Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Puzzlestück: Die Schweiz steckte tief mit drin

Hadmut
7.11.2020 14:04

So langsam wird das Puzzle um die „grösste Spionageoperation des Jahrhunderts” und mein Promotionsverfahren ziemlich vollständig, kommt Licht in die Vorgänge an der ETH Zürich.

Der Schweizer Tagesanzeiger hat einen Artikel mit Neuigkeiten zur Crypto-Affäre.

Die Schweiz konnte fast ein Vierteljahrhundert lang über die Verschlüsselungsfirma Crypto AG mit Sitz im zugerischen Steinhausen die geheime Kommunikation unzähliger Staaten und Armeen ausforschen. Zuerst war sie mehr Trittbrettfahrerin, dann Juniorpartnerin der Amerikaner bei jener Aktion, die der US-Auslandsgeheimdienst CIA in einer geleakten Aufarbeitung als «grösste Spionageoperation des Jahrhunderts» beschreibt.

Das neutrale Land machte bei der fast globalen Ausforschung über die Crypto AG ab den 90er-Jahren bis vor kurzem aktiv mit.

Und genau darin dürfte zweifellos der Grund dafür liegen, dass die ETH Zürich so bereitwillig daran mitgemacht hat, mich damals abzusägen.

Die intensive schweizerische Beteiligung an der Riesenoperation blieb noch verborgen, als im Frühjahr das ZDF, die SRF-Sendung «Rundschau» und die «Washington Post» enthüllten, dass die CIA und zuerst auch der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) über ihr Zuger Tarnunternehmen vermeintlich abhörsichere Crypto-Geräte in die halbe Welt verkauft hatten.

Die Empörung nach den Enthüllungen vor einem Dreivierteljahr war gross, denn der gute Ruf der Schweiz schien missbraucht worden zu sein. Die Schweiz hatte ihre Crypto-Affäre. Die Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) startete eine Inspektion.

Erste Erkenntnisse aus der GPDel-Untersuchung und eigene Recherchen zeigen nun eindeutig, dass der helvetische Einstieg in die Riesenoperation mit der Affäre Bühler erfolgte. Im März 1992 war der Schweizer Crypto-Vertreter Hans Bühler im Iran verhaftet worden.

Treffer. 1992 ist die Schweiz da eingestiegen. Ich selbst habe so um 1989 angefangen, mich um das Thema zu kümmern, anfangs als Hiwi. 1994 war mein Studium abgeschlossen und ich wurde Mitarbeiter und Doktorand, und 1998 platzte die Promotion.

Danach verdichteten sich die Hinweise, dass die Zuger Firma von CIA und BND beherrscht wird. Den Deutschen wurde die Sache zu heiss. Sie stiegen aus. Die CIA blieb drin.

Harte Beweise für eine Unterwanderung der Firma gelangten keine an die Öffentlichkeit. Der schweizerische Strategische Nachrichtendienst (SND) hingegen gewann bis in den Herbst 1993 hinein über eine Quelle in der Firma die Gewissheit, wie Geräte mit schwachen Algorithmen verkauft wurden und wer die tatsächlichen Besitzer waren.

Und an dem Punkt habe ich ernstliche Zweifel, ob der BND wirklich ausgestiegen ist. BND-Direktor Otto Leiberich, der bei uns am Institut herumscharwenzelte, hinter dem Absägen meiner Diss stand und im Geheimgutachten sogar namentlich genannt ist, war damals zwar formal schon pensioniert, aber da er im fraglich Zeitraum Direktor genau der Stelle beim BND war, die diese Operation Rubikon/Minerva durchgezogen hat, muss der zwingend der Kopf dahinter gewesen sein. Und es passt auch, weil er bei uns mal einen (verdammt guten) Vortrag darüber gehalten hat, wie sie damals die Kommunikation zwischen der DDR und ihrem Spion Günter Guillaume geknackt haben, wie wichtig es sei, Kommunikation mithören zu können.

Selbst wenn der BND 1998 tatsächlich ausgestiegen war, hatte er zumindest Kenntnis darüber, dass der Laden noch weiter läuft, und Sorge, dass das auch rückwirkend auffliegen kann. Es würde exakt dazu passen, dass mir ein Professor der Uni damals – selbst ratlos, was das bedeuten solle – sagte, dass der „Doktor für die Visitenkarte” der Uni völlig egal sei, den könne ich haben, wenn ich mich darauf einließe, mir die schlechteste Note geben und mich als den Dümmsten hinstellen zu lassen, der jemals noch die Promotion gekommen sei. Es ginge nicht um den Doktor, sondern darum, mich aus dem Wissenschaftsbereich herauszuhalten. Weder er (der sagte mir das völlig freundlich und wohlgesonnen) noch ich konnten sich damals einen Reim darauf machen. Das war ihm aus Rektorat und Fakultät so mitgeteilt worden und er konnte sich selbst keinen Reim darauf machen.

Für den SND war dies ein Quantensprung. Einzig die Amerikaner hatten wenig Freude am neuen Mitwisser. Und sie hatten Angst aufzufliegen. Die schweizerische Bundespolizei versuchte immer noch abzuklären, wem die Crypto AG gehörte. Der SND torpedierte die Ermittlungen, indem er den Berner Kollegen seine Erkenntnisse verschwieg oder sie bewusst in die Irre führte.

Das dürfte wohl die Situation sein, die mich damals den Kopf gekostet hat.

Ich hatte ja schon öfters mal erwähnt, dass wir das damals, in den Neunzigern, schon wussten, es stand ja damals sogar schon im SPIEGEL, dass die Crypto AG ein Geheimdienstprojekt ist und der BND mit drinsteckt. Ich kann mich daran erinnern, weil ich mich damals noch mit einigen Leuten darüber unterhalten und das diskutiert hatte.

Und genau das dürfte mich damals den Kopf gekostet haben: Interessiert sich für die Sache Crypto AG/BND, schnüffelt herum und schreibt eine Dissertation darüber, wie man sich gegen Kommunikationsüberwachung wehrt. Und das direkt vor der Nase von eben jenem BND-Direktor Leiberich, der die Operation Rubikon selbst durchgeführt hat. Da haben die dann mal die Notbremse gezogen.

Das erklärt das komische Pseudogutachten des „Doktorvaters” und warum die Fakultät damals der – völlig absurden – Überzeugung war, die Prüfungsgutachten wären Geheimsache und nicht mal ich dürfte sie einsehen. Denn sonst gab es sowas wie Geheimsachen an dieser Fakultät nicht. Und für wen sich der ansonsten notorisch stinkfaule „Doktorvater” und Erstgutachter die Mühe gemacht hatte, sich 18 Seiten Promotionsgutachten aus den Fingern zu saugen (Normal: 2 bis höchstens 4), wenn die doch davon ausgegangen waren, dass ich, nicht mal das Verwaltungsgericht, das lesen dürfte, haben die auch nie beantwortet. Oder warum Beth behauptet hatte, er habe darin „weiterführende Ideen” verewigt, und darin Leiberich geschmeichelt hatte. Warum schreibt man sowas in ein Prüfungsgutachten, wenn man selbst annimmt, dass weder Prüfling noch Gericht es sehen dürften? Für wen schreibt man sowas da rein? Für den echten Empfänger des Gutachtens, Leiberich. Um ihm nachzuweisen, mich zerstört zu haben.

Und wenn die Schweizer da mit drin steckten, was Leiberich ja dann wiederum gewusst haben muss, dann erklärt das auch, warum die Uni als Ersatzgutachter dann plötzlich auf den Schweizer Ueli Maurer von der ETH Zürich kam, obwohl der von vorherein gesagt hatte, dass er dazu nicht nach Deutschland komme und das nicht vor einem Gericht vertreten werde. Maurer war offenbar bewusst, dass er ein Falschgutachten erstellt hatte, und dem wurde das ja auch bald brenzlig unter den Füßen. Er hatte sich ja auch nur zu zwei Seiten einer 180-seitigen Dissertation geäußert, die gar nicht gelesen. Erst meinte er, das sei halt, weil man ihn nicht ordentlich dafür bezahlt hätte. Dann änderte er seine Meinung und gab zu, dass die zwei Seiten doch neu und richtig wären.

Maurer war an einer CIA-versuchten US-Uni, die versuchte, jeden Ausländer zu rekrutieren. Und im Zuge der aktuellen Aufdeckungen hieß es ja, dass die CIA Leute an der ETH Zürich habe, die im Zweifel zuverlässig Falschgutachten ausstellen, um die Operation Minerva vor Aufdeckung zu schützen. An der ETH Zürich gibt es dazu aber nur Maurer mit seinen Leuten. Und genau das, nämlich ein Falschgutachten zu erstellen, um die Operation Minerva vor Aufdeckung zu schützen, hat er in meinem Fall ja auch getan.

Was dann eben auch punktgenau erklärt, wie die Uni Karlsruhe ausgerechnet auf Maurer kam, obwohl sie mit dem bis dahin (meines bis heutigen Wissens) überhaupt nichts zu tun hatte. Wenn das nämlich, wie es in der Schweizer Presse neulich beschrieben wurde, der Notfallplan war, bei Gefahr von Aufdeckung durch Kryptologen Falschgutachten von der ETH Zürich zu holen, dann ist genau dieser Fall eingetreten und Leiberich dürfte über Beth diktiert haben, wer da heranzuziehen ist, woher man solche Notfallgutachten bekommt.

Es war also nicht etwa nur eine Liaison zwischen BND und CIA, es war ein flotter Dreier mit dem Schweizer SND/NDB.

Oder sagen wir mal, mit dem fiesen kleinen Bruder, der hinter das Techtelmechtel des großen Bruders kam und nun erpresste, auch mitbumsen zu dürfen, um die Klappe zu halten. Denn die CIA war anscheinend nicht sehr glücklich darüber.

Ich denke, damit ist die Causa Danisch im Großen und Ganzen ausrecherchiert, das Puzzle zumindest so vollständig, dass das ganze Bild sichtbar ist.

US-Präsident Joe Biden

Zumindest in dieser Hinsicht käme es mir durchaus gelegen, wenn Joe Biden US-Präsident würde.

Denn neulich kam mir ja zur Kenntnis, dass Joe Biden der war, der damals den Clipper-Chip und das Abhörprogramm der USA trieb und die Gesetze dort gemacht hatte. Mag sein, dass ich davon vor 25 Jahren schon gehört hatte, das weiß ich heute nicht mehr, ob mir der Name damals schon irgendwo untergekommen war. Ich hatte mich damals um Kryptologen, und nicht um Politiker gekümmert.

Eine US-Kryptologin, die auch als Sachverständige den Clipper-Chip geprüft hatte (aber offenbar nicht sehr gut, denn später zeigte sich ja der Konstruktionsfehler), war mal zu Besuch bei uns am Institut, saß zur Diskussion mit uns im Institutsseminar, hatte aber von vornherein klargestellt, dass sie zum Clipper nichts sagen werde und man Fragen unterlassen möge, weil sie unter Geheimverpflichtung stehe. Ich bin mir beim Namen nicht mehr völlig sicher, aber ich glaube ziemlich sicher, es war Dorothy Denning. Ich kann mich zwar kaum noch erinnern, aber auch deren Aussehen passt genau zu meiner Erinnerung. Und wir hatten damals schon das Thema Kryptoverbot und Überwachung diskutiert und auch erzählt, was wir so machen, ich kann mich noch so dumpf erinnern, dass wir immer so am Clipper vorbei gefragt hatten. Ich bin da zwar nicht persönlich oder namentlich in Erscheinung getreten, aber es kann natürlich sein, dass wenn die da ja in dieser Geheimdienstnummer drin war, da auch einen Bericht abgegeben hat, da in Karlsruhe, Deutschland, sitzen welche, die das erforschen, was wir nicht exportieren wollen.

Interessant ist deshalb durchaus die Frage, wer genau die Triebfeder hinter der Aktion Clipper-Chip war.

Wenn das nun genau dieser Joe Biden war, der jetzt drauf und dran ist, umstrittener US-Präsident zu werden, könnte da noch das eine oder andere ans Licht kommen.

Umgekehrt wirft es natürlich auch rückblickend ein etwas anderes Licht auf den Clipper-Chip, wenn da nicht etwa nur wirtschaftliche und Antiterror-Interessen hinter der Abhörerei steckten, sondern auch sozialistische.

Und wenn Biden hinter dem Clipper-Chip und Crypto-Verbot steckte (was in den Wikipedia-Artikeln über ihn übrigens nicht erwähnt wird), dann drängt es sich fachlich geradezu auf, dass der auch hinter der Operation Minerva steckte. Das wird man dann noch untersuchen müssen.

Immerhin hätte ich dann endlich mal einen angemessenen Täter und Cryptobösewicht, nämlich den US-Präsidenten und nicht nur Thomas Beth, Otto Leiberich und Ueli Maurer.