Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Apple und die Mediendateiformate

Hadmut
6.8.2020 19:13

Boah, jetzt aber!

Ich habe in letzter Zeit ein paarmal Graphiken als webp eingebunden, und bekomme jedesmal Meckermails von Lesern mit Mac, iPhone, iPad, dass sie die Graphiken nicht sehen können.

Sogar ein Professor meckerte an, dass ich doch gefälligst bei JPEG bleiben möge, weil eine durchoptimierte Version von JPEG doch besser als webp sei, und für Graphiken mit Animationen oder Alpha-Channel, die er bei mir ja sowieso kaum sehe (warum wohl?), gebe es doch die altbewährten Format GIF und PNG. Als ob nicht das Argument, dass man für drei Anforderungen drei unterschiedliche Formate mit gänzlich unterschiedlichen Eigenschaften verwenden solle, nicht schon per se das Argument dagegen sei. Nur so nebenbei: GIF basiert heute in der Regel auf der Version GIF89a, die, wie der Name schon sagt, von 1989 und damit aus der Steinzeit der Computergraphik stammt, mit 8-Bit-Lookup-Table. JPEG ist von 1991.

Ich denke, so nach 30 Jahren darf man auch mal ein neues, an die modernen Geräte und Anforderungen besser angepasstes Dateiformat verwenden. Mein neuestes Handy hat inzwischen auch kein Diskettenlaufwerk mehr. (Lacht nicht, damals so um die Zeit hatte ein Kumpel und Kollege eine der ersten Digitalkameras, die noch ein Diskettenlaufwerk hatte und auf Disketten aufzeichnete, was er für den unschlagbaren Vorteil hielt, weil man die in jedem Laden bekommt. Dieses neumodische Teufelszeug namens Speicherkarte werde sich niemals durchsetzen, weil zu teuer und nur sehr schwer zu kriegen.) Tut mir leid, dass Ihr es von mir altem Sack erfahren müsst, aber: Die Zeiten ändern sich.

Man kann sich natürlich darüber streiten, ob man das in 20, 30, 100, 500 Jahren noch wird lesen können (oder wollen). Man muss es natürlich dokumentieren. Andererseits sind einheitliche und vor allem offene, patentfreie Formate auch viel wert, wenn es um Persistenz geht.

webp ist – meines Wissens, näher habe ich mich nicht damit befasst – ein Ableger des offenen Videoformats VP8 (von dem es allerdings auch schon verbesserte Nachfolger gibt). Ich hatte ja neulich schon erwähnt, dass Apple ab Herbst auch webp in den Browsern unterstützen will.

Anscheinend hatte sich Apple da lange geperrt, aber weil Youtube dessen Nachfolger VP9 inzwischen als Videoformat für hohe Auflösungen und hohe Abrufzahlen einsetzt, konnte man da nicht mehr weggucken. Heise meldet, dass Apple demnächst dann auch VP9 unterstützen will, was anscheinend im direkten Zusammenhang steht.

Apple will den Google-Codec VP9 nicht länger ignorieren. Die kommenden Betriebssystemversionen des Herstellers unterstützen VP9 offenbar erstmals auf Systemebene: Damit wird es auch im Apple-Browser Safari wieder möglich, YouTube-Inhalte in 4K abzuspielen.

Seit Google respektive YouTube vor gut drei Jahren begonnen haben, für 4K-Videos in großem Umfang auf VP9 zu setzen, müssen Mac-Nutzer für die hochaufgelöste Wiedergabe auf Dritt-Browser wie Google Chrome ausweichen – und die leistungshungrige Software-Dekodierung der Videos in Kauf nehmen.

Apple hat den Support für die Wiedergabe YouTube-Videos in 4K HDR in Safari (und dem Browser-Unterbau WebKit) in den Release Notes der jüngsten Beta von macOS 11 Big Sur bestätigt. Die Dekodierung erfolgt auf aktuellen Macs per Hardware, wie Entwickler mit Zugriff auf die Beta berichten, selbst 8K-Inhalte sollen sich ohne merkliche Erhitzung auf einem aktuellen MacBook Pro wiedergeben lassen.

Für die Wiedergabe von HDR-Inhalten setzt Apple bislang schon einen Mac ab Baujahr 2018 (iMacs ab 2020) voraus, ähnliche Voraussetzungen dürften für die Hardware-Dekodierung von VP9 gelten.

Offenbar Animositäten zwischen den Konkurrenten Apple und Google.

Beachtlicherweise führt das dann dazu, dass man endlich 4K-Videos auf dem iPhone gucken kann.