Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen und der Ruf des Muezzins

Hadmut
28.9.2020 21:39

Ein Leser schickt mir einen Hinweis.

Ich sehe es etwas anders als der Leser.

Das OVG NRW hat eine Klage gegen den freitäglichen Ruf eines Muezzins per Lautsprecher abgewiesen.

Nun sehe ich das aber relativ.

Ich war ja nun schon in einigen islamischen Ländern mit Muezzin.

Einer davon hat mich ganz enorm gestört, nämlich der auf den Malediven, weil der schon im Morgengrauen vor oder bei Sonnenaufgang plärrte. Wenn die einen im Urlaub nicht ausschlafen lassen, finde ich das eine Unverschämtheit, zumal die Leute auf der Insel dort kein arabisch konnten und gar nicht verstanden, was der da von sich gab. Ich habe das auch mal beobachtet, ich bin da mal hin und habe mal von außen durch die Fenster geguckt, wieviel da eigentlich los war. Mal war gar keiner da, mal saßen zweie drin. Die Insel zu tyrannisieren, obwohl es keiner versteht und keiner kommt, ist dann eben auch blanke Belästigung, aber sie waren der Meinung, dass ihnen die Saudis das Ding gestiftet haben, und meinten merkel-stoisch „Nun ist sie halt da.”

Da gibt es auch enorme Qualitätsunterschiede. Es gibt welche, die wenigstens noch einen halbwegs erträglichen Stimmklang hinbekommen und sich ordentliche Lautsprecher leisten können. Es gibt aber auch welche, die sich anhören, als würde man einem Hahn den Hals umdrehen. Das ist nicht so einfach und nur wenige Moscheen können sich einen leisten, der das auch kann.

Weitaus schlimmer war es aber, in Karlsruhe neben einer katholischen Kirche gewohnt zu haben. Jedenfalls Sonntags.

Die haben so einen richtigen Glockenterror gemacht, das hat Sonntag morgens so richtig in den Ohren weh getan, bei voll geschlossenen Fenstern. Ich hatte mir damals einen nagelneuen großen (!) Markenfernseher (Philips) gekauft und konnte weder den noch das Radio so laut drehen, dass ich die Nachrichten noch hätte verstehen können.

Ich bin da mal morgens hingegangen, um zu schauen, wieviel Leute da eigentlich beten gehen. Da kamen auch vielleicht zehn zusammen, derentwegen sie den ganzen Stadtteil terrorisieren. Und das war richtig böse laut, gesundheitsschädlich laut. Ich habe sie gefragt, ob sie nicht Rücksicht auf andere nehmen könnten, das wäre wirklich sehr laut, und der Sonntag immerhin Feiertag, an dem eigentlich Ruhe zu sein hat. Da wurde ich in polemisch-herablassendem Ton belehrt, dass die Geschmäcker verschieden seien, und manche das eben als schön empfänden. (So wie Zigarrenraucher, die meinen, sie stinken nicht, sie duften.)

Ich hatte den Pfarrer (Charaktertyp Extremkotzbrocken) gefragt, warum sie dann, wenn sie die Glocken so schön fänden, sie vor ihrem Gottesdienst laufen lassen und zum Gottesdienst abschalten, anstatt sie während des Gottesdienstes laufen zu lassen. Ob das so wäre, dass sie selbst dann Ruhe haben wollen und den Lärm dann nicht brauchen könnten, wenn sie den Pfarrer verstehen können wollen.

Da wurde der ausfällig und hat mich als Nazi beschimpft, weil die Nazis auch die Kirche abschaffen wollten. Der Pfarrer war offenbar sehr dumm, sonst hätte er gewusst, dass man sowas zu Nazis nicht sagte, weil die Nazis nicht lange mit Leuten gefackelt haben, die ihnen so kamen. Aus katholischer Sicht ist jeder ein Nazi, der unter der Woche arbeitet und Sonntags mal ausschlafen will.

Ich habe auch mal neben einem katholischen Kindergarten gewohnt, dessen Auffassung von Rücksicht auf der gleichen Ebene spielte. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie einen das in den Wahnsinn treiben kann, wenn Kinder direkt vor dem Fenster den ganzen Tag mit Bobby-Cars über einen mit Doppel-T-Steinen gepflasterten Boden rattern, oder sie meinen, dass Bauordnungen, Abstandsregeln, Bepflanzungsabstände oder Ruhezeiten für sie nicht gelten, weil sie die katholische Kirche sind. Oder sogar mit gefakten Bauplänen versuchen, einem betrügerisch eine nachbarliche Zustimmung zu bauordnungswidrigen Umbauten abzuringen (Bodenverlauf viel zu hoch eingezeichnet um die Höhe des Gebäudes über Grund viel niedriger erscheinen zu lassen), weil sie alle für blöd halten und sich nicht vorstellen können, dass andere Leute Baupläne lesen können.

Nach meiner Lebenserfahrung muss ich sagen:

Muezzin ist schlimm.

Katholische Kirche ist schlimmer.

Tut mir leid, wenn ich Euch das jetzt so sage, aber: Wer den Terror durch die Katholische Kirche geduldet hat, hat keine so überzeugende Position gegen den Muezzin.

Gotteslärm ist Gotteslärm.

Machtdemonstration ist Machtdemonstration.

Außerdem waschen sich Muslime vor dem Gottesdienst. Das tun Katholiken nicht.

Digitalbemerkung

Ich hatte schon oft, eben auch die Katholische Kirche damals, gefragt, warum man eigentlich wie im finsteren Mittelalter per Allgemeinlärm rufen muss, anstatt durch Wecker, Handy, irgendein elektronisches Gadget es nur bei denen klingeln lässt, die das wissen wollen. Es wäre (heute) auch überhaupt kein Problem, eine App zu bauen, die schaut, was die nächstbeste Moschee in Geh-Entfernung ist und dann deren Muezzin streamt. Könnte man alles wunderbar machen. Gibt ja auch Apps, die sonst an die Gebete erinnern und gleich die Richtung richtig anzeigen.

Will man nicht.

Es geht nicht darum, ans Gebet zu erinnern.

Es geht darum, gegenüber allen die Macht zu demonstrieren.

Und vielleicht ist es gar nicht so schlecht, der katholischen Kirchen mal so einen geliefert-wie-bestellt-Machtverlust zu verpassen.