Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Pfannkuchen

Hadmut
3.4.2020 21:38

Das ist mir jetzt auch noch nie passiert.

Wurde mir gerade so bewusst: Ich muss es nochmal in der Mailbox nachschauen, wann ich eine bestimmte Mail abgeschickt habe (vielleicht verschätze ich mich gerade um eine Woche), aber so weit ich mich erinnern kann, habe ich jetzt zum ersten Mal in meinem Leben einen ganzen Monat lang durchgehend mein Essen (abgesehen von abgepackten Sachen wie Kekse, fertiger Kuchen) selbst zubereitet, bin nirgendwo essen gegangen. Nur einkaufen im Supermarkt.

Ich hatte neulich schon mit Kollegen (telefonisch) drüber gesprochen, wie man das mit den Lebensmitteln so betreibt, vor allem, nachdem ich es ja (heute ich auch neulich im Blog erwähnt) schon Bilder davon gibt, dass die Leute schon wieder in großen Mengen gehamsterte und abgelaufene Lebensmittel wegwerfen.

Da ich mich beim Hamstern für den Fall einer Quarantäne (es hieß ja, man müsse sich dann von Freunden und Nachbarn versorgen lassen, meine Freunde wohnen aber alle nicht in der Nähe und meine Nachbarn stünden dann ebenfalls unter Quarantäne oder wären genug mit sich selbst beschäftigt) eingerichtet habe, um dann wirklich mindestens zwei Wochen durchhalten kann, ohne die Wohnung zu verlassen (Spötter sagen ja, Vorräte für zwei Wochen schleppte ich sowieso in der Wampe mit mir herum), habe ich schon gezielt darauf geachtet, haltbare Lebensmittel zu kaufen und mich bei den schnell verderblichen Sachen auf normale Ausmaße zu beschränken, die Einkäufe nur so zu steuern, dass ich mit einem Einkauf pro Woche auskomme.

Im Ergebnis habe ich bisher außer einen halben Aubergine, die braune Flecken bekommen hatte, und ein paar Essensresten von zuviel gekocht, nichts weggeworfen. Heute allerdings kamen noch ein paar Kartoffeln dazu, die zu weit ausgekeimt hatten. Das allerdings auch um den Preis, dass ich – wie früher – nicht so das koche, worauf ich gerade Appetit habe, sondern das, was weg muss.

So ein kleines bisschen wie im Krieg. (Mein Vater hatte mir als Kind mal mit Zucker, Haferflocken, Öl und noch irgendwas, ich weiß es nicht mehr, in der Pfanne so eine Not-Süßigkeit für Kinder aus dem Krieg gemacht. Er sagte, es schmecke wirklich genau wie damals. Ich sagte: Es schmeckt nicht. Er: „Sag ich ja, genau wie damals.” Im Krieg seien sie trotzdem froh darüber gewesen. Man musste halt nehmen, was da war.)

Immerhin erweitere ich meine Kochinkompetenzen deutlich, ich habe neulich zum ersten Mal Kohlrabi gemacht. Variationen von Gemüsesuppen.

Heute habe ich mir überlegt, was mache ich heute.

Da ist mir verschiedenes eingefallen. Das erste, dass ich zwar auf niedrigem Niveau öfters mal Spiegelei, Rührei, Omelette mache (ich hatte mir kürzlich im Supermarkt so eine winzige Minipfanne zum Zerlassen von Butter gekauft, inzwischen aber herausgefunden, dass man darin ulkige formschön-runde Klein-Spiegeleier aus nur einem Ei machen kann. In meiner Jugend hatten wir neben den schon erwähnten Zwerghühner auch Zwerkwachteln, deren Spiegeleier höllisch schwer zu machen sind, aber wenn sie gelingen so groß wie ein 1-Euro-Stück sind und genau auf einen Ritz Salzkräcker passen, sehr gästeverblüffend auf Parties.), ich aber aus Gründen, auf die ich jetzt nicht komme, noch nie Pfannkuchen gemacht habe.

Womit wir zum zweiten Punkt kommen, meine grundsätzliche Meinungsverschiedenheit mit Berlinern darüber, was Pfannkuchen sind. Was ich für Berliner oder bestenfalls Krapfen halte (und Krapfen schon für ein unappetitliche Wortschöpfung halte) sie hier als Pfannkuchen bezeichnen, während ich unter Pfannkuchen die großen, weichen flachen Dinger aus der Pfanne bezeichne.

Der dritte Punkt war, dass sie ja schimpfen, dass sie Leute alle Mehl kaufen würden und dann nicht wüssten, was sie damit eigentlich anfangen sollen. Zeit also, das Mehl einer konkreten Verwendung zuzuführen. (Wusstet ihr eigentlich, dass die Spezialeinsatzkommandos der DDR damals mangels besserer Ausrüstung einem Auto, das sie in der Fahrt stoppen wollten, einfach eine Packung Mehl oder eine Tüte Milch auf die Windschutzscheibe geworfen haben? Sofort ist die Sicht weg.)

Und viertens habe ich in einem Küchenschrank ein Glas Heidelbeerkonfitüre deutlich nach dem Ablaufdatum gefunden.

Also: Pfannkuchen. 2 Eier, 200g Mehl, 200ml Milch, 60ml Mineralwasser, etwas Zucker, Prise Salz, Fett zum Braten, das Zeug in eine Schüssel, gut umrühren, und dann immer eine Kelle davon in die Pfanne.

(Und nein, der Versuch, sie nur von einer Seite aus durchzugaren, geht schief, deshalb ist mir der erste angebrannt. Man kommt nicht darum herum, sie zu wenden. Geht aber leicht, sofern die Pfanne was taugt.)

Der erste ist mir leider angebrannt, aber der Rest war gut (der Letzte ist mir geradezu perfekt gelungen, kreisrund, völlig gleichmäßig, glatte Kante, keine Falten) und ohnehin noch zuviel für mich. Heidelbeerkonfitüre passt wunderbar.

Macht mal Pfannkuchen.

Und lasst Euch nicht erzählen, man wüsste mit Mehl nichts anzufangen.