Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Schufa auf dem Weg nach China

Hadmut
27.11.2020 12:11

Vom Galopp in den Sozialismus.

Ich dachte heute morgen, ich müsse mich im Radio verhört haben. Die Schufa wolle künftig alle unsere Kontoauszüge erfassen.

Aber es stimmt, wie beispielsweise Focus berichtet:

Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei, die Schufa, will in Zukunft offenbar Verbraucherinnen und Verbraucher auch anhand ihrer Kontoauszüge bewerten.

Nach Recherchen von NDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung” (SZ) hat die Schufa Anfang November bereits im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem Mobilfunkkonzern Telefónica/O2 erste Schritte unternommen, um an sensible Daten zu gelangen.

Offenbar will das Unternehmen noch einen Schritt weiter gehen: In den vergangenen Monaten hatten Schufa-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter auf Branchenveranstaltungen immer wieder über Pläne berichtet, die Daten von Kontoauszügen mit bei der Schufa bereits vorhandenen Verbraucherdaten zusammenführen zu wollen. Dadurch sei die Schufa in der Lage, umfassende Auswertungen im Hinblick auf die Zahlungsfähigkeit und weitere Kriterien wie Risiken oder Vorlieben von Verbraucherinnen und Verbrauchern durchzuführen.

Seit Einführung der Zweiten EU-Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) ist es möglich, dass sogenannte Kontoinformationsdienste Einblick auf Konten bekommen können. Voraussetzung ist, dass der Kunde dem zustimmt. Die Schufa hatte Ende Dezember 2018 den von der Bankenaufsicht BaFin lizenzierten Münchner Kontoinformationsdienst Finapi GmbH gekauft, der nach eigenen Angaben potenziell Zugriff auf mehr als 50 Millionen deutsche Bankkonten hat.

Aus internen Schufa-Dokumenten, die NDR, WDR und SZ einsehen konnten, geht hervor, dass die Finapi GmbH auch deshalb von der Schufa übernommen wurde, um an Kontodaten von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu gelangen. Der Kontoeinblick eröffne ein “umfangreiches Potenzial in Hinblick auf Bonitätsbewertung, Affinitätsscores oder Ermittlung der Lebenssituation”, heißt es in einer vertraulichen Schufa-Präsentation vom Frühjahr 2019.

In einer Branchenveranstaltung im Sommer 2020 erklärte ein Mitarbeiter der neuen Schufa-Tochterfirma, das Unternehmen könne in Kontoauszügen 65 Kategorien erkennen, darunter Gehalt, Miete, staatliche Leistungen, Unterhaltszahlungen, Arztbesuche sowie Urlaubsreisen. Zudem könne man “Risikofaktoren” wie Glücksspiel, Zahlungen an Inkassoinstitute oder Rücklastschriften identifizieren, die beispielsweise bei einem Kreditantrag wichtig sein könnten.

Ich halte das für extrem gefährlich, weil damit nämlich nicht nur die Bonität, sondern überhaupt der Zahlungsverkehr untersucht wird. Dann kommt man in die Political Correctness Datenbank wie in China.

  • An die Grünen oder eine Migrantenhilfsorganisation gespendet? Macht 500 Pluspunkte auf dem Score.
  • Webseitenbetreibern wie dem Danisch was gespendet? Der kriegt kein Handy und keine Innenstadtwohnung mehr.
  • Abo bei der politisch korrekten Zeitung? Pluspunkte. Abo bei der falschen? Minuspunkte.

Ich halte das sogar für eine Geheimdienstoperation. Es ist ja bekannt, dass die Geheimdienste besonders scharf darauf sind, Geldflüsse und finanzielle Verbindungen auszuspähen.

Momentan heißt es noch

Am 4. November 2020 begann eine dreimonatige Testphase in Zusammenarbeit mit dem Mobilfunkanbieter Telefónica/O2. Potenzielle Neukunden, die aufgrund ihrer schlechten Bonität normalerweise keinen O2-Handyvertrag bekommen würden, können sich von der Schufa auf ihr Konto schauen lassen. So kann die Auskunftei eine neue und womöglich bessere Bonitätsbewertung erstellen, die dann doch einen Handyvertrag möglich macht.

Aber natürlich werden die gelöscht. Und die Crypto AG hat sichere Geräte verkauft.

So bekommt man einen zentralen Datenstaubsauger für Banken, mit plausibler Legende.

Aber spätestens dann, wenn auch die Schufa von Woke und Genders und Quoten unterwandert ist, wandert man dann sofort in die Feind-Datenbanken. Jede Wette, dass die dann sofort Datenbanken erstellen, wer beispielsweise der AfD spendet. In den USA wollen die ja auch schon Trump-Wähler in Datenbanken erfassen, um mit ihnen abzurechnen. Und es fällt eben auf, dass das zeitlich damit zusammenfällt, dass die Bundesregierung gerade einen milliardenschweren „Kampf gegen Rechts” führen will. Da kann man die Kontobewegungen bestens brauchen.

Es steht außerdem völlig außer Frage, dass man die Bonitätsbewertungen künftig auch nach Quoten und antidiskriminatorisch gestalten wird. Man wird sagen, dass die Schufa Frauen diskriminiert, weil die doch 21% weniger verdienen oder häufiger prekär seien, und deshalb schlechtere Schufa-Scores haben, oder auch feststellen, dass Migranten schlechtere Schufa-Scores als der eingesessene Ingenieur haben, und das gerade rücken. Da wird es Quotenregelungen geben, dass in den besten Schufa-Scores die verschiedenen Geschlechter, Ethnien und so weiter alle „repräsentiert” sein müssen.

Dazu gibt es dann den „Weißseinsmalus”, und noch einen für Männer, damit Handys und Mietwohnungen schön divers vergeben werden.

Und weil man das über das Einkommen alleine nicht hinbekommt, muss man eben daran gehen, die Kontobewegungen semantisch zu bewerten.

Als ich hier in Berlin nach einer Wohnung gesucht habe, musste ich ja auch immer alles mögliche vorlegen, Einkommensnachweis, Mietschuldenfreiheitsbestätigung, Schufa-Auskunft und so weiter, und irgendwann sagte mir einer, die Schufa-Auskunft sei zwar schön, aber schon zu alt, man bräuchte eine neue. Als ich sagte, die müsste ich erst bestellen, die könnte ich jetzt auch nicht aus dem Stehgreif beischaffen, meinte der, das sei kein Problem, mit meinem Einverständnis könne er eine Online-Abfrage bei eine anderen Auskunftei einholen. Ich bekäme dafür auch eine Kopie. Ja, gut, dann los. Und die fanden, meine Bonität sei prima. Die wussten zwar einfach gar nichts über mich, ich war denen völlig unbekannt, weil aber an meinem früheren Wohnort, Unterföhring, in derselben Straße viele seriöse und auch einige Reiche Leute wohnten, so gutbürgerlich halt, meinten die, wer in dieser Straße wohnt, der ist edel.

Ich weiß nicht, wie sich der Umzug nach Berlin auf meinen Schufa-Score auswirkte, wahrscheinlich der totale Absturz. Denn die KFZ-Versicherung wollte – selbe Versicherung, selber Vertrag, selbes Auto – plötzlich den doppelten Beitrag, obwohl ich einen Schadensfreiheitsrabatt über 30 habe. Einfach, weil die in Berlin soviele Schäden und Diebstähle haben. Macht selbst bei meinem Super-SF so um die 400 Euro im Jahr aus. Bei Leuten mit niedrigem Rabatt oder Fahranfängern kann das auch gerne mehrere tausend Euro bedeuten. Deshalb finde ich das ja so absurd, wenn die hier Autos abfackeln, um gegen steigende Mieten zu protestieren, aber nicht kapieren, dass die KFZ-Versicherung in Berlin die Leute auch 200 Euro im Monat mehr kosten kann, weil die sich hier wie die Bekloppten aufführen.

Es ist eine Frage der Zeit, bis das Kontofilzen nicht mehr „freiwillig” ist, sondern entweder gesetzlich passiert oder man einfach kein Handy, keine Wohnung, kein Auto (auf Kredit oder Leasing) mehr bekommt, wenn man nicht seine Kontodaten freigibt – oder die falschen Überweisungen auf dem Konto hat, die Rückschlüsse auf politische Gesinnungen geben können.

Es gibt ja schon Autoversicherungstarife, bei denen man sämtliche Fahrten seines Fahrzeuges überwachen lassen muss, wohin man fährt, wie oft, wie weit, und vor allem: wie schnell. Ob man sich an die Verkehrsregeln hält und sowas.

Künftig bekommt man dann besondere Handy-Tarife, die nur preisgünstig sind, solange man nur mit politisch korrekten Leuten telefoniert.

Und Konten mit Vorteilen bekommt man dann auch nur noch, wenn sämtliche Zahlungsbewegungen politisch halal sind.

Auch für die Bewerbung auf einen Job wird man dann künftig sein political scoring vorlegen müssen. Uuuh, wir sehen, dass Sie vor drei Jahren einem politisch missliebigen Blogger etwas gespendet haben. Da haben Sie in unserem Betrieb keinen Platz mehr.

Der Weg in das political scoring wie in China ist eröffnet. Bei der Stasi gab’s sowas ja auch. Deine Eltern haben Westfernsehen geguckt. Das wird mit dem Ingenieursstudium leider nichts mehr.

Man könnte auch sagen: DDR. Die Deutsche Digitale Republik.