Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Russen sind an allem schuld

Hadmut
20.3.2020 23:45

Wieder mal. Auch am Corona-Durcheinander.

Da kam heute morgen was im Radio, ich habe dann auch im Web was dazu gefunden, beim Tagesspiegel: „Die Kampagne soll Verwirrung, Panik und Angst verschärfen“

Seit dem Beginn der Coronakrise hat die Europäische Union die Beobachtung von Fake News im Internet intensiviert – und eine „signifikante Desinformationskampagne“ durch russische Staatsmedien und kremltreue Akteure entdeckt. „Diese Kampagne ist darauf angelegt, Verwirrung, Panik und Angst zu verschärfen“, heißt es in einem Papier der Abteilung für Strategische Kommunikation des Europäischen Auswärtigen Dienstes, das dem Tagesspiegel vorliegt.

Ziel der Desinformation durch den Kreml sei es, die Krise in westlichen Ländern zu verschlimmern, besonders indem das öffentliche Vertrauen in die nationalen Gesundheitssysteme untergraben werde. Diese Bemühungen seien im Einklang mit einer breiter angelegten Strategie des Kremls, nämlich den Versuchen, „die europäischen Gesellschaften von innen zu zersetzen“, indem ihre Schwachstellen und ihre Spaltungen ausgenutzt würden. […]

Die selbst für ein internes Papier ungewöhnlich deutlichen Worte aus Brüssel haben ihren Grund: Nur zu gut ist vielen Europäern noch in Erinnerung, wie der Kreml während der Flüchtlingskrise 2015 in den von ihm kontrollierten Medien das Bild eines Europas zeichnete, das praktisch vor dem Zusammenbruch stehe, und wie Moskau zugleich die antieuropäischen Kräfte unterstützte.

Brauchen wir wirklich noch die Russen, um hier Verwirrung, Panik und Angst auszulösen und zu verschärfen?

Macht das nicht Angela Merkel mit ihren Ansprachen viel effektiver?

Haben wir nicht kürzlich noch Greta für „I want you to panic” gefeiert?

Wurde nicht zu Gender, Frauenquote, Klima und dem ganzen Mist ständig jede Menge Desinformation verteilt? Und jetzt auf einmal sollen es die Russen wieder sein?

Die „East StratCom Task Force“ hat seit dem 22. Januar insgesamt 80 Fälle von Desinformation über Corona in russischen Staatsmedien oder von kremltreuen Akteuren dokumentiert. So hieß es in einer Radiosendung des russischen Senders Vesti FM, in Deutschland fehle es an qualifizierten Ärzten, um das Coronavirus zu bekämpfen.

Äh … wollten wir nicht neulich noch die Zahl der Krankenhäuser halbieren?

Haben wir nicht die ganze Zeit schon zuwenig Ärzte?

Haben wir nicht durch Frauenförderung das Problem erst gebaut, dass unsere Universitäten fast nur noch Halbtagsärztinnen ausspucken, die dann in Mutterschaftszeit gehen?

Und jetzt sollen die Russen dran schuld sein?

„News Front“ berichtete in spanischer Sprache, Covid-19 könne Teil eines hybriden Krieges der USA gegen China sein. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Sputnik vermeldete ebenfalls auf ihrer spanischen Seite, das Virus sei in Wirklichkeit eine Biowaffe – und deutete an, die Amerikaner könnten dahinterstecken.

Dass das Coronavirus eine im Westen hergestellte Waffe sei, ist ein verbreitetes Thema in den vom Kreml gesteuerten Medien.

Mal anders gefragt: Sollte man nicht alle Möglichkeiten überdenken und prüfen, solange man nicht weiß, woher das Ding eigentlich kam?

Deutsche Sicherheitskreise sehen in der russischen Desinformationskampagne „ein sehr professionelles wie heimtückisches Story-Telling“. Die vom Staat gelenkten Medien versuchten über Sender und soziale Medien global das Narrativ zu verbreiten, bei der Coronakrise zeige sich erneut, dass der Westen böse sei und Russland gut. „Das wird anhand der Pandemie durchdekliniert“, heißt es. Die Coronakrise werde für die Strategie genutzt, mit antiwestlicher Propaganda weltweit Einfluss zu gewinnen.

Dem würde ich hinzufügen: Ich sehe im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein (mehr oder weniger) professionelles wie heimtückisches Story-Tellung. Ich ich würde auch sagen: Die vom Staat gelenkten Medien versuchten über Sender und soziale Medien global das Narrativ zu verbreiten, dass der Mann böse sei und Frauen gut. Oder Weiße böse und Migranten gut.

Insofern erschließt sich mir daraus der Unterschied zum business as usual nicht.

Doch was lässt sich konkret gegen Desinformation tun? Der Sprecher des EAD appellierte an die EU-Bürger, Informationen genau zu prüfen: „Schauen Sie auf die Quellen. Informieren Sie sich in Quellen, denen Sie vertrauen. Seien Sie vorsichtig!“

Genau das predige ich ja meinen Lesern. Presse, Fernsehen, Politik nicht mehr blind zu trauen, sondern sich die Quellen anzusehen und zu prüfen.

Mag ja sein, dass die Russen üble Dinge treiben, das will ich mangels Kenntnis nicht in Abrede stellen.

Aber unser Polit- und Medienapparat ist eben auch nicht besser oder anders.