Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Frage nach der Hypothese

Hadmut
29.9.2020 23:42

Ein Leser fragt an,

was ich von diesem Artikel hielte: Hypothese: Quantencomputer, Künstliche Intelligenz und Covid-19

Einer stellt die „Hypothese” auf, dass in Geheimlabors total leistungsfähige Quantencomputer erfunden wurden, von denen noch keiner was weiß, wir längst von künstlicher Intelligenz beherrscht und regiert würden, ohne es zu merken, und die WHO und die Regierungen die Pandemie ausrufen, ohne selbst zu wissen, warum, weil ihnen die große KI das so befielt.

Was ich davon halte?

Nichts.

Das fängt schon damit an, dass der nicht weiß, was eine Hypothese ist.

Im Nachfolgenden möchte ich genau eine solche Hypothese formulieren, die ich weder beweisen noch falsifizieren kann. Eine Hypothese, die auf reinen Vermutungen basiert.

Wenn er sie nicht verifizieren oder falsifizieren kann, dann ist es keine Hypothese, denn die ist ja dazu da, veri- oder falsifiziert zu werden. Außerdem dient die Hypothese der Erklärung eines beobachteten empirischen Sachverhalts oder Zusammenhangs. Sich einfach irgendwas willkürlich auszudenken und zu behaupten, auch mit dem Anhängsel „weiß nicht”, ist Phantasy.

Zweitens hätte ich jegliche Anzeichen von Intelligenz in unserer Politik bemerkt, wenn es sie gegeben hätte.

Drittens widerspricht es der Annahme einer Geheimhaltung, dass sich trotzdem alle Regierungen im Prinzip einig sind. Was soll daran noch geheim sein, wenn es alle wissen?

Viertens kann Donald Trump keine Geheimnisse für sich behalten, der hätte längst damit geprahlt.

Ich kenne mich zwar mit Quantencomputern nicht aus, aber so weit sind die bei weitem nicht. Und selbst wenn: Wir müssten sie trainieren, ausbilden wie einen Menschen. Das kann auch noch nicht möglich sein.

Ich halte davon fast nichts.

Was allerdings anzunehmen ist, und teilsweise auch bekannt ist, dass man in kleineren Fragestellungen schon Experten- und KI-Systeme einsetzt. Aktienmärkte beruhen darauf. Neulich gab es ja schon Geschrei, weil eine Pandemiesimulation auf einem uralten Fortran-Code beruhte, den keiner mehr verstehe. Das wäre ein Thema, das sicherlich einem KI-System heuter Leistungsfähigkeit zugänglich wäre.

Denkbar ist das schon, dass man politische Entscheidungen auf solche Teilproblemsimulationen setzt, beispielsweise eine Wirtschaftssimulation fragt, was wäre, wenn in den USA 50 oder 100 Millionen Leute sterben. Könnte man das wirtschaftlich überleben? Wo wäre die Grenze? Und dann Pandemierechnungen anstellt, was zu tun wäre, um unterhalb dieser wirtschaftlichen Todesgrenze zu bleiben. Aber sicherlich nicht mit Quantencomputern. Die sind bestimmt nicht so weit.

Also ich kann mir schon vorstellen, dass in einzelnen Fragestellungen KI-Systeme oder Simulationen zum Einsatz kommen, oder habe auch schon davon gehört. Aber nicht in der Form, wie das hier hypothetisiert wird.

Fragen kann man natürlich schon, wie oft politische Entscheidungen schon auf Ergebnissen von Computersimulationen beruhten.

Kennt Ihr den Film „War Games”?