Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Beachtliche Ärzte

Hadmut
11.9.2020 22:32

Wisst Ihr, was ich für einen absoluten Brüller halte?

Dass die russischen Ärzte im Fall Nawalny kategorisch ausgeschlossen haben, das er vergiftet worden sei, es sei absolut kein Gift und keine Giftwirkung erkennbar, Nawalny aber nur überlebt hat, weil sie ihm sofort das passende Gegenmittel gespritzt hatten.

Im Fernsehen sagte eine Frau aus seinem Umfeld, man habe ihm Atropin gespritzt. Nun ist Atropin nicht allzu spezifisch, uns haben sie damals bei der Bundeswehr schon beigebracht, dass wir im Kriegsfall „Atropin-Autoinjektoren” bekommen, also kleine Spritzen, die von selbst spritzten (keine Ahnung, wie, Feder, Gasdruck, keine Ahnung), die wir uns im Fall eines Angriffs mit Nervenkampfstoffen spritzen sollten.

Die Ansage war, dass man sich nicht erst mit Desinfektion oder dem Freilegen einer schönen Stelle am Körper abgeben solle, sondern im Falle des Falles das Ding (ich habe so ein Ding damals nie gesehen, angeblich lägen die im Kriegsfall im Essenskarton mit drin oder würden ausgeteilt, hier gibt’s eine Beschreibung und Erklärung) einfach nur so schnell wie möglich mit der Faust auf dem Oberschenkel schlagen, damit die Nadel durch die Hose in den Muskel geht.

Auf die Frage, woran man erkenne, dass man das jetzt tun soll, hieß es (damals etwas derber formuliert), die Frage stelle sich nicht. „Im Zweifel rein damit”. Allerdings hatte uns einer auch mal erklärt, dass das im Angriffsfall so schnell gehe, dass man nicht mehr in der Lage sei, sich eine normale Spritze zu geben und reinzudrücken. Das hätte einen Grund, warum die Dinger von selbst losgehen. Man hätte vielleicht noch die Chance, das Ding aus der Tasche zu holen und sich aufs Bein zu schlagen, da hätte man schon Glück, wenn man das noch schaffe. Und dann das Würfelspiel, ob man am Atropin stirbt, an Kampfstoff stirbt oder sich beides ungefähr ausgleicht.

Anscheinend wirkt es tatsächlich. Falls man dann noch gefunden und in eine Intensivstation geflogen wird.

Insofern finde ich das beachtlich, dass im oben verlinkten WELT-Artikel beschrieben wird, dass die Franzosen sich für den Fall eines Chemiewaffenangriffs mit dem Zeug aufmunitionieren.

Bei uns sind sie auf einen Chemiewaffenangriff wahrscheinlich so mit Autoinjektoren ausgestattet, wie mit Masken gegen Corona.

Ist aber nicht so schlimm, dafür haben wir hier ja ein funktionierendes Alarmsirenennetz.

Ging alles schief?

Viele sagen ja, die Russen könnten eigentlich nicht dahinterstecken, dafür sei das Ding zu schief gegangen. Wenn die Russen jemanden umbringen wollten, dann sei der auch tot.

Das könnte eine Fehleinschätzung sein. Denn offenbar ist es da wichtig, dass man den eigentlichen Mordvorgang nicht bemerkt, dass der Täter nicht gesehen wird. Klar kann man ihn einfach erschießen oder überfahren. Aber das ist immer etwas, wo die Leute sofort merken, dass das jetzt ein Mordanschlag war. Hier war das nach diesem Focus-Artikel wohl so gedacht, dass der den Flug einfach nicht überlebt, und keiner weiß, wer es war. Irgendwo eine Berührung oder sowas. Es gab doch mal diesen Mord an einem Ostblock-Dissidenten per Regenschirm. Es geht oft darum, dass der Mörder längst weg ist, bis man merkt, dass es Mord war.

Anscheinend hatte man nicht damit gerechnet, dass der Pilot da wohl sofort eine Notlandung hinlegt, sie den sofort ins Krankenhaus bringen und völlig ahnungslose Ärzte, die da kein Gift erkennen und meinen, das müsse irgendein Stoffwechselproblem sein, aber bestimmt kein Gift, ihm genau das richtige Gegengift spritzen.

Und angeblich hieß es auch, dass das Zeug laut Beipackzettel nach zwei Tagen nicht mehr nachweisbar wäre. Nach zwei Tagen hat man ihn nach Deutschland gelassen, nachdem das Ding wohl schon so richtig schief gegangen ist, in der Annahme, dass die Deutschen das nicht finden können, weil das ja jetzt noch eine viel härtere Variante sein soll, für die man noch viel weniger braucht, und dann konnten die das doch. Das ist dann wohl auch noch schief gegangen.

Pleiten, Pech und Pannen?

Mich würde interessieren, wie es den Piloten und den Ärzten dort künftig so ergeht. Ob die vielleicht auch Stoffwechselprobleme bekommen.