Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Grüne, Frauen und Demokratie

Hadmut
13.5.2020 17:42

Leser fragen – Danisch weiß es auch nicht.

Ein Leser verweist auf diese Stelle in einem Artikel der Jungen Freiheit über das Leiden der Grünen Baerbock: Baerbock: Corona-Krise wirft Frauen in die Fünfziger zurück

Grünen-Chefin Annalena Baerbock hat davor gewarnt, die Auswirkungen der Corona-Krise werfe die Emanzipation der Frauen um Jahrzehnte zurück. „Die unausgesprochene Erwartung beim Schließen von Schulen und Kitas war offenbar: Die Mütter bleiben zu Hause, kümmern sich um die Kinder und kochen noch schön, hat doch früher auch so funktioniert. Es ist echt ein dramatischer Rückfall in die Rollenmuster der fünfziger, sechziger Jahre“, beklagte Baerbock im Interview mit dem Berufsnetzwerk LinkedIn. […]

Eine Rückkehr zu den Verhältnissen von vor der Krise reiche nach Ansicht Baerbocks jedoch nicht aus. Nötig sei auch die Einführung strikter Frauenquoten in Führungspositionen. „Im Bundestag sind etwa ein Drittel Frauen. Was aber vor allem daran liegt, daß manche Fraktionen wie meine oder auch die Linke eine harte Quotenregelung haben. Sonst sähe es auch im Bundestag übel aus. Ohne vernünftige Frauenquoten für Führungspositionen wird es auch in der Wirtschaft nicht gehen. Freiwillige Selbstverpflichtungen reichen nicht.“

Nun, so trägt der Leser mir vor, wenn im Bundestag ein Drittel Frauen säßen, aber sogar eine Annalena Baerbock einräume, dass die nur da säßen, weil man sie wegen der harten Quoten wählen müsse, und dass man sie nicht wählen würde, wenn man denn noch die Wahl hätte bei der Wahl, es ohne die Zwangsquoten „übel aussähe”, dann seien sie doch eigentlich gar nicht gewählt.

Dann fehle es doch an jeglicher demokratischer Legitimation.

Wie, so will der Leser von mir wissen, denn das nun mit „Demokratie” ein Einklang zu bringen sei.

Weiß ich nicht.

Ich habe nicht den blassesten Schimmer, wie sowas wie die Grünen oder die Frauenquote in eine Demokratie passen würde.

Ich hege allerdings schon lange den Verdacht und wiederhole mich (worauf mich wieder ein anderer Leser tadeln wird, der mich jedesmal dafür tadelt), dass es wohl daran liegt, dass die Grünen unter „Demokratie” etwas ganz anderes versteht, als ich, die alten Griechen, der Wortsinn und mindestens ein sehr großer Teil meiner Leser. Es sei wohl eher wie das mittlere D in DDR zu verstehen. Der regelmäßige Tadel besagten Lesers läuft darauf hinaus, dass „DDR” zur zwei D enthalte und es deshalb zwar einen mittleren Buchstaben, aber kein mittleres D gäbe. Kann man so sehen. Muss man aber nicht. Vielleicht sollte man es mittig oder „in der Mitte” nennen, aber ich denke, die Ortsangabe ist für jeden verständlich, denn nicht nur sitzt eben jenes D in DDR, das ich meine, eben in der Mitte, sondern bisher hat auch jeder eindeutig verstanden, was ich sagen will, sogar der tadelnde Leser. Den Mangel unverständlicher oder mehrdeutiger Sprache konnte selbst er mir nicht vorwerfen. Hätte ich von einem „rechten D” gesprochen, hätten sich andere beklagt, dass rechts ein R steht.

Ich meine also jenes D, dass in DDR für „Deutsche Demokratische Republik” für eben „Demokratisch” steht, wo nun auch immer.

Denn das, was es darin so deplaziert macht, ist nicht die Ortsangabe, sondern eben, dass an der DDR nichts demokratisch war.

Es ist mir schon häufig aufgefallen, dass viele Linke von „Demokratie” reden, aber einfach – das machen sie ständig, da muss man stets wachsam und auf der Hut sein – den ganzen Begriff umdefiniert haben. Die meinen damit nicht, dass das dumme Volk noch selbst irgendetwas auswählen könnte, weil das Volk dazu ohnehin zu dumm sei, zu wissen, was es wollen könnte. Die Proletarier sind erwünscht, aber erwünscht dumm, während die Bourgeoisie zwar über Bildung verfügt, aber so verachtet wird, dass man deren Willen ohnehin übergeht und als nicht nur irrelevant, sondern geradezu gegenteilserstrebig betrachtet.

Es herrscht da grundsätzlich der leninistische Ansatz einer Einheitspartei, zu deren Wahl man keine Alternative hat, und die als Ansammlung von jener Sorte von Kadern, mit denen außerhalb niemand etwas anfangen könnte, über deren Köpfe hinweg die Interessen des Volks vertrete, und damit für eine aus marxistischer Sicht angemessen Vertretung des Volkes sorgt, was ja auch gar nicht anderes sein kann, weil es in einem Arbeiter- und Bauernstaat ohnehin nur Volk gibt, wer sonst könnte da also noch vertreten sein. Deshalb sei es „Demokratie”, weil es ja alles für das Volk sei.

Damit hat es übrigens auch zu tun, dass so viele Linke, vor allem deren viele Gendermonstren, sich als Vertreter irgendeiner Gruppe aufspielen. Die wollen Kader-Partei üben. Deshalb hat es auch so viele Geschlechter, weil sie mehr Leute haben, die irgendwen vertreten wollen, als Leute, die sich von denen vertreten lassen wollen. Dann wird eben für jede Trine ein neues Geschlecht oder eine neue Opfergruppe erfunden, damit sie so tun kann, als würde sie irgendwen vertreten.

Das ungefähr dürfte die Vorstellung der Grünen sein.

Es geht nicht darum, dass man als Abgeordneten wählt, wen man gerne hätte.

Es geht darum, dass die Kader, die es natürlich besser als alle anderen wissen, dem Wähler mitteilen, dass sie die als Abgeordnete für ihn auf den Posten gesetzt haben, der gut für ihn ist, weil sie das einfach besser wissen. Der Wähler möge nun den Empfang des Guten durch Kreuzchen bestätigen.

Nicht in jedem Fall erfährt der Wähler überhaupt, wer ihn da vertritt. An der Humboldt-Universität ist es beispielsweise nicht üblich, dass „Studierende” noch erfahren, wer die „Studierendenvertreter” sind. Die sind da kommunistisch schon weiter fortgeschritten.