Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

IT-Fachkräfte

Hadmut
4.8.2020 12:08

Ich weiß gerade nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Und ich habe den Eindruck, ich werde es noch lange nicht wissen.

Die WELT hat einen Artikel über IT-Fachkräfte-Rekrutierung in der Autobranche. Kein Abitur, keine Vorkenntnisse – Die Autobranche lässt die letzten Hürden fallen

Die Tussi auf dem Aufmacherfoto erinnert mich an die, die den Lötkolben am heißen Ende hielt.

Die großen Hersteller rekrutieren auf allen Kanälen – und werfen alte Bildungsmodelle über Bord. Studium und Ausbildung werden plötzlich nebensächlich.

Sie suchen keine Nerds und keine Streber. Sie suchen jüngere Menschen, die Karriere mit Informationstechnologien machen könnten – auch wenn sie es selbst noch gar nicht wissen. 2019 startete Volkswagen seine „Fakultät 73“, ein Institut zur Ausbildung von Software-Entwicklern.

Bewerber brauchen für das zweijährige Programm weder Abitur noch ein Studium, sondern vor allem eine Affinität für Computer und Software. Ob diese Begeisterung vorhanden ist, wird in der Auswahl ermittelt. Volkswagen bietet den Absolventen eine Ausbildungsvergütung, Fortbildung – und die Aussicht auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz. […]

Überall jedoch mangelt es an IT-Kräften, in der Privatwirtschaft wie auch in den öffentlichen Verwaltungen. Unternehmen wie Volkswagen, Daimler, BMW, Bosch oder Continental verstärken deshalb ihre Anstrengungen, um an den begehrten Nachwuchs heranzukommen – und um Mitarbeiter aus anderen Unternehmensbereichen umzuschulen.

Mit der „Fakultät 73“ öffnet Volkswagen in Wolfsburg den Zugang zur IT, für interne und externe Bewerber. Sie brauchen weder Abitur noch Vorkenntnisse in den Informationstechnologien. „Wir sind damit personalpolitisch bei Volkswagen neue Wege gegangen“, sagt Gunnar Kilian, Personalvorstand des Konzerns.

Nun sehe ich da mehrere Aspekte.

Aspekt Qualität

Ein Leser, der mir den Link schickte, fasste es so zusammen:

Hallo Herr Danisch,

wir können uns schon auf die Ausschnitte aus Lebensläufen freuen die bald im Netz die Runde machen werden. Das sieht dann ungefähr so aus („künsterische Darstellung“):

3 Jahre Grundschule
5 Jahre Textilfabrik
2 Jahre Erntehelfer
4 Jahre Bauhhelfer
seit 2021 IT-Experte bei Bosch

Da ist was dran.

Vor allem deshalb, weil sich dass Philosophen- und Journalistendummvolk ja immer so gerne im Fernsehen einen an der Frage runterholt, ob sich das Auto beim Unfall für die Hinrichtung der Oma oder der Mutter mit Kindern entscheiden solle. Das könnte zu „Mach isch voll krassen Unfall, ey!” werden.

Oder so „Dass 2+2=4 ist, hat mir keiner gesagt…”

Aspekt Uni-Abkehr

Das lachende Auge sieht, dass die anscheinend inzwischen auf die Hochschulausbildung pfeifen. Womöglich sehen die da inzwischen eine Diskrepanz zwischen dem Anspruchsdenken und Können von Uni-Absolventen. Denen wird das auch zunehmend so gehen:

In den USA haben die großen Firmen ja auch angefangen, auf den Uni-Abschluss zu pfeifen und die Leute einfach selbst zu prüfen oder auszubilden. Die Universitäten verblöden im Galopp, sich selbst und die Studenten, und wenn da nur noch irgendwelche Woke-Idioten kommen, die gar nichts mehr können, aber ständig Streit vom Zaun brechen, sich über alles beschweren, und als einziges Projekt kennen, die Firma von links zu zerstören, und dann noch erklären, dass 2+2=4 nur eine sozialisierte Zuordnung sei und alle anderen Ergebnisse gleich viel wert seien, wird man sich dann auch überlegen, ob man mit einem Erntehelfer nicht besser dran ist, der verstanden hat, dass abends ein Ergebnis rausgekommen sein muss.

Vielleicht sehen wir hier ein Symptom des Verfaulens der Universitäten.

Was wir auf jeden Fall haben, ist, dass die Universitäten und die Ausbildungspolitik so kaputt sind, dass sie unseren Bedarf als Industrienation schon lange nicht mehr decken können. Das Gerede von der Migration, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen, verdeckt ja eigentlich auch nur, dass unsere Universitäten längst Fachkraftvernichtungsanlagen sind und wir damit insgeheim feminismusresistentes Personal importieren müssen, weil unsere Universitäten wie in besten sozialistischen Zeiten 90% Ausschuss produzieren.

Auf der einen Seite produzieren wir in rauen Mengen Geisteswissenschaftler und Quotenprinzessinnen, die dann irgendwo zwischen Hartz IV, der Forderung nach Grundeinkommen, einer Gender-Professur oder einer SPD-Karriere landen (und bitte schreibt mich nicht wieder an, ob man rau oder rauh schreibt, Rechtsschreibreform!), Heere von Nutzlosen, die sich dann noch emanzipiert fühlen, weil sie Karriere statt Kinder machen, aber mit 38 depressive Wracks sind, weil sie weder das eine, noch das andere haben, Männer und Freunde auch nicht, auf der anderen Seite müssen wir dann Leute holen und schauen, was wir auf dem Weltmarkt noch abbekommen.

Aspekt Propaganda

Es könnte natürlich auch ein Fake sein. Nicht der Zeitung, sondern der Industrie. Um die Lohnverhandlungen zu drücken, indem man zeigt, dass man da noch Billigkonkurrenz hat.

Ich habe das in meinem Berufsleben schon ein paarmal erlebt, dass Stellen ausgeschrieben werden, die gar nicht existieren, weil man nach außen so tun will, als würde man wachsen, oder die Stellenbeschreibung etwas ganz anderes darstellt als man wirklich sucht, weil man es nach außen nicht zugeben will. Man sollte nicht unbedingt so glauben, was in Sachen Rekrutierung veröffentlicht wird.