Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Der Force Motors Gurkha

Hadmut
23.2.2021 0:34

Ein überaus bemerkenswertes Auto.

Bevor jemand glaubt, ich würde hier Autowerbung machen: Erstens ist dieser Artikel sarkastisch (das muss man heute dazusagen), zweitens wird das Auto hier gar nicht verkauft, und drittens könnte man es ohnehin nicht zulassen. Viertens würde man von den Grünen öffentlich hingerichtet.

Zur Einstimmung: Bedenkt bitte, wie man hier gegen den Diesel vorgeht. Er muss dann schon mindestens der Euro-Norm … verdammt, wo sind wir gerade, Euro-Norm 6 oder sowas? Jedenfalls muss die Luft, die hinten rauskommt, sauberer als die vorne angesaugte Luft sein. Das ist nicht einmal ein Witz, moderne Autos schaffen das wirklich.

Und natürlich sparsam. Der nach dem Stand der Technik minimalst mögliche Verbrauch.

Und auf keine Fall ein SUV. Das ist total Macho und weißer Mann und so, das geht gar nicht.

Apropos Weißer Mann: Das ist auch zu beachten, an der Umweltverschmutzung ist nur der Weiße Mann schuld. Sonst niemand.

Kommen wir mal zum Punkt:

Kennt Ihr den unbedeutenden Kleinstaat Indien?

Nicht ganz einfach auf der Landkarte zu finden, so klein, dass man ihn leicht übersieht und kaum findet.

1,38 Milliarden Einwohner, deshalb nur ganz knapp auf Platz zwei der größten Länder hinter China mit 1,4 Milliarden. Damit lebt mehr als jeder 6. Mensch weltweit in Indien.

Oder anders gesagt: Mehr als 17 Mal so viele Menschen wie in Deutschland.

Aber: Klimamäßig zählen die nicht, denn die sind nicht weiß, und können deshalb auch nicht an der Klimaerwärmung schuld sein, weil das (siehe oben) nur Weiße können. Und unter denen auch nur die Männer.

Ich habe die Tage mehrere Berichte über den neuesten Schrei auf dem indischen Automarkt gesehen.

Die hatten früher schon mal (so Tata oder sowas) so komische Ultraleicht- und Billigautos, mit Rädern wie ein Tretroller und strukturell einem Einkaufswagen von Aldi weit unterlegen, aber dafür mit Windschutzscheibe und Beleuchtung, wie so ein rundgelutschter Trabi. Vermutlich mit demselben Geschmack.

Das ist nun vorbei, die kommen da jetzt mit Fahrzeugen wie dem Force Motors Gurkha auf den Markt, verschiedene Blätter wie die Autobild berichteten.

Der sieht gar nicht mal schlecht aus, kommt wie ein nicht ganz 1:1-Plagiat der Mercedes-G-Klasse daher (kommt aber wohl nicht von ungefähr, denn wenn man deren Webseite anschaut, dann plagiieren sie sogar den Mercedes Sprinter und früher sogar den alten Hanomag aus den 1960er Jahren), wird mit dem Lada Niva verglichen (der ja ein einfaches, aber kein schlechtes Auto war und mich damals in der tschechischen Kinderserie „Die Besucher” über Zeitreisende aus der Zukunft von 1981-83, in der die Menschheit von einem Zentralcomputer regiert wird, die sich als Geometer tarnen und mit so einem Lada Niva rumfahren, der – back to the future 1985 – die Zeitmaschine ist. Kam nicht ganz an den DeLorean ran.) Ich möchte nicht versäumen zu erwähnen, dass 1985 das Jahr war, in dem mein Grundwehrdienst anfing und ich dort alsbald mit einem Geländewagen VW Iltis schnöde durch den Wald bretterte, der allerdings ebenfalls nicht mit dem DeLorean, im Spritverbrauch aber mit manchem LKW mithalten konnte. Hörte ja auch auf den kauzigen Namen „LKW 0,5 Tonnen”. So ein Mikro-LKW.

Nun macht jener Gurkha trotz seiner als schlicht beschriebenen Konstruktion – er ist für den Einsatz in Indien gedacht, um dort auf den katastrophal schlechten Straßen zu fahren und dennoch möglichst einfach zu reparieren zu sein, eine Tugend, die man auch in Afrika und Australien zu schätzen wusste, als die Japaner die noch boten – keine schlechte Figur, ich finde, das Auto sieht äußerlich gar nicht schlecht aus.

Sie haben sogar eine eigene Webseite für das Fahrzeug, und geben zu:

Styled on the lines of the legendary Mercedes G-Wagen, the Gurkha has a timeless appeal.

Der macht ziemlich was her. Ich finde allerdings verdächtig, dass sie den Innenraum nicht zeigen.

Denn, und das ist der Brüller: Der kostet ab 11.000 Euro.

Geil, möchte man sagen, der findet sicher seine Abnehmer, nicht nur in Indien.

Aber ach:

Wirklich schnell ist der Gurkha allerdings nicht. Alleine das Leergewicht der kurzen Version beträgt über 2,5 Tonnen. Sie ist mit einem 2,2-Liter-Turbodiesel mit 142 PS und 320 Nm Drehmoment lieferbar. Für den knapp 2,8 Tonnen schweren Fünftürer ist sogar nur ein 2,6-Liter-Saugdiesel (!) mit 86 PS und 230 Nm Drehmoment zu haben. (Ratgeber: Soll ich noch einen Diesel kaufen?) Doch es geht noch krasser: In den frühen Versionen von 2013 arbeitete noch der OM-616-Diesel des Mercedes /8 aus den frühen 1970ern!

Sie sagen nicht so genau, was da jetzt drin ist, aber in der vorherigen Version hatten sie noch den Mercedes-Diesel-Motor aus den 1970er Jahren.

An den kann ich mich erinnern. Wir hatten damals einige davon.

Da musste man im Armaturenbrett noch einen Knopf zum Vorglühen ziehen, bis im Armaturenbrett ein Glühkerze leuchtete, um dann das Ding anzulassen wie ein Kriegsschiff. Hinten kam eine riesige schwarze ölige Wolke aus dem Auspuff. Man fand das damals normal und richtig, weil rauchende Schornsteine für brummende Fabriken und Arbeit standen.

Scheint, als hätten sie mehr mit Mercedes zu tun, wenn sie die nicht nur abkupfern, sondern sogar deren Motoren übernehmen können. Anscheinend bauen die alles in Lizenz von Mercedes, denn auch die älteren Sprinter findet man da als Nachbau.

Muss man sich mal klarmachen:

Hier schimpfen sie wie bekloppt auf Weiße, auf SUVs und auf Diesel sowieso, die ihnen selbst nach neuester EU-Norm nicht sauber genug sind, und weil sie fossile Brennstoffe verbrennen, und im Milliardenstaat Indien bauen die Autos mit Motoren aus den 1970er Jahren.

Und niemand regt sich auf, weil sie nicht weiß sind.

Warum eigentlich turnt Greta bei uns hier und nicht in Indien herum?

Obwohl: Da könnte sie sich auch nicht blicken lassen, denn die verbrennen dort (kaum CO2-neutral) ihr Bild zusammen mit dem von Rihanna, weil beide irgendwie blöd dahertwitterten. Die sind dort nicht gut auf Einmischung zu sprechen. Richtig verstanden habe ich es nicht. Die Bauern haben gegen irgendwas protestiert, und die Aufmerksamkeitshuren Greta und Rihanna nehmen alles mit, was sie kriegen können und womit sie sich solidarisieren können und solidiarisierten sich halt. Billig, mit einem Tweet. Für mehr reichte die Solidarität nicht, aber das reichte für Groll, wie der SPIEGEL schreibt:

Vergangene Woche drückten dann mehrere Prominente ihre Solidarität mit den demonstrierenden Bäuerinnen und Bauern auf Twitter aus, darunter die Popsängerin Rihanna und die Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg, die schrieb: »Ich unterstütze ihren friedlichen Protest.«

Manche Inderinnen und Inder begrüßten die Solidarität aus dem Ausland. Andere Kommentatoren warfen Thunberg einen romantisierenden Blick auf die Bauern vor – und mangelnden Sachverstand. Tatsächlich verkörpert die Landwirtschaft in ihrem jetzigen Zustand so ziemlich das Gegenteil dessen, was Thunberg sonst fordert.

Staatliche Mindestpreise haben dazu geführt, dass Bauern in Indien häufig Reissorten anbauen, die besonders viel Wasser verbrauchen. Der Grundwasserspiegel ist in vielen Teilen des Landes dramatisch gesunken. Viele Landwirte brennen zudem ihre Felder nach der Reisernte ab, um die Aussaat für die kommende Saison vorzubereiten. Die Brände sind einer der Gründe für die schlimme Luftverschmutzung, die Delhi jeden Winter einhüllt.

Sind halt beide, Greta und Rihanna, doof wie stroh, aber aufmerksamkeitsgeil, und solidarisieren sich mit allem, was nicht bei drei auf dem Baum ist.

Das wäre die perfekte Grundlage für Greta, um mal persönlich nach Indien zu segeln und denen dort zu erklären, dass sie ab sofort gar keine Diesel mehr fahren und höchstens noch Segelboote und Solarfahrzeuge verwenden dürfen.

Sie könnte es dort auch mal mit ihrem „I want you to panic!” versuchen.

Ich nehme an, die Publikumsreaktionen dürften etwas anderes als bei uns ausfallen.