Ansichten eines Informatikers

Korrektur zur Abschaffung der Einkommensteuer durch Trump

Hadmut
13.8.2020 21:57

Stimmte so wohl womöglich vielleicht eventuell unter Umständen nicht.

Ich hatte ja berichtet, dass Trump zur Dämpfung der wirtschaftlichen Corona-Folgen (und vermutlich zur Verbesserung seiner Wahlchancen) in den USA die Einkommensteuer für Einkommen bis 100.000 $ bis Jahresende abschaffe.

Stimmt so wohl nicht, ist aber nicht leicht zu erkennen, denn nicht nur andere schrieben das so, sondern auch die vielen Leser, die mir inzwischen schrieben, dass das wohl falsch ist und sich anders verhält, formulierten das durchweg mehr oder weniger vorsichtig und zurückhaltend, teils vage. So ganz sicher sind sich da auch nicht alle, die schreiben, selbst wenn sie aus den USA schreiben oder dort gearbeitet haben.

Das Problem ist, dass das Steuersystem in den USA schwer zu durchblicken ist und es nicht eine einzelne Einkommensteuer gibt, sondern da Bund und Staat und womöglich noch der landkreis jeder seine eigenen Steuern erheben. Ich hatte mal gelesen und auch schon bebloggt, dass die Corona-Krise und das daraus folgende Home-Office dazu führt, dass die Leute in Scharen aus San Francisco wegziehen, weil dort a) die Mieten sehr teuer sind, b) kalifornisch-sozialistische Steuern sehr hoch sind und es c) inzwischen anderswo viel angenehmer sei, angeblich beispielsweise Texas. Ich hatte auch schon erwähnt, dass viele Leute, die emigrieren wollen, erst mal nach Florida ziehen und dort einige Zeit bleiben, weil Amerikaner nach amerikanischem Recht auch im Ausland besteuert werden, und das nach dem Steuersatz ihres letzten Wohnortes mit Mindestwohndauer. Also ziehen sie alle angeblich erst mal dahin, wo die Steuern niedrig sind, bevor sie aus den USA rausziehen. Und das sei beispielsweise Florida.

Es läuft wohl darauf hinaus, dass Trump ihnen nur die „Payroll Tax” erlasse, was aber begrifflich fast so etwas wie eine Einkommensteuer ist, aber in der Regel mit „Lohnsteuer” übersetzt wird, weil es nicht alle betrifft sondern nur Leute, die in bestimmten Arbeitsverhältnissen bezahlt werden. Angeblich fallen Selbständige und manche Angestellte da nicht drunter. Bei Wikipedia heißt es zur USA:

In the United States, payroll taxes are assessed by the federal government, some of the fifty states (Alaska, Florida, Nevada, South Dakota, Texas, Washington, and Wyoming do not have state income tax; New Hampshire and Tennessee only tax income from interest and dividends), Washington, D.C., and numerous cities. These taxes are imposed on employers and employees and on various compensation bases and are collected and paid to the taxing jurisdiction by the employers.

Was erklären würde, warum die zum Arbeiten nach Texas und zum Emigrieren nach Florida ziehen, wenn es dort keine Einkommensteuer des Staates gibt. Die Bundessteuer müssen sie aber wohl trotzdem zahlen.

Zuschriften:

Hallo Hadmut,

da ich eine Zeit in den USA gearbeitet habe, ist mir die payroll tax ein Begriff. Mein Verständnis ist aber, dass diese nicht mit unserer Lohnsteuer gleichzusetzen ist, eher mit der Kranken- und Arbeitslosenversicherung. Auf der Gehaltsabrechnung wird die payroll tax dementsprechend in einen Anteil für Medicare und Social Security unterteilt. Abgezogen wurden 15% und 3% auf maximal 80–100k USD (der Betrag stieg jedes Jahr an und müsste jetzt bei etwa 120k liegen, wenn die Steigerungen so weitergingen.

Guten Morgen Herr Danisch,

payroll tax ist die Lohnsteuer. So auch in der Übersetzung. Sie ist eine Form der Erhebung der Einkommensteuer , eine Vorauszahlung für Arbeitnehmer. Also der Einbehalt auf Löhne und Gehälter. Wer keinen Arbeitgeber hat, weil er selbständig ist oder Vermietungseinlünfte hat, ist davon nicht betroffen. Er zahlt weiter seine Vorauszahlungen.

Damit stellt sich die die Frage, was geschieht, wenn die Jahreserklärung abzugeben ist. Dann wird die Einkommensteuer f0r das Jahr ermittelt und die Lohnsteuer wie eine Vorauszahlung angerechnet. Dass die Lohn- und Gehalzsempfänger von der Abgabe der Jahreserklärung befreit sind, steht nirgends. Könnte also sein, dass die Steuer dann nachzuzahlen ist.

So gesehen sind die Informationen unvollständig. Zeigt, wie wenig Journalisten sich mit ihren Themen auseinandersetzen. Dabei sollte doch fachliche Recherche zum Berufsbild gehören.

https://www.dasgelbeforum.net/index.php?id=536922

Da erklärts einer: payroll tax seien praktisch die Sozialabgaben auf die
Lohnsteuer.

Lohnsteuer und Einkommensteuer seien davon unberührt; und die Payroll
tax müsse Ende des Jahres nachgezahlt werden (“holiday”).

Also nix üppiges.

Und da steht

Die sog. “Payroll Tax” besteht aus Social-Security- und Medicare-Abgabe (6,2% bzw. 1,45%). Diese Abgabe ist ausserdem nur aufgeschoben, muss also spaeter nachgezahlt werden.

Lohn- und Einkommensteuern muessen nach wie vor gezahlt werden. Auch hier gibt einen Vorsteuerabzug auf dem regelmaessigen (hier meist 14-taegigen) Lohnschein. Das ist davon nicht betroffen. Der Vorsteuerabzug wird dann wie in Deutschland bei der Einkommenssteuererklaerung verrechnet.

Hadmut,

nach meiner Erinnerung habe ich damals als Angestellter der […] sowohl federal income tax (‘payroll tax’) als auch state tax bezahlt. Der Loewenanteil war die federal income tax. Irgendwo habe ich den Papierkram aufgehoben… Aber vielleicht weiss einer Deiner anderen Leser was Aktuelles.

Ganz ohne Steuern geht’s also auch fuer die auf Einkommen unter $100k nicht. Aber Erlass der Einkommenssteuer ist mal ein guter Anfang fuer alle, die zwar noch Lohn erhalten, aber weniger Stunden arbeiten. Sozialhilfe und Arbeitslosenunterstuetzung ist in den USA meines Wissens nicht so happig.

Wenn’s hilft, dass die Mehrheit der Amerikaner die naechsten Monate uebersteht ohne bei ihren Hypotheken in Verzug zu geraten, koennte das die naechste Hypothekenkrise in den Staaten abwenden helfen.

Hallo,

die payroll tax ist die vom Arbeitgeber abgezogene Lohnsteuer.

Das ist also ein Kredit über die Lohnsteuer bis sie nächstes Jahr bei der Jahressteuererklärung nachgezahlt werden muss.

Also nix für Selbständige oder Rentner die von Kapitalerträgen leben, sondern ausschließlich für Angestellte (in CA und NY durchaus kleine Angestellte, da braucht es schon 100k um ein kleines Häuschen oder normale Wohnung zahlen zu können).

Im April kann Trump dann die Nachzahlung stornieren und wieder Punkte sammeln.

Oder er verliert die Wahl und überlässt es seinem Nachfolger entweder die Trump-Politik für gut zu halten oder die fehlende Steuer einzufordern…

Gruß,

Hi,

hier ist was von Martin Armstrong zum Thema: https://www.armstrongeconomics.com/international-news/politics/trump-abolishing-the-income-tax/

Es scheint, dass sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass die Politik sowieso nicht aufs Schuldenmachen verzichtet und man daher genauso gut das Problem zum Prinzip erheben kann. Das folgt lose Milton Friedmanns Vorschlag, den Staat über die Notenpresse zu finanzieren und im Gegenzug möglichst viele Steuern abzuschaffen.

Meines Erachtens würde das auf eine Art zweigleisiges Währungssystem hinauslaufen mit dem normalen Dollar als Alltagszahlungsmittel und einem “T-Bill Dollar” als eine Art Verrechnungswährung für Wirtschaft, Politik und internationale Transaktionen. Als T-Bills werden heute schon kurzlaufende Anleihen bezeichnet, die wegen ihrer rechtlichen Einstufung besonders liquide sind und daher von der gesamten Banken- und Finanzindustrie als eine Art Schmiermittel für das System verwendet werden, um es liquide zu halten (zB bei Interbankenkrediten).

So ein System wäre nicht neu. Schon früher gab es zweigleisige Währungssysteme mit Silber als Alltagswährung und Gold als Außenwährung. Sogar Kuba hat ein solches System. Der große Unterschied zwischen einem funktionierenden derartigen System besteht dabei in der Rechtssicherheit. Ist diese gegeben, dann gibt es keine rabiaten Kapitalflüsse und alles läuft stabil und ohne Inflation. Nur dann, wenn (idR politischer) Mist gebaut wird, läuft es nicht gut.

Der Vorteil zu Gold/Silber ist, dass man Friktionen vermeiden kann, die auch mit kompetenter Politik auftreten können, der Nachteil ist, dass es Vertrauenskapital braucht.

So ganz einig, ob es jetzt die Bundeslohnsteuer oder die Sozialabgaben sind und ob die erlassen oder gestunden werden, sind sich die Leser auch nicht so ganz.

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob Trump selbst es besser verstanden hat.