Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Hausdurchsuchung der Zukunft

Hadmut
25.9.2020 17:08

Uuuuh.

Ich habe heute ein Produktankündigung gesehen. Die Amazon-Tochter Ring, die Überwachungskameras, Funk-Türklingeln und sowas für Wohnungen anbietet, stellt eine Indoor-Überwachungsdrohne vor:

Das Ding sitzt in einem Sockel, der es lädt, und – wird als Datenschutzfeature beworben – die Kamera bedeckt. Die kann nichts sehen, solange das Ding im Sockel steckt. Dann kann das Ding aber ferngesteuert oder automatisch ausgelöst losfliegen, und etwa verschiedene vorkonfigurierte Punkte in der Wohnung anfliegen, also sowas wie einen Kontrollgang. Sie schreiben, das Ding sei extra so gebaut (blabla…) dass man die Rotoren deutlich hört, damit man nicht heimlich beobachtet werden kann.

Erster Gedanke: Oh, geil, sowas hätte ich schon oft gebraucht, wenn ich verreist bin. Wäre eine tolle Sache, wenn man mal die Wohnung durchgucken kann, ob alles in Ordnung ist. Allerdings müsste das Ding dann auch noch in der Dunkelheit sehen können und Infrarotbeleuchtung haben.

Zweiter Gedanke: Ach du Scheiße. Jeder, der Kontrolle über das Ding hat, kann meine Wohnung durchsuchen. Und das sind nicht nur der Anbieter und vielleicht irgendwelche Hacker, sondern es könnte auch eine gerichtliche Anordnung, Staatsanwaltschaft, Polizei sein, die ja sonst auch immer alles, was digital ist, greifen, zumal es ja nun dieses neue Gesetz zur Bekämpfung unerwünschter Meinungen gibt, das die Herausgabe von Passworten erzwingt.

Man könnte also, ohne die Tür aufzubrechen oder dass Nachbarn das merken, wenn ich gerade mal nicht in der Wohnung bin, was sich ja oft leicht feststellen lässt, die Wohnung durchsuchen, schauen, was auf meinem Schreibtisch rumliegt, und so weiter.

Die Idee an sich ist gut, aber die Konsequenzen sind eine Katastrophe.

Nun überlege ich gerade, ob man damit eigentlich auch morden kann.

Eine brennende Kerze könnte man womöglich umwerfen. Oder vielleicht irgendwas auslösen, was auf Annährung, Bewegung, Sensor reagiert.