Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Über Essen und Ernten

Hadmut
3.4.2020 15:26

Der Flüchtlingsrat klärt auf.

Leser belehrten mich, wie die Sachlage ist. Der Niedersächsische Flüchtlingsrat nämlich hat erklärt und der NDR gehorsam berichtet, dass man es nicht für angebracht hielte, dass Asylbewerber für ihr Essen selbst arbeiten:

Der Flüchtlingsrat Niedersachsen mahnt, dass Asylsuchende nicht als frei verfügbare Arbeitsreserve betrachtet werden dürfen. Wer als Arbeitskraft gebraucht wird, muss auch ein Bleiberecht erhalten.

Der Flüchtlingsrat begrüßt, dass in der Debatte um den Einsatz von Geflüchteten als Erntehelfer_innen bestehende Beschäftigungsverbote zunehmend in Frage gestellt werden. Etliche Geflüchtete würden die Gelegenheit gerne wahrnehmen und die Chance auf eine Beschäftigung in der Landwirtschaft nutzen.

„Es darf aber nicht sein, dass Asylsuchende als frei verfügbare Arbeitsreserve betrachtet werden, denen man nach Bedarf, wenn es die Arbeitsmarktlage gerade verlangt, Rechte zugesteht und sie ihnen dann wieder nimmt, wenn man ihre Arbeitskraft nicht mehr benötigt“, mahnt Sigmar Walbrecht vom Flüchtlingsrat.

Der Flüchtlingsrat fordert daher: Erteilte Beschäftigungserlaubnisse dürfen nicht wieder zurückgenommen werden, wenn der Bedarf nach Arbeitskräften in der Landwirtschaft wieder sinkt. Den Geflüchteten, die nun in der Ernte helfen, muss eine Bleibeperspektive eröffnet werden. Sie dürfen nicht lediglich als verwertbare Masse angesehen werden.

Heißt: Essen wollen sie selbstverständlich, jeden Tag, aber das Essen selbst von den Feldern holen natürlich nur gegen Bleiberecht.

Interessant, dass einige Flüchtlinge durchaus auf den Feldern helfen wollen, aber sowohl vom Staat, als auch vom Flüchtlingsrat davon abgehalten werden. Einerseits zwingt man den Steuerzahler per BVerfG, jedem Flüchtling die Existenz auf Hartz IV-Niveau und Unterkünfte zu bezahlen, aber selbst was dafür arbeiten sollen sie dann auch nur gegen Bleiberecht.

Ich überlege mir gerade, wie man in anderen Ländern mit mir umginge, wenn ich mich da einquartierte, Essen ginge und dann erklärte, dass ich nur dafür zahlte, wenn ich eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis bekäme. Ich glaube, das würde meinen Aufenthalt dort drastisch verkürzen.

Besonders dreist finde ich das wegen dieser anderen Meldung dort: Mitten in Coronakrise: Landtag widmet sich Abschiebungspolitik

Inmitten der weltweiten Corona-Pandemie, in der die Grundrechte aktuell so weit eingeschränkt sind wie seit Jahrzehnten nicht mehr, will der niedersächsische Landtag heute nebenbei einen Staatsvertrag beschließen, um künftig noch einfacher abschieben zu können. In einem historischen Moment, in dem die Regierenden allerorten an den gesellschaftlichen Zusammenhalt appellieren, wird die Trennung in „wir“ und „die anderen“ weiter vorangetrieben. Dies ist angesichts der aktuellen Situation allgemeiner Verunsicherung, die Geflüchtete und von Abschiebung bedrohte Menschen nochmals härter trifft, ein fatales Signal.

Ach so.

In Zeiten der Corona-Pandemie abgeschoben zu werden, ist eine unzumutbare Härte. Reise unzumutbar.

Aber gleichzeitig Osteuropär herholen, damit die hier für uns und eben auch die Flüchtlinge das Essen ernten, weil die das nicht selbst tun und nicht als Arbeitskräfte eingesetzt werden wollen/sollen, das ist dann völlig in Ordnung.

Ist Euch eigentlich mal aufgefallen, dass mit Klima und Corona jegliche Flüchtlingsdebatte völlig aus der Öffentlichkeit verschwunden ist?