulen vorgeht.

Ja. Man könnte auch einfach mein Blog lesen.

Denn seit 2012 der Dachschaden der Geisteswissenschaftler, insbesondere in Bremen und der weiblichen, ja Dauerthema hier.

In den Sozialerhebungen des Deutschen Studentenwerks, aus denen die Bundesregierung die Daten für ihre Antwort extrahiert hat, wird übrigens nicht nach “psychologischen Beeinträchtigungen”, sondern nach PSYCHISCHEN ERKRANKUNGEN gefragt. Das war der Bundesregierung offensichtlich nicht politisch-korrekt genug, weshalb daraus der Euphemismus “psychologischer Beeinträchtigung” gezimmert wurden.

Sag ich doch: Dachschaden.

In der 21. Sozialerhebung liest sich das Ganze dann wie folgt:

“Der Anstieg des Anteils Studierender mit (sehr) starker Studienerschwernis steht unter anderem mit einem deutlichen Zuwachs an Studierenden mit psychischen Erkrankungen (s. unten) in Zusammenhang, die überdurchschnittlich häufig angeben, (sehr) stark im Studium beeinträchtigt zu sein (63 %) (Seite 36).“

50% der weiblichen Studenten, die im Besitz einer “Studienerschwernis” sind, sind psychisch krank, 41% der männlichen Studenten. Insgesamt sind 11% der Studenten, das sind rund 264.000 Studenten, mit einer “Studienerschwernis” ausgestattet, die sich bei günstiger Gelegenheit zur Studienerleichterung ins Feld führen lässt.

Damit liegt eine Korrelation zwischen Dachschaden und Frauen in Bremer Geisteswissenschaften vor.

Eine wunderbare Übung in wissenschaftlichem Denken, um sich zu überlegen, welche Kausalitäten dem zugrundeliegen könnten und die man experimentell-wissenschaftlich untersuchen könnte:

  • Ziehen Geisteswissenschaftlichen besonders die Bekloppten an?
  • Oder werden alle die, die noch alle Latten am Zaun und alle Tassen im Schrank haben, überproportional stark und früh aus dem Studium verdrängt?
  • Oder ist es umgekehrt so, dass Geisteswissenschaften von Bekloppten gemacht werden?
  • Oder liegt es eher daran, dass die MINT-Fächer die Bekloppten diskriminieren?
  • Oder hat es vielleicht überhaupt nichts mit dem Fach zu tun? Würde man denselben Anstieg beobachten, wenn man in den MINT-Fächern fragen würde? Haben wir einen generellen Anstieg der Dachschäden unter Studenten durch die Akademisierung und den Anstieg der Studentenquoten? Hatte man früher genauso viele Dachgeschädigte, aber halt außerhalb der Uni? Oder wissenschaftlich gesprochen: Wo ist eigentlich die Vergleichsgruppe?
  • Oder hat es gar nichts mit Universitäten zu tun, sind die Leute – oder die Altersgruppe der Studenten – universitätsunabhängig generell stärker von Dachschäden betroffen?
  • Besteht nicht auch eine auffällige Korrelation mit dem Aufkommen des Begriffs „Studierender” und Gender-Sprache? Müsste man nicht nach dem soziologischen Prinzip, dass man sich zu jeder Korrelation eine Kausalität beliebig ausdenken kann, folgern, dass Gendersprache psychisch krank macht?
  • Oder liegt es an der Selbsteinschätzung? Verschieben sich durch das Studium einfach die Maßstäbe? Könnte es sein, dass die im Prinzip eigentlich noch richtig takten, aber man sich spätestens nach zwei Semestern Geisteswissenschaft fühlt, als hätte man einen Dachschaden, weil sich das Hirn einen plausiblen Grund dafür sucht, warum man in der Klapse sitzt?
  • Oder ist da vielleicht gar nichts, das nur wieder mal irgendeine Fake-Promotion, für die man sich wieder mal einfach irgendeinen Statistik-Scheiß ausgedacht hat? Korrelieren nicht die Dachschäden, sondern die Schwachsinnsumfragen mit den Unis?

Nun übt Euch schön in wissenschaftlichem Denken.