Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Zum Begriff des Faschismus und der Antifa

Hadmut
14.8.2020 18:04

Warum, wieso, woher?

Ein Leser hat mir einen bemerkenswerten Hinweis zum Ursprung des Begriffs Faschismus geliefert.

Genau genommen ist das nicht (unbedingt) der Ursprung, der Begriff könnte vorher schon existiert haben, aber es ist der Hinweis, wie er zum Standardbegriff der Linken geworden ist (in Übereinstimmung mit meinen früheren Blogartikeln, wonach Faschismus ursprünglich vom italienischen fascio kommt und die Italiener unter Mussolini meinte, dann aber auf alles Gegnerische ausgeweitetet wurde, weil die prügelnden Anhänger des Kommunismus zu doof waren, sich einen zweiten Begriff als Feindbild zu merken.

Der Leser schreibt:

Am 26. Januar 1934 ordnete Stalin auf dem 17. Parteitag der KPdSU(B) an, statt “Nationalsozialismus” und “nationalsozialistisch” die Begriffe “Faschismus” und “faschistisch” zu gebrauchen. Dazu sagte er: “… selbst bei gründlichster Prüfung ist es unmöglich, in ihm auch nur eine Spur Sozialismus zu entdecken”.

Quelle: J.W. Stalin Werke, Band 13, Dietz Verlag Berlin 1955, S. 169
https://kommunistische-geschichte.de/StalinWerke/stalin-band13.pdf

Schauen wir da mal rein.

Seite 164:

Auf politischem Gebiet waren dies Jahre der weiteren Verschärfung der Beziehungen sowohl zwischen den kapitalistischen Ländern als auch innerhalb dieser Länder. Der Krieg Japans gegen China und die Okkupation der Mandschurei, die die Beziehungen im Fernen Osten verschärften; der Sieg des Faschismus in Deutschland und der Triumph des Revanchegedankens, die die Beziehungen in Europa verschärften; der Austritt Japans und Deutschlands aus dem Völkerbund, wodurch dem Anwachsen der Rüstungen und den Vorbereitungen zum imperialistischen Krieg ein neuer Anstoß gegeben wurde; die Niederlage des Faschismus in Spanien[71], die ein übriges Mal gezeigt hat, dass eine revolutionäre Krise heranreift und dass der Faschismus keineswegs von langer Lebensdauer ist – das sind die wichtigsten Tatsachen aus der Berichtsperiode.

Seite 168/169:

Die Volksmassen sind noch nicht dahin gelangt, zum Sturm auf den Kapitalismus überzugehen, es kann aber wohl kaum daran gezweifelt werden, dass die Idee des Sturmes im Bewusstsein der Massen heranreift. Davon zeugen eindringlich solche Tatsachen wie die spanische Revolution, die das Regime des Faschismus gestürzt hat, und die Ausdehnung der Sowjetgebiete in China, der die vereinigte Konterrevolution der chinesischen und ausländischen Bourgeoisie nicht Einhalt zu gebieten vermag.

Daraus erklärt sich denn auch die Tatsache, dass die herrschenden Klassen der kapitalistischen Länder die letzten Überreste des Parlamentarismus und der bürgerlichen Demokratie, die von der Arbeiterklasse in ihrem Kampf gegen die Unterdrücker ausgenutzt werden können, geflissentlich vernichten oder auf ein Nichts reduzieren, die kommunistischen Parteien in die Illegalität treiben und zu offen terroristischen Methoden der Aufrechterhaltung ihrer Diktatur übergehen.

Chauvinismus und Kriegsvorbereitungen als Hauptelemente der Außenpolitik, Niederhaltung der Arbeiterklasse und Terror auf dem Gebiet der Innenpolitik als notwendiges Mittel zur Stärkung des Hinterlands der künftigen Kriegsfronten – das ist es, was die heutigen imperialistischen Politiker jetzt besonders beschäftigt.

Kein Wunder, dass der Faschismus jetzt zum gangbarsten Modeartikel unter den kriegslüsternen bürgerlichen Politikern geworden ist. Ich spreche nicht nur vom Faschismus überhaupt, sondern vor allein von dem Faschismus deutschen Schlages, der sich zu Unrecht Nationalsozialismus nennt, denn selbst bei gründlichster Prüfung ist es unmöglich, in ihm auch nur eine Spur Sozialismus zu entdecken.

In diesem Zusammenhang darf man den Sieg des Faschismus in Deutschland nicht nur als ein Zeichen der Schwäche der Arbeiterklasse und als Ergebnis der Verrätereien an der Arbeiterklasse seitens der Sozialdemokratie betrachten, die dem Faschismus den Weg ebnete. Man muss ihn auch als Zeichen der Schwäche der Bourgeoisie betrachten, als Zeichen dafür, dass die Bourgeoisie nicht mehr imstande ist, mit den alten Methoden des Parlamentarismus und der bürgerlichen Demokratie zu herrschen, und in Anbetracht dessen gezwungen ist, in der Innenpolitik zu terroristischen Regierungsmethoden zu greifen – als Zeichen dafür, dass sie nicht mehr imstande ist, einen Ausweg aus der jetzigen Lage auf dem Boden einer friedlichen Außenpolitik zu finden, weshalb sie gezwungen ist, zur Politik des Krieges zu greifen.

Das ist die Lage.

Obwohl die italienischen Faschisten und die deutschen Nationalsozialisten durchaus ziemliche eben Sozialisten waren und das politische Programm der NSDAP ziemlich viele sozialistische Ziele enthielt, die denen der SPD und Linken sehr ähnlich sind, hat es Stalin überhaupt nicht gepasst, dass der Gegner die Bezeichnung „Sozialismus” trug. Man brauchte ein Schimpfwort, in dem „Sozialismus” nicht vorkam, um also nicht mehr „Nationalsozialisten” sagen zu müssen und nicht erklären zu müssen, warum es guten und schlechten Sozialismus geben könnte.

So etablierte sich dann der Begriff des Faschismus. Einfach aus PR-Gründen, weil die Nationalsozialisten das „Sozialisten” im Namen führten und ein Ersatzwort her musste.

Und so darf man heute wohl getrost alle, die von „Faschisten” reden oder sich „Antifa” nennen, Stalinisten nennen, die immer noch dem großen Diktator gehorchen.