Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Ach, es ist schwer, ein Monokular zu kaufen…

Hadmut
27.11.2020 18:00

Ich wollte doch nur…

*Seufz*

Ich hatte ja die Absicht, irgendwann, in ferner Zukunft, doch noch mal irgendwohin in Urlaub zu fahren. Und weil ich es nicht mit Bergen habe, eher ans Meer. Ich bin gerne am Wasser. Und da ich zwar ein absolut lausiger Seemann bin, mir aber Navigation und sowas Spaß macht, gucke ich gerne nach Tonnen, Leuchttürmen und solchen Dingen. Mal einfach nur so, weil es mir Spaß macht (so wie der bei Loriot, der einfach nur sitzen wollte, kommt es bei mir gelegentlich vor, dass ich mir Leuchttürme aus der Nähe und der Ferne und wenn möglich auch von oben anschaue), und natürlich von Navigations und Seekarten wegen den Kurs wissen will.

Nun habe ich da ein schönes großes Fernglas mit eingebautem Kompass. Das ist wunderbar und hat sogar eine eingebaute Beleuchtung der Kompassrose, damit man das auch bei Dunkelheit ablesen kann, hatte das auch bei dem Segelturn durch die Ostsee schon dabei, aber es ist für Fernreisen einfach zu groß und zu schwer. Sprengt Gepäckgrenzen. Auch so trägt man das nicht gerne mit sich herum.

Also wollte ich mir ein Monokular kaufen, die sind deutlich kleiner, handlicher, eben nur die Hälfte und sowieso kleiner gebaut, und die gibt es auch mit Kompass.

Erster Versuch

Ich kann mich erinnern, mal vor vielen Jahren in einem Outdoor-Laden durch ein Minox 7×42 geguckt zu haben, das damals so um die 90 Euro gekostet hat. Hatte damals keine Verwendung dafür, hat mir aber aber Qualitätativ gut gefallen. Da hatte ich auch den Sportbootführerschein noch nicht und noch nicht auf See gepeilt.

Inzwischen würde mir sowas deutlich besser gefallen, aber: Das Dingens ist auf einmal doppelt so teuer. Hatte noch einen Laden gefunden, wo es zu halbwegs plausiblem Preis zu haben gewesen wäre, aber die meinen: Tut uns leid, sie hätten bei ihrem Lieferanten angefragt, Corona und so, auf unbestimmte Zeit nicht lieferbar.

Zweiter Versuch

Also habe ich beim China-Versand meines Vertrauens geschaut und bin auf die Marke Celestron gestoßen, die so mittelpreisig liegt, als nicht gerade der Billigmist für 20 Euro, aber auch nicht überteuert, und gute Kritiken bekommt. Da gab es deren Oceana 8×42, genau das, was ich suchte, für so um die 70 bis 75 Euro, mal inklusive, mal plus Versand, je nach Händler. Da dachte ich mir, das passt genau, und habe eines bestellt.

Kam auch nach den üblichen drei Versand-Wochen.

Aber, ach.

Nein, eigentlich nicht ach. Das Ding ist prima verarbeitet, tadellos, richtig gut, sogar mit irgendeinem Gas gefüllt, damit es innen nicht beschlägt, wasserdicht, ich bin völlig zufrieden damit, es hat nur einen einzigen Haken: Es war das falsche Modell. Statt eines Celestron Oceana 8×42 hatten die mir ein Celestron Cavalry 8×42 geschickt. Das ist nahezu identisch, innen baugleich (technisch genau dasselbe Ding, es steckt dasselbe Fernglas drin), gleiches Zubehör, gleiche Maße, gleiche Tasche, aber eben die militärische statt der nautischen Version und die unterscheidet sich in vier Details:

  • Es ist grün.

    Halt so militär-oliv statt dunkelblau oder schwarz wie das nautische. Mögen die beim Militär eben so, da stehen die drauf.

  • Es ist auf der Gummiumhüllung anders geriffelt. Das nautische ist eher glatt, das militärische hat Längsriffeln, damit man es mit Handschuhen besser greifen und bedienen kann.
  • Die optische Skala ist eine geringfügig andere. Beim militärischen sind die Striche 1,2,3 nummeriert, weil jeder Strich auf 100 Meter Entfernung 1 Meter Größe bedeutet (verwendet man, um Entfernungen zu schätzen. Wenn man weiß, dass der Mann 1,80 groß ist, kann man damit per Dreisatz schätzen, wie weit der weg ist.)

    Beim nautischen sind dieselben Striche 10,20,30 nummeriert, weil sie auf 1000 Meter eine Größe von 10 Meter bedeuten sollen. Also genau das gleiche, der rein rhetorische Unterschied, dass man auf See eben nicht Männer oder Panzer, sondern Masten oder Leuchttürme misst und das auf größere Entfernung. Man muss auf See selten etwas in 100 oder 200 Entfernung anpeilen oder dessen Größe abschätzen, um zu navigieren. Sofern man nicht gerade vor hat, es mit der Bordkanone oder Torpedos zu versenken.

    Na, könnt Ihr Euch noch alle an die Strahlensätze erinnern? Mathematik, Mittelstufe? Wolltet Ihr damals wissen, wofür man das jemals brauchen sollte? Höhö.

  • Während das nautische eine Kompassrose mit den üblichen 360° hat, hat das militärische – Oh Wunder – eine militärische Kompassrose von 6400 Strich.
    Das haben alle militärischen Kompasse so, dass die nicht nach 360 sondern nach 6400 einteilen und kommt meines Wissens von der Artillerie, die das genauer brauchte als 360° und irgendwie anders rechnet und Zweierpotenzen liebt, weil die wohl immer halbieren. Und weil man es einheitlich haben wollte, hat man die Artillerieeinteilung allgemein übernommen.

Gestört hat mich eigentlich nur der letzte Punkt. Weil ich meine Nachbarschaft für gewöhnlich nicht mit großer Artillerie beschieße, sondern eben lieber Leuchttürme und sowas auf See gucke, hätt ich’s dann doch gerne mit 360°. Weil das Ding ansonsten aber sehr gut ist, und die Rücksendung nach China einiges kostet, habe ich mich mit dem Händler auf den halben Preis geeinigt. Gibt ja auch Anwendungen, wo man nicht auf See ist, und es ganz praktisch ist, wenn das Ding gut handschuhtauglich ist. Kann man so praktisch am Gürtel festmachen. Für ca. 35 Euro OK.

Dafür bin ich jetzt optisch gut ausgestattet, sollte ich doch unversehens mal spontan an einem Manöver teilnehmen. Sie werden mich beneiden.

Dritter Versuch

Weil ich jetzt aber doch noch eines mit 360° haben will, eben für’s Nautische (man könnte es im Kopf umrechnen, aber das ist mir zu fehleranfällig, gerade wenn man mehrere Aufgaben lösen muss), habe ich mir dann halt nochmal eines bestellt, bei einem anderen Händler.

Das kam gerade.

Aber, ach.

Richtiges Modell, kein Transportschaden, äußerlich, mechanisch und optisch tadellos, gut verarbeitet, aber eine Luftblase im flüssigkeitsgelagerten Kompass:

Und die ist zwar nicht fest, sondern rutscht aus dem Blickfeld, wenn man das Monokular deutlich nach oben kippt, aber auf See gibt es oben einfach nicht so viel zu sehen oder gar zu peilen. Und für Sterne taugt’s dann auch nicht, weil die Beleuchtung fehlt. Dafür kommt es vor, dass man oben irgendwo an der Küste steht und runterguckt.

Nun habe ich gerade reklamiert und mal angegeben, dass ich dieses nun gerne zurückschicken würde und den Kaufpreis wiederhaben (oder ein Ersatzgerät haben) möchte.

Irgendwie habe ich partout kein Glück mit Monokularen. Sonst läuft das alles immer so gut und problemlos.