Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Vom G-Punkt der Sawsan Chebli

Hadmut
25.9.2020 11:02

Wie der Meucheljournalismus von heute funktioniert.

Dass Journalisten keine Gelegenheit auslassen, sich gegenseitig abzumurksen, wenn einer gegen die politische Linie verstößt, hatte ich schon so oft erwählt.

Ein aktuelles Beispiel findet am Südpol von Sawsan Chebli statt. Liebe geht durch den Magen, Hass geht durch die … ach, lassen wir das. Zitieren wir lieber mal, wie die TAZ die Sache beschreibt:

Der Journalist Roland Tichy, der die rechtspopulistische Website „Tichys Einblick“ betreibt, tritt als Chef der Ludwig-Erhard-Stiftung zurück. Seine Website hatte eine sexuelle Denunziation der SPD-Politikerin Sawsan Chebli veröffentlicht, die regelmäßig Hassobjekt von Rechtspopulisten und Rechtsextremen ist. „Was spricht für Sawsan? Befreundete Journalistinnen haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können“, hieß es in „Tichys Einblick“, einem Forum rechtskonservativer und rechtspopulistischer Ideen. Chebli kommentierte: „Ein besonders erbärmliches, aber leider alltägliches Beispiel von Sexismus gegen Frauen in der Politik.“

Jessas! Das muss man aber schon sehr, sehr empfindlich, mikroskopfeministisch, hypersensibel sein, geradezu manisch nach einem Anlass suchen, um sich darüber aufregen zu können.

Wobei das ja auch eher ein Kompliment gewesen sei, der Versuch, überhaupt irgendetwas Positives an ihr zu finden. In Berlin gerüchtet es, dass wirklich gar niemand, nicht mal in der SPD sie leiden könnte, weil es an ihr eben überhaupt nichts Positives gäbe, sie eben immer nur damit auffällt, sich permanent zu beklagen, beschweren, zu fordern und verlangen. Insofern wäre diese Aussage Tichys über sie das mit Abstand Schmeichelhafteste, was mir über sie zu Ohren gekommen wäre – immerhin gesteht er ihr einen Pluspunkt zu, wenn auch möglichst weit weg vom Hirn.

Der Knackpunkt ist: Folgt man der Pressemeute und streicht den Punkt G-Punkt, bleibt gar nichts mehr übrig, denn auch Organe wie die TAZ stellen nicht klar, was die Frau eigentlich kann und arbeitet und macht. Auch mir erschließt sich das nicht, obwohl sie ja viel öffentlich äußert und twittert, aber nach meiner Wahrnehmung immer nur ihre Privatinteressen und Beschwerden und Gemecker, dafür dann allerdings mit Staatssekretärinnengehalt. Würde mich mal interessieren, was die eigentlich macht. Ich war ja mal als Sachverständiger im Berliner Abgeordnetenhaus. Da war die auch dabei und hat das so eröffnet, als sei es ihre Veranstaltung und sie die Herrin im Saal, war aber sofort weg, als es mit der Arbeit anfing. Ich könnte mich nicht erinnern, von der jemals irgendeine Aussage gehört oder gelesen zu haben, die auf irgendein inhaltliche Tätigkeit, auf das Bearbeiten oder gar Lösen irgendeiner dienstlichen Aufgabe schließen ließe. Mir hat sich bisher nicht erschlossen, was die da eigentlich macht, außer ihre eigenen Interessen zu verfolgen. Die TAZ scheint es auch nicht zu wissen.

Beachtlich ist auch die Doppelzüngigkeit der TAZ. Als deren MÜllexpertin Hengameh Yaghoobifarah die Polizei generell für Müll erklärte, da hielt man das selbstverständlich für Meinungs- und Pressefreiheit, Satire und so weiter, das dürfe nicht kritisiert werden. Als die Kritik dann doch zuviel wurde, hat man einen Blubbertext verfasst, der etwas abkühlen sollte, aber ansonsten ist nichts passiert. Sie hat man nicht rausgeworfen. Es sind nicht die Maßstäbe, die mich so besonders ankotzen. Es sind die doppelten Maßstäbe.

Solidarität kommt natürlich von Dorothee Bär, von der habe ich ja bisher auch nicht herausfinden können, was sie eigentlich macht oder kann oder wofür sie Staatsministerin ist, die zwei passen perfekt zusammen:

Umso bemerkenswerter, wie wirkungsvoll die CSU-Politikerin Dorothee Bär auf einen weiteren, besonders krassen Fall von Sexismus reagierte. „Das ist widerlicher Dreck! Wo steht denn so ein Müll?“, twitterte Bär, als sie einen Artikel über die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) las. Darin stand: „Was spricht für Sawsan?“ Und weiter: „Befreundete Journalistinnen haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können.“

Das ist wahr. Für jemanden mit der intellektuellen Tiefe und kompetenten Reichweite einer Dorothee Bär ist ein Tweet schon ziemlich das Maximum, was in ihrem Wirkungsspektrum liegt. Immerhin hatte sie Twittern ja schon zur Staatsministerin für Digitalisierung gebracht. Die Pressestelle der Bundesregierung konnte mir bisher keine Auskunft darüber geben, was sie bisher bewirkt hätte. „Umso bemerkenswerter, wie wirkungsvoll…” ist halt doppeldeutig. Die zwei passen echt zusammen.

Auch die öffentlich-rechtlichen Medien stimmen da voll ein:

Kommt aber der ZDF-Böhmermann mit seinem Ziegenficker zu Erdogan, oder „Fick Dich, Opa” zu Seehofer, dann ist das selbstverständlich Satire, und satire darf alles. Und das Geschwätz von Christian Ehring in Extra 3 unterliegt bei denen natürlich auch grenzenloser Satirefreiheit, etwa als der Alice Weidel als Nazi-Schlampe bezeichnete. Vor noch gar nicht allzu langer Zeit hieß das bei denen noch Je suis Charlie, als man noch für journalistische Meinungsfreiheit eintrat, aber das war Januar 2015, vor der großen Migration und der Sakrosanktisierung alles Migrationshintergründigen.

Ist das alles so verlogen.

Journalismus kann weg.

Aktennotiz: Keinerlei Pluspunkte bei Sawsan Chebli.