Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Interessante Frage nach der Klarnamenpflicht

Hadmut
12.3.2020 1:51

Wer ist eigentlich „Antifa Zeckenbiss”?

Geht ja gerade rum: RTL hat Xavier Naidoo aus Deutschland-sucht-den-Superstar geworfen, weil der sich ausländerfeindlich geäußert habe.

Das ist mir eigentlich sowas von völlig egal, weil mir das immer gleiche Gewimmer von Naidoo so ganz gewaltig auf die Nerven geht. Das hat genau einmal funktioniert, als das noch neu und die Stimme noch jung war, nämlich in der Filmmusik zu Asterix. Alles danach ging mir wirklich auf den Wecker, immer nur endlose Neuaufgüsse des immer selben.

RTL kann ich auch nicht leiden, ich schaue das aber schon seit Jahren nicht mehr. Als die hier von DVB-T auf DVB-T2 umstellten, wollten die für Privatfernsehen plötzlich Geld haben, und dass ich dann für Werbefernsehen noch zahle, sehe ich nicht ein. Pro7/Sat1/Vox usw. schaue ich noch in sehr, sehr seltenen Fällen, weil ich da auf dem Fernseher Streaming-Apps habe (das ist dann kostenlos). Aber RTL will partout nicht, dass ich RTL schaue, und ich will partout nicht RTL schauen. Insofern sind wir uns einig. Die können mir komplett gestohlen bleiben, und die Casting-Shows von Dieter Bohlen waren wie Dschungelcamp usw. auch nur beim ersten Mal sehenswert, danach nur noch nervige Endlosaufgüsse des immer selben.

Wenn in China ein Sack Reis umfällt, interessiert mich das wesentlich mehr als das Programm und die Innereien von RTL.

Eigentlich wollte ich auch gar nichts dazu schreiben, aber es gab so viele Leserzuschriften.

Einer schreibt mir nun, dass dieses Video eigentlich schon älter sei, und nicht etwa, wie das bisher so in den Presseartikeln wirkte, neu sei, sondern ein älteres Machwerk, das nun aber von der Antifa irgendwo ausgebuddelt und von „Antifa Zeckenbiss” auf deren Twitter-Account publiziert wurde. Keine Ahnung, ob das die erste Quelle war oder die nur mitreiten.

Was bei mir jetzt aber eine andere Frage aufwirft. Wieder mal die Dunja-Hayali-Frage.

Denn die hatte, ich hatte berichtet, mal anlässlich einer Radiosendung mit Jakob Augstein behauptet, das sei ein alleinstellendes Merkmal der „Rechten”, anonym aufzutreten. Aggressive Teile des Publikums stimmten ihr zu. Da herrscht eine tiefe und weitreichende Überzeugung (oder vieleicht auch nur gelogene Behauptung, so genau habe ich das noch nicht durchschaut), dass anonymes Auftreten im Netz und in der Öffentlichkeit ein untrügliches Erkennungszeichen für „Rechte” sei.

Was ich schon damals absurd fand, weil man massenweise linke Webseiten und Social-Media-Accounts findet, die anonym publizieren und hetzen, und bei denen auch reihenweise das Impressum ganz fehlt oder selbst dann, wenn die Leute unter Echtnamen auftreten, es an der ladungsfähigen Anschrift fehlt. Sogar Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verbergen ihre Impressumsangaben.

Das ist natürlich mal wieder völlig durchverlogen, weil es auf der Hand liegt und für jeden sichtbar ist, dass die Behauptung nicht nur einfach falsch ist, sondern weil es eben auch in der Presseszene selbst so ist und es regelrechte „Medienberater” gibt, die anderen beibringen, wie man das macht.

Eigentlich ist das immer alles verlogen.

Aber es bringt mich auf einen Gedanken.

Denn weil man ja ständig behauptet, das wäre ein untrügliches Erkennungsmerkmal für „Rechte”, sind jetzt einige unserer, naja, sagen wir mal „nicht so netzaffinen” Politiker drauf und dran, eine Klarnamenpflicht im Netz einzuführen.

Was rechtlich gesehen eigentlich auch nicht neu ist, denn prinzipiell muss jeder, der geschäftsmäßig publiziert (und das heißt nicht gewerblich, also Geld, sondern es heißt nachhaltig, also auf Dauer angelegt), ein Impressum haben, und das muss bei natürlichen Personen den Namen und bei juristischen Personen den Vertretungsberechtigten benennen. Gerade werden ja auch über den Medienstaatsvertrag da die Pflichten verschärft.

Insofern bin ich jetzt mal gespannt, was da passiert.

Momentan tendiere ich nämlich tatsächlich zur Klarnamenpflicht.

Klar, die Nachteile und Gefahren sehe ich schon.

Aber in der derzeitigen politischen Lage sehe ich mehr Vorteile als Nachteile, und für mich gilt wegen der Impressumspflicht die Klarnamenpflicht schon lange.

Mich würde das bei vielen echt mal interessieren, wer da dahintersteckt. Außerdem bin ich da etwas altmodisch und der Überzeugung, dass für alle dasselbe Recht gelten muss. Entweder alle oder keiner mit Klarnamenpflicht.

Deshalb wäre ich sehr dafür, dass bei Webseiten, Twitter-Accounts und so weiter eine generelle Klarnamenpflicht durchgesetzt wird. Und damit meine ich auch beim Fernsehen und bei Zeitungen.

Ich glaube, das würde vieles enorm befrieden und seriöser machen.