Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Geisteswissenschaftler fordern ein „Nicht-Semester”

Hadmut
19.4.2020 0:28

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich Geisteswissenschaftler für strulledumm halte?

Jetzt setzen sie noch einen drauf.

Ist es Satire oder Ernst? Das Unterfangen, die Universitäts-Geistes- und Sozialwissenschaften noch von Satire unterscheiden zu wollen, habe ich wegen Hoffnungslosigkeit aufgegeben. Der einzige Unterschied, den ich noch gefunden habe, ist, dass Satiriker (und Satirversuchende) sich zumindest manchmal noch ein bisschen was dabei denken, aber das weiß man dann auch erst hinterher.

Jedenfalls ist es schon vom März, ich habe vorhin erst den Hinweis darauf bekommen: Das Sommersemester 2020 muss ein „Nichtsemester“ werden – Ein offener Brief aus Forschung und Lehre

Naja, nicht Forschung und Lehre, eigentlich ist es mehr die Dummenlobby der Professoren.

Die haben Angst vor der digitalen Lehre und davor, dass sie mal ernstlich was arbeiten müssten, und wollen lieber ein ganzes Semester einfach aussetzen als sich wie alle anderen auch mal drum zu kümmern, was man da so machen und bieten kann.

Hauptsache, wir nehmen die aktuelle Lage an Hochschulen, Akademien und Universitäten nicht nur aus der Perspektive der Starken zur Kenntnis.

Nein, nicht nur der Starken. Auch der geistig Schwachen. Worum sonst als um Geist könnte es an der Universität gehen?

Denn: Mindestens 85% der Lehrenden und Forschenden sind (sehr) prekär beschäftigt.

Oh, das könnte man auf zweifache Art ändern:

  1. Nämlich indem die Professoren, die nämlich nicht prekär beschäftigt, sondern verbeamtet sind, mal anfangen, ihre Lehre selbst zu halten.
  2. Indem sich die prekär „Beschäftigten” mal – soweit es ihre Ausbildung überhaupt ermöglicht – einen richtigen Job suchen und was arbeiten gehen, anstatt an der Uni rumzuhängen.

Studierende, die erwerbstätig sind, Care-Verpflichtungen haben, über wackelige technische Infrastruktur und wenig Ressourcen verfügen, sind die Mehrheit, nicht die Ausnahme. Viele Studierende haben zudem Aufenthalts- und Visa-Probleme.

Ja, und? Würde eben das nicht genau dafür sprechen, sich mal ein bisschen Mühe zu geben und das alles ordentlich digital zu machen, statt die Leute ein Semester hängen zu lassen?

Der akademische Normalbetrieb – das sind größtenteils keine privilegierten Professor_innen, sondern viele, die von der Covid-19-Krise direkt betroffen sind.

Die Professoren werden aber dafür bezahlt, es zu tun. Dafür haben sie dieses „Privileg”.

Wir wissen auch: Online-Lehre ist eine besondere, eigene, voraussetzungsreiche Variante der Lehre. Wenn sie gut – und nicht nur irgendwie – sein soll, dann muss sie gründlich vorbereitet und spezifisch entwickelt werden. Das gelingt oft gut, ist auch bereits vielfach etabliert, hat aber auch Grenzen. Nicht alles kann sinnvoll online studiert werden. Es gilt, auch diesen Sachverhalt mitzudenken in der aktuellen Situation.

Stimmt. Sport kann man schlecht online studieren. Für Chemie braucht man ein Labor und Substanzen. Für Anatomie die ein oder andere Leiche. (Vor ca. 40 Jahren gab es in Mannheim – zumindest stand es damals im Mannheimer Morgen – mal Mordermittlungen, weil einem Fußgänger bei stürmischem Wetter eine Hand in einer Plastiktüte vor die Füße gefallen war. Ein Medizinstudent hatte sich vorschriftswidrig ein Präparat, das er sezieren sollte, mit nach Hause genommen, dann unerwartet Besuch bekommen und den Beutel auf den Balkon gelegt, um den Besuch nicht zu verschrecken. Dann kam der Wind.) Bei Geisteswissenschaften sehe ich kein Hindernis. Und die machen ja auch sonst alles, wenn überhaupt, dann nur irgendwie.

Verlängerung der Verträge befristet beschäftigter Mitarbeiter*innen

Hierfür braucht es rechtliche Grundlagen und Geld. Die Krise ist nicht kostenlos zu haben, doch sie sollte nicht auf Kosten der befristet Beschäftigten gehen.

Habt Ihr Angst, dass Euch die Leute abhanden gekommen, die Eure Arbeit machen?

Als verbeamtete Professorinnen sind wir uns unserer Privilegien und unserer Verantwortung bewusst.

Ah. Privilegien und Verantwortung. Verstehe. Arbeiten kommt darin noch nicht vor, das hört sich erst mal nur nach Geld bekommen an.

Wie wär’s mal mit Pflichten? Arbeit? Aufgaben?

Und jetzt der Knackpunkt schlechthin, weit unten versteckt:

Weder Lehrende noch Studierende sind in den meisten Fällen mit den Methoden und Tools des E-Learning hinreichend vertraut. Präsenzlehre lässt sich nicht umstandslos ins Internet verlagern. Je nach Disziplin, Thema, Lernzielen gestaltet sich die Online-Lehre spezifisch. Pauschale Lösungen gibt es nicht. Das bedeutet zusätzlichen Aufwand für Lehrende und Verwaltung.

Die kommen jetzt, im Jahre 2020, auf die Idee, dass sie mit „E-Learning” nicht hinreichend vertraut sind?

Schon mal ein Buch gelesen?

Die technische Infrastruktur und die notwendigen Ressourcen sind vielfach weggebrochen. Universitäts- und weitere einschlägige Bibliotheken sind geschlossen, Computerpools unzugänglich, Laptopverleih durch die Rechenzentren nicht länger möglich, Internetzugang durch die Hochschulen (und im öffentlichen Raum) unmöglich oder stark eingeschränkt, Räumlichkeiten nicht betretbar. Von diesen Einschränkungen sind vor allem sozial schwache Studierende betroffen.

Echt jetzt? Reicht nicht mal für ein lumpiges Notebook?

Wäre es nicht billiger und für die Leute rücksichtsvoller, ihnen eins zu schenken, als sie ein Semester länger hängen zu lassen?

Eine einwandfreie zuverlässige, auch justiziable Verwendung kann womöglich nicht garantiert werden.

Und deswegen lässt man es ganz bleiben?

Sonst behauptet Ihr doch auch immer, an der Uni sei gar nichts justiziabel und Ihr würdet über dem Gesetz stehen. Und jetzt auf einmal kommt Ihr angekrochen?

Was ist daran so schwer, sich einfach vor eine Kamera zu stellen und dieselbe Vorlesung zu halten?

Elendes Rumgepinse

Das hört sich an, als suchten die alle möglichen Ausflüchte, um nur ja keine konkrete Vorlesung online halten zu müssen.

Warum?

Man muss sich mal anschauen, wer sowas unterzeichnet. Fast nur Geisteswissenschaftler. Viele Sozioschwafler, ganz viele Gender Studies.

Es sind zwar auch ein paar „Informatiker” dabei – ich fass’ es nicht: Informatiker, die öffentlich unterschreiben, e-Learning nicht verstanden zu haben – aber wenn ich dann sowas wie „Musikinformatik und epistemische Medien” oder „Prof*in Dr*in” lese, liegt eigentlich schon offen da, welche Art von „Informatiker” sowas unterschreibt.

Ja, Gender Studies.

Ich hatte ja mal bei der Humboldt-Uni auf Auskunft geklagt. Die wissen gar nicht, was sie da an Verlesungen angeblich so halten. Kein Skript, keine Literaturliste, keine Inhaltsangaben, die können nicht mal vor Gericht darlegen, was eigentlich der Inhalt ihres Studiums ist. Die Verfassungsrichterin Susanne Baer: Rund zehn Jahre war sie da schon Gender-Professorin, und konnte nicht ansatzweise sagen, was in ihrem Studiengang, den sie selbst beantragt hatte, in diesen zehn Jahren eigentlich gelehrt worden sein soll.

Auch sonst habe ich nirgends irgendwelche Inhalte in Gender Studies gefunden, außer Übungen in Kampfrhetorik. Gender Studies gibt es gar nicht.

Ähnliches haben mir viele Leser von den sonstigen sozial- und vielen geisteswissenschaftlichen Studiengängen berichtet, und zwar auch solche, die das selbst studiert hatten: Da kommt nichts drin vor.

Eine Brigade von Schwindlern durch Zufall aufgeflogen?

Das Corona-Virus bringt uns in Situationen, verändert uns auf eine Weise, mit der man nicht gerechnet hatte.

Kann das sein, dass die Schwindler plötzlich auffliegen, wenn sie Vorlesungen online halten sollen und die Gefahr besteht, dass das jemand einfach aufnimmt und online stellt? Haben die einfach Angst, dass man jetzt öffentlich sehen könnte, was für einen Käse die erzählen?

Nur zur Erinnerung: Baer hat die aus dem Bundesverfassungsgericht heraus alle davor gerettet, sich konkreten Anforderungen stellen zu müssen.

Schaut mal auf die Liste: Wieviele Leute aus MINT-Fächern seht Ihr da? Müssten die nicht mindestens die gleichen Probleme haben? Warum stehen da fast nur „nutzlose” Schwafel-Fächer? Warum stehen da „Medienwissenschaftler”, die behaupten, vom Internet überfordert zu sein?

Alle diese Leute müssen wir aus Steuergeldern lebenslang bezahlen. Eine regelrechte Mafia.