Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Drehkreuz Warschau

Hadmut
24.1.2020 18:04

Das finde ich jetzt überaus interessant. Nachtrag

Also bisher war das mit den Flughäfen in Berlin ja ein ziemlicher Krampf.

Als ich noch vor München wohnte, bin ich einfach in die S-Bahn gestiegen und war in ein paar Minuten an einem Flughafen, von dem die internationalen Flüge direkt losgingen. Direkt nach Dubai oder Singapur und so weiter. Das war nicht nur bequem, das hat auch Zeit und Geld gespart.

Auch in Dresden war es nicht schlecht. Da ging die Straßenbahn fast direkt vor der Haustür los, einmal kurz umsteigen, und schon war ich zumindest am Dresdener Flughafen als Zubringer.

In Karlsruhe war das eine Katastrophe. Mühselig nach Stuttgart oder ab und zu auch mal auf das Karlsruher Miniaturflughäfchen, von denen hin und wieder mal was abflog. Man musste an Zielen halt nehmen, was geboten wurde. Nicht, wo man hin wollte.

Schräg war auch Ulm. Da ist man an den Allgäu Airport gefahren. Der war so klein, dass man dort den ganzen Tag kostenlos parken konnte, weil sie so wenige Parkplätze hatten, dass ich ein Parkscheinautomat nicht lohnte.

Die schrägste Katastrophe aber ist die Bundeshauptstadt Berlin. Eigentlich vier Flughäfen (TXL, SXF, noch nicht BER, früher noch THF), aber TXL und SXF sind nur mit mühsam umsteigen, in überfüllten Bussen und Bahnen und langwierig zu erreichen, und wenn, dann hat man auch nicht viel davon. Meine meisten Fernreisen Richtung Asien gingen, seit ich in Berlin wohne, nicht von Berlin, sondern von Hamburg aus. Ich sitze hier in der Mitte von vier Flughäfen und muss zum Fliegen von hier zum Bahnhof, vom Bahnhof zum Bahnhof Hamburg, von dort mit der S-Bahn zu Flughafen Hamburg fahren.

Nun soll ja der BER bald eröffnen. (Das habe ich 2012 auch schon gedacht.) Dieshalb stünden die Chancen gut, meinte eine Zeitung. Nicht weil die Wahrscheinlichkeit an sich gestiegen wäre, sondern weil inzwischen der Punkt erreicht sie, an dem ihn nicht zu eröffnen noch absurder geworden ist, als ihn zu eröffnen, egal in welchem Zustand. Sie meinen, der Eröffnung wäre eigentlich kaum noch zu verhindern. (Wobei ich da auch vorsichtig wäre, denn das wäre jetzt wirklich mal ein zynisch-witziger Zeitpunkt für einen Bombenanschlag. Ich würde das Ding jetzt besonders gut bewachen.)

Ein interessanter Hinweis kommt aber gerade aus Polen: Die polnische Staatsfluglinie LOT hat sich den Ferienflieger Condor gekauft.

Mit der Condor-Übernahme durch LOT entsteht für die Lufthansa mit ihrer auch im Ferienfluggeschäft tätigen Tochter Eurowings eine stärkere Konkurrenz. Lufthansa und LOT gehören zwar dem gleichen Airline-Verbund Star Alliance an, aber das Drehkreuz Warschau wird durch dieses Bündnis gestärkt.

Wenn die Polen das jetzt schlau anfangen – und daran habe ich keinen Zweifel – graben die von vornherein BER das Fernfluggeschäft ab und degradieren den zum Zubringerflughafen für Warschau.

Ich habe gerade mal gesehen, das sind vom Berliner Hauptbahnhof aus etwa 700 km und die Zugverbindung ist lausig, zumindest laut Google fährt man da 6,5 bis 9 Stunden mit dem Zug. Entweder Schnarch-EC, so eine russischer Express, oder manchmal geben sie auch Flixbus an. Wenn die da aber eine ordentliche Zuglinie einrichten, auf der die Züge mindestens 250km/h fahren, könnte man in 3 Stunden vom Berliner Hauptbahnhof am Flughafen Warschau sein. Bedenkt man, dass man auch eine gute Stunde braucht, um bis zum BER zu fahren und dort noch eine Stunde mit Sicherheitskontrollen und Checkin verbringt und der Flug von BER nach Warschau dann auch noch eine Stunde dauert, wäre es in der Tat einfacher, gleich mit dem Zug zum Flughafen Warschau zu fahren, und dann sogar schneller und einfacher als zum Flughafen Hamburg. Die Bahnlinie an sich gibt es ja schon, man müsste sie nur etwas – Spässle – aufpolieren.

Eigentlich hätten die Polen das BER-Desaster schon viel früher dafür nutzen und einfach eine ordentliche Bahnverbindung Berlin – Flughafen Warschau einrichten können.

Es würde aber immer noch funktionieren.

Nachtrag: Ein Leser rügt die Entfernungsangabe. Es seien keine 600 km von Berlin nach Warschau. Ich hatte einfach Google Maps gefragt, und da waren verschiedene Autobahnverbindungen mit 700 km angezeigt, aber es gibt tatsächlich auch eine mit 575km. Die sogar ziemlich der Bahnlinie entspricht.

Umso besser. Das könnte man bei ordentlichen Gleisen auch in zweieinhalb Stunden mit dem Zug schaffen.