Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Dieter Nuhr und die DFG

Hadmut
2.8.2020 13:14

Als der Einäugige sich mit den Blinden über das Sehen stritt.

Dieter Nuhr ist so eine Sache.

Grundsätzlich mag ich ihn ja, weil er oft Dinge richtig erfasst und sehr treffend und pointiert vorträgt, auf den Punkt trifft. Und mir in vielen, nicht allen, Themen wesensverwandt erscheint, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass wir in derselben Altersgruppe sind. Manchmal redet er aber ziemlichen Mist daher. Manches versteht er einfach nicht, liegt außerhalb seiner Reichweite. Es erinnert mich so ein bisschen an das ZDF-Die-Anstalt-Syndrom. Die haben auch eine ziemliche Bandbreite von ziemlich gut bis ziemlich schlecht, weil die so eine „Diversität” der Autoren haben und anscheinend völlig ungeprüft durchreichen, was die aufschreiben.

Wenn Nuhr im Fernsehen kommt und ich gerade Zeit habe (oder zumindest am Rechner sitze), schaue ich Nuhr, der Hauptgrund ist allerdings, das gebe ich zu, dass bei Nuhr häufig Lisa Eckhart auftritt. Lisa Eckhart bringt auch häufig gute Punkte, pointiert vorgetragen, und redet bisweilen ziemlichen Unfug, wenn es außerhalb der Reichweite liegt. Der große Vorteil von Lisa Eckhart ist aber, dass wenn sie mal Mist redet, man in der Zeit immerhin was zum Angucken hat. Und da sagen sie immer, Frauen wären benachteiligt.

Was ich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der DFG, halte, hatte ich vor vielen Jahren, als mein Blogschwerpunkt noch in den wissenschaftlichen Bereichen der Universität lag (als sie sowas noch hatten) und im damaligen Zweitblog Forschungsmafia ausführlich beschrieben. Oder um es diplomatisch auszudrücken: Ich halte die DFG für einen korrupten, kriminellen, politisierten, ideologisierten, unterwanderten Sauhaufen, der der Bundesregierung als Geldwaschanlage und Flucht-ins-Privatrecht-Tarnung dient, um deren verfassungswidrige Aktivitäten Richtung Wissenschaft zu kaschieren.

Und mit dieser DFG hat Dieter Nuhr nun Streit.

Wenn man der Presse glauben kann und darf (was man weder kann, noch darf), dann geht dieser Streit darauf zurück, dass die DFG eine Aussage von Nuhr auf der Webseite gehabt hat, mit der sie eigentlich für Wissenschaft werben wollte. Es ging da wohl um ein Statement anslässlich von irgendwas, was sie mit #DFG2020 bezeichnen, und „Wissenschaft” kommt ja heute auch nicht mehr ohne Promis aus, um noch ein Publium zu erreichen. Da wir aber nun in dem Zeitalter leben, in dem 2+2=4 als rassistisch kolonialistischer ausgrenzender Weißer-Männer-Dreck angesehen wird, ist das problematisch, sich auf Wissenschaft zu berufen.

Es geht wohl um diese Aussage:

Das ist jetzt nicht direkt falsch, aber richtig halt auch nicht. Das ist mehr so der Ansatz, wenn man Wissenschaft so vom Hörensagen kennt. Der Mann hat bildende Kunst und Geschichte auf Lehramt studiert. Außerdem ist es eine sehr journalistische Sichtweise, Wissenschaft für ein Zusammenkehren von „Fakten” zu halten und möglichst laut „Fakt” und morgen „Andere Fakten, andere Meinungen!” zu schreien. Das beschreibt eher linke Ideologie und Mediengeschwätz als Wissenschaft, und beruht vor allem auf dem völligen Fehlen von Überlegungen, was der Begriff „Fakten” eigentlich bedeuten soll. Und vor allem auf der geisteswissenschaftlichen Ansicht, dass wer am lautesten „Ich habe Fakten!” schreit, dann das Recht habe, zu behaupten, was er wolle. Nuhr hat nicht verstanden, was Wissenschaft ist.

Damit liegt Nuhr qualitativ aber immer noch weit vor der DFG, die eigentlich gar keinen erkennbaren Wissenschaftsbegriff mehr hat oder vielleicht auch nie hatte, außer dass Forschungsgelder in die politisch korrekten Taschen fließen. Nuhr versucht es immerhin, er bemüht sich. Was ich von der DFG nicht sagen kann. Zusammenfassung: Ich halte Nuhr für wissenschaftsfern, gleichwohl der DFG für wissenschaftlich deutlich überlegen.

Wissenschaft ist nicht wankelmütig. Es ist nicht so, dass man das Fenster aufmacht, um zu schauen, ob es regnet und wie gerade die Faktenlage so ist, um sich dann Kleidung und Meinung passend rauszulegen. Seine Meinung aufgrund veränderter Faktenlage einfach zu ändern, ist Opportunismus und nicht Wissenschaft. Wissenschaft heißt, die gestrige Meinung zu überprüfen, sie zu verifizieren oder falsifizieren, zu überarbeiten, zu verfeinern, und vor allem verstanden zu haben, warum die gestrige Meinung falsch war, welchem Fehler oder Irrtum man aufgesessen ist, oder ob das eben nur auf begrenzter Kenntnis beruhte und so weiter. Wissenschaft ist keineswegs, Meinungen zu wechseln wie Unterhosen. Ab und zu mal eine frische, wenn’s anfängt zu riechen.

Richtig aber ist, dass Wissenschaft nicht doktrinär ist, sich selbst in Frage stellen kann und muss, und aus dem Fortschritt der Wissenschaft auch neues Wissen hervorgeht, dass nicht immer in Einklang und als bloße Ergänzung bestehenden Wissens erscheint, sondern dieses auch umwerfen kann. Und Fehler zugibt. Ich hatte schon über mein Wissenschaftsverständnis geschrieben, das nämlich die Kenntnis und Vermeidung/Kompensation aller bekannten Denk-, Sach- und sonstiger Fehler umschließt und diese systematisch und zuverlässig vermeidet. Nach meinem Verständnis kommt Wissenschaft ohne Fehler nicht aus, weil Wissenschaft auch eine „Fehlerwirtschaft” ist. Man kann Wissenschaft nur betreiben, wenn man über ein vollständiges Fehlerinventar verfügt, um sie alle zu kennen und zu vermeiden. Es ist keineswegs so, dass man heute so und morgen anders blubbert, weil sie die „Faktenlage ändern”. Geblubber ändert sich. Faktenlagen ändern sich nicht, aber dazu müsste man erst mal klären, was „Fakten” eigentlich sein sollen.

Nun hat er also den Mund aufgemacht. Das ist halt so das Geschäft in der Branche, gerade zu Corona-Zeiten, kleine Filmchen zu produzieren, mit denen man nicht zu viel, nicht zu wenig aneckt. Geht heute nicht mehr. Wer aneckt wird heute hingerichtet. Es reicht nicht mehr zu sagen, „Uh, was’n Idiot”, er muss gleich vollständig getilgt und verbannt werden. Die vollständige Tilgung aus dem Weltbild.

Nun berichtet die Presse darüber. Was gut ist für Nuhr, denn wäre er auf der DFG-Seite geblieben – wen hätte das interessiert, wer hätte davon Kenntnis genommen?

Was ist nun eigentlich passiert?

Man sollte zunächst mal lesen, was Nuhr selbst dazu sagt:

Von seiner Facebook-Seite:

Ich wurde im Juli gebeten für die Kampagne #DFG2020 der Deutschen Forschungsgemeinschaft eine 30sekündige Sprachnachricht einzusenden zum Thema Wissenschaft. Folgendes Statement habe ich abgegeben: […]

Die DFG hat sich für den Beitrag zunächst bedankt. Sie schrieb mir: “Wir danken ganz herzlich für Ihr wunderbares Statement – Ihren pointierten Kommentar über die Relevanz und die Erklärung von Wissenschaft.”

Der Beitrag wurde dann von der DFG veröffentlicht und am 30.7. aufgrund der “starken und sehr kritischen Resonanz“ wieder aus dem Netz genommen, um „die DFG zu schützen“ (Zitate wörtlich).

Ich halte dies für mehr als alarmierend. Dass Kritik aufkommt, wenn ich mich äußere, erstaunt mich nicht weiter. Egal, was ich sage, sobald es im Netz öffentlich wird, gibt es organisierten Hass. Das ist offensichtlich eine im Netzwerk organisierte Kampagne, die mich als an der Meinungsbildung Beteiligten diskreditieren soll. Es ist offensichtlich, dass dies ideologisch begründet ist, da ich mich politisch kritisch gegenüber Linken UND Rechten äußere und mich immer wieder gegen jeden politischen Extremismus wende. Das empört linke wie rechte Fanatiker, und da ich immer wieder auch Religionskritik äußere, wird auch von religiöser Seite aus Kritik an mir geübt. Damit muss man leben als Satiriker.

Neu ist, dass nun eine Organisation wie die Deutsche Forschungsgesellschaft, die eigentlich wie keine andere für freies Denken stehen sollte, den Ideologen im Netz nachgibt. Das ist nicht nur erstaunlich, sondern ängstigt mich, da ich inzwischen eine McCarthyartige Stimmung im Land wahrnehme und im Zuge der Cancel culture auch die Freiheit des Denkens und der Forschung im Allgemeinen in Gefahr sehe.

Von seiten der DFG wurde mir mitgeteilt, man müsse “der Kritik nachgeben”, um “Schaden von der DFG abzuwenden”. Ich fürchte, der größere Schaden ist, wenn die Deutsche Forschungsgesellschaft sich daran beteiligt, kritische und keineswegs extremistische oder verschwörungstheoretische Stimmen mundtot zu machen. […]

Es gibt nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch unter Klimawissenschaftlern unterschiedliche Szenarien und verschiedenste Lösungsstrategien. Es ist sogar Grundbedingung von freier Forschung, dass unterschiedliche Thesen zugelassen sind und diskutiert werden. Das passiert ja auch in der Wissenschaft. In der Öffentlichkeit aber wird Meinungsvielfalt zunehmend aktiv durch Denunziation unterdrückt. Einzelne Gruppen proklamieren unantastbare Wahrheiten, behaupten, die Wissenschaft sei auf ihrer Seite und behandeln dementsprechend kritische Denker als Ketzer, werfen sie in der Folge mit Wahnsinnigen und Verschwörungstheoretikern in einen Topf und versuchen sie so zu diskreditieren. Das ist mittelalterlich und beängstigend.

In diesen Zeiten ersetzt immer häufiger der Shitstorm das Argument. DIE ZUSTÄNDIGEN BEI DER DFG KÖNNEN UNMÖGLICH SELBST ETWAS „WISSENSCHAFTSFEINDLICHES“ BEI MIR GEFUNDEN HABEN, SCHON WEIL ES DAS NICHT GIBT. Sie „reagieren auf Kritik“. Mit anderen Worten: Die DFG unterwirft sich den Krawallmachern, die im Internet systematisch an der Unterdrückung kritischer Stimmen arbeiten, die in der Mitte des politischen Spektrums stehen. Niemand kann mich ernsthaft politisch irgendwo an den Rändern verorten.

Die DFG beteiligt sich somit aktiv daran, Kritik als Ketzerei zu verfolgen und Andersdenkende mundtot zu machen. Ich halte das indessen für ein Phänomen, das die demokratische Diskussion ernsthaft gefährdet, schon weil sie indessen den Wissenschaftsbetrieb weltweit erreicht hat. An Universitäten wird indessen überall massiv darauf hingearbeitet, dass Andersdenkende gar nicht mehr hineingelassen werden. Das ist nicht nur empörend, sondern beängstigend. In was für einem Land wollen wir leben? In einem Land, in dem öffentliches Nachdenken zunehmend durch Denunziation und soziale Ausgrenzung bestraft wird? Mir gruselt es.

Und damit hat Dieter Nuhr nun völlig recht, das ist wesentlich, ganz erheblich besser und wissenschaftsnäher als sein 30-Sekunden-Tonbeitrag.

Damit hat er einen zentralen Funktionsfehler der DFG erkannt, nämlich politisch und nicht wissenschaftlich ausgerichtet zu sein.

Dass die DFG auf inhaltlich-wissenschaftliche Argumente nichts gibt, sie nicht einmal versteht, und sich nur auf einem Pfad der – ich nenne es mal – „sozialen Verträglichkeit” bewegt, hatte ich vor 20 Jahren schon in meinem Streitfall damals bemerkt. Es interessiert(e) die überhaupt nicht, was falsch,richtig, begründet oder kriminell ist. Denen ging es schon damals nur darum, dass die Community ruhig und zufrieden ist. Ich hatte doch wiederholt berichtet, dass es vor meinem Streitfall einen ähnlichen gab, auch Uni Karlsruhe, selber Bösewicht, Professor Beth, der sich allerdings in das Promotionsverfahren des Andreas Pfitzmann (später Professor in Dresden) eingemischt hatte, an dem er gar nicht beteiligt war, um dessen Promotion zu verhindern, es dann aber nicht begründen konnte. Einige Professoren hatten damals mit Gutachten und so weiter Pfitzmann beigestanden, und wurden dafür, obwohl sie Recht hatten, später über die DFG bitter dafür bestraft, etwa durch Entzug oder Ablehnung von Projekten, Streichung von Geldern, Missachtung und so weiter, einfach weil sie sich gegen die Community gestellt hatten. Grundsätzlich neu ist das also nicht, es wird nur immer schlimmer. Die DFG ist längst politisch unterwandert, da sitzen die Politaffen drin. Es gab auch schon einen Fall, den ich mal beschrieben hatte, wo man einem ausländischen Gastprofessor die Gastprofessur zahlte, obwohl der da gar nicht war. Vieles deutete darauf hin, dass die Bundesregierung damit geldgewaschen irgendwem politische Zuwendungen zukommen ließ, und dass die Universitäten für allerlei Tarnidentitäten und Geldwäschen herhalten müssen, ist ja bekannt und beschrieben. Der politische Einfluss ist dort enorm, und die Konstruktion dient dazu, politische Machenschaften vor Justiziabilität und Grundrechtsansprüchen zu schützen.

Die WELT ordnet das dann so ein:

Dann folgte in dem Clip ein Seitenhieb auf Klimaaktivisten wie Greta Thunberg und Luisa Neubauer: „Wer ständig ruft: ‚Folgt der Wissenschaft‘, der hat das offensichtlich nicht begriffen“, so der Kabarettist. Wissenschaft wisse nicht alles, sei aber „die einzige vernünftige Wissensbasis, die wir haben. Deshalb ist sie so wichtig“.

Nuhr tat in seinem kurzen Beitrag also genau, was der DFG zupasskommen dürfte. Schließlich hat sie sich als Verein zur Aufgabe gemacht, Forschung und Wissenschaft in Deutschland zu fördern.

Im letzten Punkt irrt die WELT gewaltig. Das war Legende, aber nie Aufgabe der DFG. Aufgabe der DFG ist, Geld so fließen zu lassen, dass man es politisch steuern kann und es trotzdem nicht justiziabel, nicht kontrollierbar, nicht durchschaubar ist. Und Nuhr hat da eben gegen politische Vorgaben verstoßen. Der „Shitstorm” ist nur Ablenkung davon, dass sie nicht so sagen, auf wessen Geheiß das erfolgte.

Letztlich reiht sich das aber nur in das „2+2=4 ist kolonialistischer-Rassismus”-Geschrei ein.

Man will eine marxistische Gesellschaft. Weil die aber vorne und hinten nicht funktionieren kann und ständig auf Lügen beruht, muss man vorher alles abschaffen, was irgendwie auch nur entfernt mit Wissenschaft und Qualität zu tun hat. Und das war hier nicht die DFG, sondern nur Dieter Nuhr.

2+2=4.