Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Maskenball und Abmahnungen

Hadmut
2.4.2020 14:13

Vom Wahnsinn Deutschland.

Eigentlich hatte ich noch vor, es dann aber doch wieder sein lassen, einen Artikel dazu zu schreiben, die Deutsche Umwelthilfe einen Haufen widerlicher Kotzbrocken dreckigen Charakters zu schimpfen, weil sie angeblich gerade in der Zeit finanzieller Not und organisiatorischer Improvisationsnöte rumlaufen und Läden abmahnen, wofür ich sie meiner tiefsten Verachtung und Geringschätzung versichern wollte, fand es dann aber nicht hinreichend blogartikelwert, weil es in den Quellen hieß, dass sie die Testbesuche in den Läden schon zu einer Zeit vorgenommen hätten, als man die Bekanntheit der Corona-Krise noch nicht zwingend unterstellen konnte. Jetzt in einer Phase, in der Läden weitgehend geschlossen sind, auch noch abzumahnen, halte ich immer noch für würgreizkategorieneinstufungswürdig, hatte aber Wichtigeres zu tun, als über die Ursachen meiner Würgreize zu schreiben. Drum habe ich es bleiben gelassen.

Momentan haben wir bekanntlich einen Engpass bei Masken, und quer durch die Medien gehen die Aufforderungen und Nähanleitungen, sich wenigstens improvisierte, selbstgebastelte Atemmasken zu fertigen. Die seien immer noch besser als gar nichts.

Laut diesem Blogartikel schimpft nun eine Näherin, dass sie ihre Masken, die aufgrund der Zeitnot (und sicherlich aus Kostengründen) nicht zertifiziert sind, nicht verkaufen kann, weil sie von Abmahnanwälten abgemahnt werde.

Die Ursache für das Zurückhalten der dringend benötigten Ware liegt in der mangelnden Zertifizierung der Masken, da die Nähereien ihre Produkte wegen des Zeitmangels nicht offiziell bestätigen lassen konnten. Daher dürfen sie die Masken als Ausnahmeregelung nur an bestimmte als „systemkritisch“ erachtete Kunden beliefern. Wer dagegen nicht in die Kategorie fällt, der muss draußen bleiben. Das, obwohl die Produktionskapazitäten ausreichend weit hochgefahren werden konnten für eine Belieferung des ganzen Landes.

Unter den ausgeschlossenen befinden sich: Ärzte, Pflegeeinrichtungen und sonstige Institutionen (man denke an Großküchen oder Busfahrer), denen wegen der Versäumnisse durch Jens Spahn die Masken ausgingen, und die daher jetzt „darum flehen“ müssen, wenigstens ein paar Improvisationsstücke zur Verwendung zu erhalten.

Genau hier kommen nun unsere Abmahnanwälte ins Spiel, die dank der Zeit, die sie gerade in ihrem „Home Office“ haben, den ganzen Tag lang bei Opfern im Onlinewarenangebot stöbern können auf der Suche „Community-Masken“, die mit rechtswidriger Beschriftung verkauft werden.

Aus politischer Inkompetenz sind also all jenen die Hände gebunden, die unter Hochdruck bei der Abmilderung der Krise helfen können und helfen wollen.

Wäre vielleicht die Lösung unserer Juristenschwemme: Keine Masken an Juristen, weil nicht zertifiziert. „Tut mir leid, ich kann leider keine weitere Abmahnung riskieren…”

Wenn ich mir überlege, wieviel Mist in diesem Land hier abläuft, nur um die Juristenflut durchzufüttern. Eigentlich bräuchten wir ja dringend Erntehelfer, aber Juristen kann man da auch nicht einsetzen, die stehen nur auf dem Acker und drohen dem Spargel mit Abmahnung, wenn er nicht von selbst rausspringt. Oder schicken den Gerichtsvollzieher, den Spargel aus dem Boden zu vollstrecken.

Jens Spahn ist krachend inkompetent!

Man sollte das keinesfalls abtun als ein nachrangiges Versäumnis. Die größere Bedeutung des ganzen ergibt sich nämlich aus dem schon seit längerem vorhandenen Wissen um die kurz- bis mittelfristig vorhandenen Engpässe bei Masken und anderen Hygienemitteln. Spahn hätte das schon im Januar wissen können und auch darauf reagieren müssen. Aber er hat seine Arbeit nicht getan und es laufen lassen – und sich bekanntlich sogar Masken in Kenia klauen lassen – während er gleichzeitig noch zum eigenen Vorteil die Öffentlichkeit über die Bedeutung des Tragens der Masken täuschte.

Danach hat der Mann aber nicht Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um den Zustand endlich zu beenden, sondern er ließ es einfach geschehen. Dabei waren seine Handlungspflicht und das, was er hätte unternehmen müssen, mehr als nur offensichtlich.

Seine Aufgabe wäre es gewesen, umgehend sämtliche infrage kommenden Hersteller oder deren Verbände zu kontaktieren, um sie zu bitten, für die provisorische Deckung des Bedarfs schnellstmöglich die Produktion umzustellen. Denn hätte er das gemacht, dann hätten diese ihm sehr wahrscheinlich mitgeteilt, dass es bestimmte Regulierungen gibt, die ein solches Manöver verhindern.

Dass Spahn als Gesundheitsminister die letzte Pfeife ist, hatte ich schon öfters erwähnt.

Dass die Presse sowas nicht aufgreift, ist der Beleg, dass Presse nicht wichtig ist.