Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Von Professoren im Allgemeinen und dem Promovieren im Besonderen

Hadmut
4.2.2021 22:52

Noch zwei Leserkommentare zum Stand der Universitäten.

Ich hatte doch gerade über die Kombinations-Heuchlei von Heise und der Karlsruher Informatik-Fakultät geschrieben, und dabei hinzugefügt, dass ich da seit 2008 nichts mehr mit denen zu tun habe, mir aber aufgrund der allgemeinen Verblödung, Politisierung und Genderisierung nicht vorstellen kann, dass da irgendwas besser geworden wäre.

Ein Leser schreibt über eine andere – dem Kontext nach aber auch Karlsruher, er sagt es nicht explizit – Fakultät:

Ich habe knapp 3 Jahre versucht in [MINT-Fach] zu promovieren. Von 11 Kollegen, die ich kennengelernt habe, haben 2 normal promoviert, 4 haben/wurden abgebrochen, 2 haben nie verteidigt, weil sie so die Schnauze voll hatten und 3 haben/werden unter großem Streit und teilweiswe bei anderen Professoren verteidigen.

Die Abläufe haben teilweise an ein Irrenhaus erinnert. Das fachliche war völlig unbedeutend, was einfach daran lag, dass der Professor schon mit dem Stoff auf Bachelorniveau überfordert war (kam regelmäßig zum Fragen, wenn eine Übung oder Klausur anstand). Seine gesamte “Leistung” bestand daraus, Bullshitbingo zu spielen und jeweils die neu aufgeschnappten Schlagwörter zu platzieren. Entsprechend musste auch alle paar Wochen alles neu angefangen werden, was überraschenderweise nie zu langfristigem Erfolg führte. Geld einwerben war erschreckenderweise nie ein Problem.

Wissenschaftliche Praxis war nicht vorhanden. Es wurde im Labor so lange auf Messgeräten wild rumgedrückt, bis diese den gewünschten Wert zeigten “Ah, das sieht doch gut aus, das nehmen wir”.

Seinen Postdoc-Vize hat er verschlissen indem dieser seinen Job mitmachen musste während er selbst ein halbes Jahr Urlaub (=Forschungssemester im Ausland) gemacht hat. Burnout, saß nur noch sabbernd (wirklich!) am Tisch. Er selbst war praktisch nie länger als 4h an der Uni (inkl. Mittagspause).

Der Schlüssel zum Abschluss lag wohl in der völligen Unterwerfung und Mitspielen beim “Drama”. Einer, der fast rausgeflogen wäre hat so nach/mit? mehreren Heulkräpfen in Besprechungen dann doch noch ein summa cum laude geschafft. Die Ergebnisse waren nicht reproduzierbar und wohl erfunden…

Menschlich auf unterster Ebene, Mitarbeiter gegeneinander aufgehetzt und ausgespielt. Bei einem wars vorbei als dieser mal früher Feierabend machte um [privater Vorgang]. Weihnachtsansprachen dass er keinen Bock mehr auf uns habe, uns alle rauswerfen werde und sein Gehalt auch so bekomme.
Immerhin hat sich das soweit rumgesprochen, dass er jetzt nur noch Inder und Chinesen hat. Die mucken nicht auf und haben noch höhere persönliche Hürden abzubrechen.

Viele Professoren benehmen sich nicht nur wie Zuhälter, sie haben auch deren Niveau – im Umgang und wissenschaftlich.

Erinnert mich an einen Vorabend-Massenkrimi, der vorhin kam. Krimineller Gastwirt hält sich Migrantin mit illegalem Aufenthaltsstatus als Arbeitssklavin, weil die nicht einfach von ihm weg kann.

Ich habe ja damals übel Ärger bekommen, weil ich während meines Jahresurlaubs (den ich eintragen musste aber nicht nehmen durfte) erst morgens zwischen 10 und 11 ins Institut kam (und ca. 12 Stunden bis abends um 10 blieb).

Als einen Grund für die Ablehnung meiner Dissertation hatte man mir im Schriftverkehr noch reingedrückt, dass ich es gewagt hatte, in der Nachsorgephase meiner (fast tödlichen, ein paar Jahre zurückliegenden) Krebserkrankung damals (damals 80% schwerbehindert wegen Heilbewährung) zweimal im Jahr morgens zum Arzt zur Nachsorgeuntersuchung gegangen war.

Ein Mediziner schreibt (gibt keine Uni an, aber Karlsruhe kann es nicht gewesen sein, die haben keine Medizin):

Leider kann auch ich bestätigen, dass diese korrupten Prüfungsverfahren auch in anderen Bereichen nicht unüblich gewesen sein müssen, als ich Anfang der 1990er mein Staatsexamen ablegte.

Wir hatten 14 Prüfungen in einem Zeitraum von 6 Monaten zu absolvieren. Vier Hauptprüfungen mit praktischen Prüfungsteil und bis 14 Tage pro Fach. In einem Fach gab es einen gefürchteten Professor. Eine Note sehr gut war nie möglich und wenn man praktisch top war, machte er sich einen Spaß daraus die theoretische Prüfung mit Daumenschrauben zu versehen. Wenn man ein gut bekam, war das schon mit die beste Note ever und durfte darauf stolz sein. In meiner Gruppe hatten wir alle mit gut abgeschnitten. Trotzdem hatten wir Horror vor dieser Prüfung. Alles was danach kam war eher Kür.

Wir hatten im Semester einen reichen Schönling, von dem wir wussten, dass er quasi nichts kann. Und ausgerechnet diese Niete, das ist nicht übertrieben, bekam im besagten Prüfungsfach ein sehr gut. Hä? Für uns war klar: Bestechung. Es kommt noch besser. Etwas später erfuhren wir, dass einer von den beliebten Assistenten sich beim zuständigen Professor beschwerte, weil der reiche Schönling in der praktischen Prüfung offensichtlich und dreist pfuschte. Antwort. Da könne er nichts machen. Hä? Ein paar Wochen später hatten wir Bergfest und eine mündliche Prüfung in der HNO. Sehr faire Prüfung. Lief super. Der Professor fragte danach wie weit wir bereits sind, wie es bisher lief. Sehr angenehmes Gespräch. Er meinte auch, dass es für ihn kein Problem sei mit harten Fragen jeden herauszuprüfen, wenn er den Eindruck gewinnt, dass man diesen Kandidaten nicht auf Patienten loslassen kann. Als wir von dem o. g. Prüfungsfall erzählten und unsere Fassungslosigkeit darüber im Gesicht stand, holte er tief Luft und sagte, das eben jeder seine Preis hätte. Uff.

Bezüglich Frauen. Ich hatte nie den Eindruck, dass in unsere Fakultät Frauen generell einen Vorfahrtschein hatten. Die mussten genau so ran wie wir Männer und die praktische Ausbildung war für alle hart, vom ersten bis zum letzten Semester. Rückblickend bin ich froh darum, weil das wirkliche Leben nun einmal kein Ponyhof ist.

Ja.

Irgendwie musste ich gerade an den Chemiker denken, der mir schrieb, dass bei ihm selbstverliebte Zeitgeiststudenten zum Praktikum antreten, den Bunsenbrenner an den Wasserhahn anschließen, Springbrunnen bauen, den Fehler nicht einsehen und behaupten, es handele sich um Flüssiggas.

Und dann wundert man sich, dass sich da der Genderismus ausbreiten konnte.

Jahrelang dachte ich, warum muss sowas ausgerechnet mir passieren?

Bis ich irgendwann mitbekommen habe, dass es da draußen ganz viele gibt, denen sowas ähnliches passiert ist, und die sich alle fragen, warum ausgerechnet ihnen sowas passieren musste.

Manchmal denke ich, dass ein Hauptunterschied zwischen meinem und anderen chaotischen Promotionsverfahren ist, dass ich drüber blogge.