Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Du sollst nicht lügen!

Hadmut
7.2.2021 16:44

Ein hochinteressanter Hinweis, der den Zusammenhang zwische Lüge, Amygdala und Feminismus beleuchtet.

Und vielleicht den Soziologen-Schwachsinn Poststrukturalismus und nebenbei die zehn Gebote erklären könnte. [Nachtrag 2]

Ich habe doch viel dazu geschrieben, dass ich Moral und Gerechtigkeitsgefühl nur für die Bewusstseinsillusion halte, mit der man die Signale anderer Hirnbereiche interpretiert, deren Einfluss man als Ergebnis, aber nicht als Quelle mit Herkunft erkennen kann. Dass also ein schlechtes Gewissen oder Stolz und Freude über gutes Verhalten eigentlich nur Rückmeldungen anderer Gehirnteile sind, die teils sogar chemisch über das Belohungszentrum und Botenstoffe wie Dopamin ausgelöst werden. Verhaltens wir uns so, dass der für Sozialverhalten zuständige Teil des Gehirns damit zufrieden ist und Belohnungsstoffe ausschüttet, badet das Gehirn förmlich in (Selbst-)Zufriedenheit, ohne zu wissen, woher es kommt. Man schwimmt halt so drin rum.

Deshalb hatte ich ja auch schon die Vermutung, dass Drogen diese Belohnungskette chemisch auslösen, man beispielsweise nach dem Rauchen ein soziales Wohlverhalten empfindet, wo keines war, und sich deshalb Drogenabhängige für sozial halten, obwohl sie durch die Falschsignale ihr echtes Sozialverhalten immer mehr verlieren. Irgendwo gab es mal ein Experiment mit Mäusen oder Ratten, die vor dem vollen Futternapf verhungert sind, weil man ihnen die Wahl zwischen der Ausschüttung und dem Futter gelassen hatte (oder ich glaube, sogar beides zusammen angeboten hatte), und sie sich nur noch für die Zufriedenheitsausschüttung interessierten.

Ich hatte auch beschrieben, dass ich Links- und Rechtsextreme für Leute mit krankhaft übersteigertem Rudelverhalten mit überdrehter Freund-Feind-Erkennung halte, beides für dieselbe Krankheit, nur unterschiedliche Strategien, damit umzugehen. Die einen regen sich über Türken und Araber, Verdrängung und arabische Sitten auf, die anderen über Bayern, Schwaben, Gentrifizierung und Weckle und Semmeln, ist aber genau dasselbe: Das Empfinden einer Störung des Rudels. Heißt in Berlin gerne Kiez. Mit der Folge des aggressiven Abwehrverhaltens.

Das Lügen und die Geisteswissenschaften

Ein Leser hat mir nun hochinteressante Hinweise geschickt.

Hallo Hadmut,

eben habe ich “Wer weiß denn sowas?” angeguckt. Bei einer Frage zum Thema Lügen war die Antwort, dass es umso leichter fällt, je öfter man es macht.

Dazu habe ich dann ein paar Seiten gefunden, die über die Forschung des University College London berichten, dass es mit der Amygdala zu tun habe.

https://www.weser-kurier.de/startseite_artikel,-Was-Luegen-immer-dreister-macht-_arid,1486802.html

https://www.n-tv.de/wissen/Darum-werden-Luegen-mit-der-Zeit-dreister-article18921576.html?service=mobile_responsive&coherent=true

https://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article208489473/Die-Eskalation-der-Luege.html

https://www.dw.com/de/unehrlichkeit-ver%C3%A4ndert-das-gehirn/a-36162795

https://fehradvice.com/blog/2016/12/27/wie-unehrliches-verhalten-entsteht-wer-einmal-luegt-der-luegt-beim-naechsten-mal-schon-viel-leichter/

https://www.klaus-grawe-institut.ch/blog/ehrlichkeit-waehrt-am-laengsten/

Viel Spaß beim Lesen und vielleicht passt es ja zu Deinen Gedanken.

Gleich mal aus dem Weser-Kurier:

Eigennützige Lügen lassen das Gehirn allmählich abstumpfen – mit der Folge, dass mit der Zeit immer dreister gelogen wird. Wie eine Gruppe von Psychologen um Neil Garrett vom University College London im Fachjournal „Nature Neuroscience“ erklärt, reagierte bei Studienteilnehmern, die mithilfe von Unwahrheiten Profite erzielen konnten, anfangs noch ein mahnendes Hirnareal. […]

In diesem Fall wurden die eigennützigen Lügen der Teilnehmer mit jedem Durchgang dreister. Die Erklärung dafür vermuteten die Forscher in der Amygdala, einer Hirnregion, die für die Verarbeitung von Emotionen wie Angst zuständig ist. Um die Aktivität verschiedener Hirnareale zu erfassen, ließ die Gruppe um Garrett manche der Probanden den Versuch im Magnetresonanztomographen (MRT) machen. Bei eigennützigen Lügen ging die Aktivität der Amygdala mit der Zeit zurück. Je stärker sie in den folgenden Versuchsdurchgängen nachließ, desto dreister wurden die Lügen. Die verringerte Aktivität der Amygdala spiegele eine geringere emotionale Reaktion wider, erläutern die Forscher. Dass die Amygdala eine zentrale Rolle spielt, schließen die Wissenschaftler auch daraus, dass die Reaktion des Nucleus accumbens, des Belohnungszentrums, unverändert blieb.

„Wenn wir zu unserem persönlichen Nutzen lügen, sorgt unsere Amygdala für ein negatives Gefühl, das das Ausmaß begrenzt, in dem wir zu lügen bereit sind“, erklärt die Wissenschaftlerin Tali Sharot. „Bei fortgesetztem Lügen schwindet diese Reaktion, und je stärker sie abnimmt, desto größer werden unsere Lügen.“ Zu einer solchen Eskalation komme es vermutlich nicht nur bei Lügen, sondern auch in anderen Zusammenhängen. Die Autoren der Studie nennen als Beispiele das Risikoverhalten und die Gewaltbereitschaft.

Oder NTV:

Um die Aktivität verschiedener Hirnareale zu erfassen, ließen die Forscher einen Teil der Probanden den Versuch im Magnetresonanztomographen (MRT) machen. Bei eigennützigen Lügen sank die Reaktion der Amygdala mit der Zeit. Und: Je stärker die Aktivität des Areals nachließ, desto dreister wurden die Lügen in den folgenden Versuchsdurchgängen.
Geringere emotionale Reaktion

Die sinkende Aktivität der Amygdala spiegele eine geringere emotionale Reaktion wider, schreiben die Forscher. Die Reaktion etwa des Belohnungszentrums Nucleus accumbens änderte sich dagegen im Lauf der Versuchsdurchgänge nicht. Daher schreiben die Forscher der Amygdala die Hauptrolle bei dem Phänomen zu.

“Wenn wir zu unserem persönlichen Nutzen lügen, sorgt unsere Amygdala für ein negatives Gefühl, das das Ausmaß begrenzt, in dem wir zu lügen bereit sind”, wird Studienleiterin Tari Sharot in einer Mitteilung des University College zitiert. “Aber bei fortgesetztem Lügen schwindet diese Reaktion, und je stärker sie abnimmt, desto größer werden unsere Lügen. Das kann in einen Prozess münden, bei der kleine Unwahrheiten zu immer größeren Lügen eskalieren.”

Das passt perfekt zu gleich einer ganzen Reihe von Artikeln, die ich in den letzten Jahren geschrieben habe.

Es würde zum Beispiel den Unterschied zwischen Natur- und Geisteswissenschaften erklären.

Ich habe oft beschrieben, dass mein naturwissenschaftlicher Hintergrund besonders auf Mathematik und Physik beruht. In beidem wird rigoros alles nachgeprüft, werden Lügen aufgedeckt (oder sollten, es sind in der Physik ja einige Betrüger verblüffend lange durchgekommen, wurden letztlich aber doch entlarvt). Mathematik mit rigorosem Nachrechnen und Beweisen, die Physik mit der Gnadenlosigkeit des nachvollzogenen Experiments: Wir haben in der Schule nichts gelernt, was wir nicht experimentell überprüft oder selbst gefunden haben, ob Naturgesetz, Konstante, Formel. Das Lügen wird systematisch ausgeschlossen und entlarvt, der Lügner wird sofort als Betrüger detektiert, die Lüge nicht anerkannt, egal welchen Grund einer anbringt.

Deshalb sind Naturwissenschaftler oft gnadenlos ehrliche Leute und treten auch oft den Leuten auf den Schlips, weil sie so gnadenlos ehrlich sind: Weil sie über Jahre, Jahrzehnte trainiert habe, die Wahrheit zu sagen, egal unter welchen Umständen, und quasi nicht oder nur unter großen „Schmerzen” lügen können. Deshalb sind die oft sozial isoliert, weil die keine Komplimente und sowas machen.

Ganz anders die Geisteswissenschaften. Da gibt es ja diesen Positivismusstreit und die Auffassung, dass man gar nichts positiv beweisen könne, sondern nur widerlegen, und die Auffassung, dass jede beliebige Behauptung als „wahr” zu gelten habe, bis das Publikum – und nur dessen Aufgabe sei es – die Behauptung falsifiziert, widerlegt. Wagt allerdings einer, das zu tun, wird er rausgeworfen oder kriegt aufs Maul.

Ich hege nicht nur schon lange den Verdacht, dass „Geisteswissenschaften” letztlich nur sind, sich möglichst kunstvolles Lügen anzutrainieren und sich daran zu gewöhnen, sich quasi ein lügenkompatibles Biotop mit finanzieller Vollversorgung zu schaffen, das würde die Erklärung dazu liefern.

Ich gehe noch weiter:

Schon in der Anfangsphase meiner Befassung mit Gender Studies ist mir aufgefallen, dass die eigentlich von morgens bis abends (und die Nacht durch) nichts anderes machen als zu lügen. So bin ich ja überhaupt erst darauf gekommen, mich damit zu befassen. Ich hatte mich von 1998 bis 2012 wegen des Promotionsverfahrens nur mit Wissenschaftsbetrug und Lüge in den MINT-Fächern befasst, dann war mir bei der Recherche zu der seltsamen Verfassungsgerichtsentscheidung aufgefallen, dass man kurz vorher den Richter Bryde gegen die Gender-Professorin Susanne Baer ausgetauscht hatte, wobei mir der Name gar nichts und das Fach nur sehr wenig sagte, und schon die ersten Webseiten zu Frau und Thema mich anschrieen, dass das alles Betrug und gelogen ist.

Dann gab es ja diese Serie von Harald Eia, und noch einige Hinweise, auch in den Berliner Veranstaltungen, in denen ich immer wieder auf einen bestimmten Argumentationsansatz stieß: Wir brauchen keine Beweise. Wir haben feministische Theorien. Und natürlich hat jede etwas andere Theorien.

Wenn man sich das aber anschaut, dann ist das nur eine Lügenolympiade, das Optimieren der Lüge nach dem größten Eigennutz-Erfolg. Gender-Studies sind nichts anderes als der Wettbewerb, wer am unverschämtesten und erfolgreichsten Lügen und Betrügen kann.

Dazu hatte ich beobachtet, dass der einzige greifbare Inhalt von Gender-Studies-Studiengängen deren Rabulistikübungen sind, die oft sogar nur für Frauen zugänglich sind, Männer werden ausgeschlossen. Man sieht auch, dass die zwar Unmengen von Zeugs publizieren, letztlich aber immer dasselbe drin steht: X ist so frauendiskriminierend, X benachteiligt Frauen. Für jedes beliebige X. Windräder, Hochwasser, Gummistiefel, Telefon, völlig egal. Betrachtet man das mit dem Zusammenhang zwischen Lüge und Amygdala, ergibt sich ein geschlossenes Bild. Die Leute lernen im Studiengang systematisch zu lügen und betrügen, und betreiben dazu ständige Lügenübungen, um eben die Amygdala mit ihrem Schlechtes-Gewissen-Einspruch runterzuregeln.

Demnach wären Gender-Studies nichts anderes als ein Universitätsstudium samt Promotion und Professur darin, wie man möglichst ertraglich lügt, ohne sich dabei schlecht zu fühlen.

Und das würde auch erklären, warum Geisteswissenschaft im Allgemeinen und Gender Studies im Besonderen keine rational-intellektuelle Komponente haben, aber sehr stark auf Freund-Feind-Denken ausgerichtet sind: Deren Baustelle ist nicht die Ratio, sondern die Amygdala und das Drumherum.

Das würde auch erklären, warum mir da gerade so ein durchgeknalltes linksextremes Soziologenwrack hinterherläuft und mich ständig überall verleumdet: Der Mann hat im Studium nichts anderes gelernt als zu Lügen, der kann nichts anderes, empfindet das aber als normal, und wie mir berichtet wurde, fristet er die Jämmerlichkeit seines Daseins damit, etwas Eintrittsgeld für Vorträge zu bekommen, in denen der lügt und verleumdet. Lügendealer. Diplomlügner. Lügenkonstrukteur. Soziologe.

Religion und die zehn Gebote

Zu den Dingen, die mir suspekt sind, denen ich zutiefst misstraue, gehört die Religion. Ich beobachte sie aber.

Ein Ding, was mir da auf die Nerven geht, ist, wenn Religiöse etwas für religiös wichtig halten, obwohl es bei genauer Betrachtung eigentlich weltlich-kulturell entstanden ist und oft einen sachlichen Hintergrund hat. Ich hatte mich ja mal in Karlsruhe mit einem Pfarrer gestrittet, der da mit seinem Kirchturm einen Mörderlärm produzierte und mich als Nazi beschimpfte, weil ich sagte, dass ich dabei nicht nur nicht schlafen könne, sondern nicht mal meinen Fernseher so laut drehen könnte, dass ich die Nachrichten noch verstünde. Dass Kirchtürme aber eigentlich keinen religiösen Ursprung haben, sondern den, dass früher die Kirche das einzige große und gemauerte Gebäude war (vgl. meinen Bericht von den Malediven, wo auf der Insel die Moschee das Gebäude im besten Zustand war), war dem nicht beizubiegen.

Besonders einflussreich sind dabei Hygienevorschriften.

Die koschere Zubereitung im Judentum dürfte mit ziemlicher Sicherheit ihren Ursprung in der Hygiene habe, mit der man früher, als es noch keine Kühlschränke, Kühlketten und Mikrobiologen gab, versucht hat, sich gesund zu halten.

Auch das Verbot des Schweinefleischs im Islam geht in die Richtung, denn Schweinefleisch gilt auch als anfällig für allerlei Parasiten. Ungegartes Schweinefleisch gilt als Hauptüberträger für Trichinen. Höchstwahrscheinlich hatte das Verbot des Schweinefleischs den Zweck, die Trichinose einzudämmen.

Auch ansonsten sieht man im Islam immer wieder, dass ein zentraler Aspekt die Reinigung ist, im wörtlichen und übertragenen Sinne. Muslime lassen nicht nur ihre Schuhe draußen, bevor sie die Moschee betreten, sie waschen sich. An Moscheen gibt es langen Reihen von Wasserhähnen, an denen man sich vorher reinigt, und wer mal in der ganz großen Moschee in Abu Dhabi war, hat deren enormen unterirdischen Waschtempel gesehen, der im Gegensatz zu den meisten anderen Moscheen nicht nur für Nichtmuslime zu besichtigen ist, sondern sie erwarten sogar, dass da jeder durchgeht und sich wäscht, denn schließlich lassen sie ja auch alle in den großen Gebetsraum auf den großen Teppich, auf den sie so stolz sind. Und auf den Flughäfen fällt mir auf, dass die Gebetsräume immer direkt neben den Toiletten sind, es aussieht, als hätten sie vier Toiletteneingänge. Christen kämen nicht auf die Idee, die Kirche neben das Klo zu bauen. Im Islam gilt das Gebet aber als Akt der Reinigung, weshalb die Nähe zu den Toilettenanlagen dort nicht fern liegt (ich war aber neulich in Harlem in New York in einer Kirche, um mir deren Gospel-Gottesdienst anzuhören, und die haben in ihrer Kirche eine Ausstattung wie in einem Konzerthaus – nicht nur Mikrofone und Lautsprecher, sondern auch richtig große moderne Toilettenanlagen, während sich das Christentum in Mitteleuropa darum wohl nicht geschert hat, da hatte man es nicht mit der Reinlichkeit.)

Die Aborigines in Australien haben sehr komplexe Regeln, wer wen überhaupt heiraten darf. Man muss immer in gewisse Nachbarstämme heiraten. Man hielt das für religiös, aber ich habe mal einen danach gefragt, und der sagte, dass sich das eben seit tausenden von Jahren bewährt hat um Inzucht zu unterbinden. Mit modernem biologischem Wissen könne man dann sogar verstehen und erklären, warum das gut funktioniert hat, aber der eigentlich Zweck sei schon immer gewesen, genetische Degeneration zu vermeiden, auch wenn man es nur beobachten, aber nicht erklären konnte. Permanente Durchmischung und Umwälzung des Genpools.

Nun hatte ich ja vor längerem die Frage aufgeworfen, ob Religion, ob „Gott” nicht letztlich nur ein Konstrukt ist, um das angeborene Sozialverhalten zu befriedigen. Weil irgendeine Drüse da sagt, dass man doch bitteschön einem Leithammel folgen und sich den Regeln und Merkmalen der Herde unterwerfen möge. Gleichzeitig aber brachte die Zivilisaton mit sich, dass wir nicht mehr zusammen auf einem Baum hocken, sondern uns spezialisieren, Berufe ergreifen, distanzieren.

Ist der Unterschied zwischen einem Leithammel und Gott vielleicht derselbe wie zwischen einem Festnetztelefon und einem Handy? Man kann es mitnehmen? Hat es immer dabei? Ein Leithammel, der einem überall hin folgt?

Nochmal zurück zur Hygiene: Ist Hygiene ein rein rationaler Aspekt, oder besteht ein Zusammenhang mit der Amygdala? Denn Ekel und solche Dinge, Angst vor Spinnen und Gewürm, sind auch in der Amygdala beeheimatet. Ich hatte von den Affen berichtet, denen man die Amygdala entfernt hatte. Sie konnten Giftschlangen ohne weiteres noch als solche erkennen, hatten aber keinerlei Angst mehr davor. Und die meisten kennen sicherlich den Effekt, dass wenn irgendwo einer hingekotzt hat, und man das sieht oder riecht, am liebsten danebenkotzen möchte – wenn die Herde etwas krankheitserregendes gefressen hat, ist es besser, es auch auszuspucken, als es drauf ankommen zu lassen.

Ich hatte da mal so ein ganz kurioses Schlüsselerlebnis. Wie schon erwähnt, lag ich vor 30 Jahren mal für längere Zeit (nicht durchgehend, sondern in 6 Etappen) im Krankenhaus, Krebserkrankung. Darunter vier Durchgänge richtig heftiger Chemotherapie, bei der sie jeden Morgen erst das Blut untersuchen, ob man einen weiteren Tag davon überhaupt noch überleben kann. Man kotzt sich nicht nur die Seele aus dem Leib, bis sich der Magen nach außen stülpt, ich hatte manchmal auch einen äußerst starken, schon schmerzhaften Schluckauf, bei dem ich fast aus dem Bett gefallen wäre. Natürlich wollte ich wissen, wie es zu dem Schluckauf kommt (ich hatte ja schon erzählt, dass ich da aufgefallen bin, weil ich alles wissen wollte, und deshalb der einzige war, dem man erklärte, warum man Katheter im Schlüsselbein nur im OP, nicht im Rettungswagen legen darf, wegen der Gefahr eines Pneumotorax), und die Erklärung war eben, dass ein Schluckauf zu den Vergiftungssymptomen gehört. Obwohl einem das Gift direkt in die Blutbahn injiziert wird, reagiert der Körper wie auf eine tödliche Vergiftung und versucht in letzter Verzweiflung, das loszuwerden, was man gegessen hat, weil man Gifte in der Natur über die Nahrung aufnimmt.

Nun war ich da nicht alleine, sondern parallel hatte man einen zweiten, ebenfalls jungen Typen dort in gleicher Sache behandelt. Selbe Chemotherapie.

Der kam irgendwann Montag morgens zum nächsten Durchlauf rein, hatte noch gar nichts bekommen, nicht mal die Nadel im Arm, kam einfach nur rein ins Zimmer und kotzte in hohem Bogen sofort los.

Warum?

Die Chemotherapie bestand aus drei Präparaten in getrennten Beuteln, die man über drei Infusionspumpen bekam. Ich weiß nicht, wie die heute aussehen, damals waren das so würfelförmige Kästen, meiner Erinnerung nach vielleicht so 25cm Kantenlänge, vorne mit dem Geraffels zum Einstellen und Reinklemmen der Schläuche. Man bekam einen kleinen Rolltisch neben das Bett und da standen die drauf. Und die waren immer so giftgrün lackiert. Ausgerechnet giftgrün.

Für mich als Informatiker waren die Dinger interessant. Ich habe mir die Bedienungsanleitung durchgelesen. Und als die zum ersten Mal ein neueres Gerät bekamen, das man nicht mehr über mechanische Drehräder, sondern über Bildschirm, Menü, Tipptasten einstellen musste, haben die das Ding gleich bei mir abgeladen, ich soll mir das mal durchlesen und ihnen dann erklären, wie das geht.

Der Bettnachbar war jedoch völlig anders drauf, der war Bankkaufmann. Der konnte mit den Dingern persönlich nichts anfangen. Deshalb hatte der diese drei giftgrünen Dinger nur mit Gift assoziiert, für den hatte sich – nicht bewusst, ein völlig normaler, intelligenter, sachlicher Mensch – eingeprägt, dass das die drei bösen grünen Dinger sind, die ihn vergiften. Der kam also Montag morgens für den nächsten Durchlauf nur rein, hatte noch nichts bekommen, sah nur die drei grünen Kästen, die ihm die Krankenschwester schon hingestellt hatte, weil es ja gleich losgehen sollte, und sofort bekam der wüste Kotzkrämpfe wie während der Chemotherapie, obwohl sie noch gar nicht angefangen hatte, weil bei dem der Anblick schon zu Vergiftungsreaktionen führte. Der hat sich erst wieder eingekriegt, als die Krankenschwester die drei Geräte mit einem weißen Bettlaken abgedeckt hatte, damit der das Grün nicht mehr sah.

Ich hatte als Kind mal zwei ähnliche Erlebnisse. Eigentlich habe ich liebend gerne Nougat gegessen. Auf irgendeiner Kirmes haben wir mal einen Riegel Nougat gekauft und ich habe da unbesehen ein Stück gegessen, was ganz widerlich ranzig geschmeckt hat, danach war ich eine Woche mit einer Lebensmittelvergiftung K.O. Ich habe jahrelang kein Nougat mehr angerührt. Auch die salzig-fettigen Dampfnudeln aus einer Bäckerei in der Nähe hatte ich mit Wonne verspeist, bis ich mir an einer mal irgendwie den Magen verdorben hatte, danach wollte ich die nie wider sehen, sogar die Kombination aus Salz und Fett schmeckte mir nicht mehr.

Es spricht einiges dafür, dass solche Reaktionen – ähnlich wie die Angst vor Giftschlangen – zum Großthema Amygdala gehören. Dass der Mann da die drei grünen Kästen als feindlich assoziierte hatte.

Zurück zu Schweinefleisch und koscherem Essen.

Wäre es also denkbar, dass Ekel, Übelkeit und so weiter zwar insofern hartverdrahtet sind, als sie gegen Vergiftung schützen sollen, es aber erlernbar ist, was den Ekel auslöst, und beispielsweise Schweinefleisch oder ein Rahmschnitzel dann, wenn sie schon mal zu Krankheiten geführt haben, und das den historischen Umständen nach bei vielen Leuten gleichzeitig, so starke Reaktionen auslösten, dass sie als „feindlich” wahrgenommen wurden und denn in die Verhaltensregeln und schließlich Religion einsickerten?

Ist Religion am Ende nur die Kunst, die Amygdala und das Drumherum zufriedenzustellen?

Die Kunst, dem evolutinär erworbenen Rudelverhalten, nämlich Sozialverhalten zu befolgen, dem Leithammel zu folgen und die Amygdala happy zu halten, auch dann genüge zu tun, wenn man nicht im Rudel ist?

Kommen wir mal auf die zehn Gebote zurück:

  • Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

    = Ich bin Dein Leithammel.

  • Du sollst den Feiertag heiligen.

    = Halte Dich gefälligst an die Herdenvorgaben.

  • Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.

    = Evolutionär erfolgreiches Verhalten

  • Du sollst nicht töten. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.

    = Halte Dich an das Sozialverhalten der Herde.

Oder zusammengefasst:

Sind das alles letztlich nur Maßregeln, die dazu dienen, die Amygdala zufriedenzustellen und Wohlbefinden auszulösen? Ich hatte ja neulich schon mal die Frage gestellt, ob man solche Regeln überhaupt nur aufstellt, um sie befolgen zu können, weil das Befolgen von Regeln sozial als gut empfunden wird?

Ist also Religion letztlich nichts anderes als dem Sozialverhalten und der Amygdala zu geben, wonach sie verlangen, ihr eine hypothetischen, abstrakten Gott so intensiv vorzugaukeln, dass sie ihn als echten Leithammel und die Regeln als echte Herde annimmt, obwohl sie nicht existieren, damit man sie mit sich herumtragen kann? Um sozialkonformes Verhalten zu üben?

Und sind dann Gender Studies keine Religion, sondern das Gegenteil von Religion, nämlich die Fertigkeit, die eigene Amygdala durch fortgesetzte Lügenübungen so weit runterzutrainieren, bis sie schweigt und man endlich erfolgreich lügen und betrügen zu können, ohne sich dabei noch mit einem schlechten Gewissen herumzuschlagen?

Oder die Geisteswissenschaften im Allgemeinen zur Übung verkommen, zu lügen ohne sich dabei noch unwohl zu fühlen? Und es deshalb gar nicht mehr als Lüge zu erkennen?

Nachtrag: Eigentlich stand ich gerade schon am Herd und wollte was kochen, da ging mir noch ein Gedanke durch den Kopf.

Ich hatte oben geschrieben, dass Gender Studies eigentlich nur die Übung wären, möglichst unverschämt zu lügen.

Das ist wohl richtiger, als ich beim Schreiben gedacht hatte, denn Scham dürfte ja eben das Gefühl sein, wenn die Amygdala oder irgendwas anderes im Zusammenhang mit Sozialverhalten eben nicht Belohnung, sondern Tadel für Fehlverhalten ausschüttet. Und normalerweise würde das beim Lügen passieren, wir würden (oder sollten) uns schämen, wenn wir gelogen aben oder gar dabei ertappt wurden.

Durch dieses Herunterregeln der Amygdala wird aber eben diese Tadel-Funktion abtrainiert, es eröffnet die Möglichkeit, hemmungslos zu lügen ohne ein Schamgefühl zu empfinden oder überhaupt noch einen Unterschied zu Wahrheit wahrzunehmen. Also im Prinzip die Beliebigkeit der Behauptung, die die Philosophen in den Poststrukturalismus verpacken, dass alles nur Sprechakt sei, der die Welt forme, es also gar keinen Unterschied zwischen Lüge und Wahrheit gebe, alles nur beliebig sei.

Ohne dabei noch Scham zu empfinden.

Also unverschämtes Lügen im Wortsinne. Lügen ohne Schamgefühl.

Weite Teile der Geisteswissenschaften sind nur die Praxis schamlosen Lügens.

Nachtrag 2: Ich hatte gestern die Frage gestellt, ob Linke/Genderasten im Prinzip so eine Art symmetrisches Gegenstück zu Autisten sind. Während Autisten stark auf den rational-sachlich-informationen Teil bezogen sind und Probleme haben, das Soziale zu verstehen, den Emotionalkanal zu deuten, scheint es bei Sozialwissenschaftlern, vor allen Gender Studies und allen Arten von Linken genau umgekehrt zu sein. Ich hatte ja öfters den Eindruck gehabt, dass denen der Teil des Gehirns für die Ratio fehlt.

Ich hatte gefragt, wie das mit dem Einfluss der Amygdala zusammengehören könnte.

Vielleicht nicht unmittelbar organisch, aber funktional begünstigend.

Denn Lügen hat ja immer auch etwas damit zu tun, gegen die eigene Ratio zu verstoßen. Nicht nur das Moral- und Sozialempfinden würde einen vom Lügen abhalten, sondern auch das rationale Denken, das einem sagt, was objektiv wahr und unwahr ist. Wenn man das aber schon nicht hat, fällt einem das Lügen deutlich leichter, weil man es dann nicht mehr als Unwahrheit, sondern nur noch als Sozialverstoß wahrnimmt (Sprechakt/Poststrukturalismus/Oberdepp Michel Foucault). Wenn man das Lügen mangels Ratio nicht mehr als unwahr erkennt, sondern nur noch als Sozialverstoß, und sich dann auch noch die Scham über die Amygdala abtrainiert, hat man nicht nur beide Lügenhemnisse weg, sondern es würde auch erklären, warum der Lügenzirkus Gender Studies auf Leute so anziehend wirkt, denen diese Ratio fehlt, und so abstoßend auf die, die sie haben.

Also vielleicht kein direkter organischer Zusammenhang, aber der funktionale Zusammenhang, dass Lügenkurse besonders auf die anziehend wirken, denen das Wahrheitsgefühl sowieso schon fehlt.