Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Projekt Himmelsfernsehen

Hadmut
18.1.2020 18:12

Zur konkreten Umsetzung einer Schnapsidee. [Nachtrag 1-3]

Der ein oder andere wird vielleicht mitbekommen haben, dass meine Meinung vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht die beste ist.

Oder anders gesagt: Ich habe die Schnauze voll von dem Mist. Die senden ja immer öfter nur noch irgendwelchen Billigmüll oder Propaganda. Schaltet irgendwann ab 19:00 den Fernseher ein und es kommt fast nur noch Mist. Meistens entweder Bernhard Hoecker als professioneller Kindergeburtstagsteilnehmer im Quiz-Horror oder Horst Lichter mit seinem Tödelhandel. Privatfernsehen sehe ich nicht mehr ein (im doppelten Wortsinn), seit die mit der Umstellung auf DVB-T2 nicht nur Geld dafür wollen, dass man sich deren Dauerwerbesendungen ansieht, sondern auch noch pro Fernseher.

Und tatsächlich ist es ja auch so, dass ich immer mehr Video- und Audio-Quellen aus dem Netz ziehe, Youtube, Vimeo und so weiter und so weiter, und – das Laster gestatte ich mir – ab nächsten Freitag auf Amazon Prime Picard.

Die Frage ist: Wo, wie, wann.

Bisher gucke ich Netzvideos eher am PC, öffentlich-rechtlich eher im Wohnzimmer am großen (aber alten und veralteten) Fernseher (mit jeder Menge externem Zeugs mit HDMI). Langweilt mich. Ich habe im Büro einen zweiten, neueren, modernen, kleineren Fernseher, der eigentlich alles kann, mich aber irgendwie auch nicht anmacht, ihn außer so neben anzumachen. Meldet sich natürlich im Netz an, und wenn ich auf einem Android-Tablet ein Youtube-Video schaue, fragt das Tablet gleich nach, ob ich ihn nicht lieber auf dem Fernseher weiterschauen möchte, ich müsste nur klicken. Neulich ist mir das passiert, dass ich aus dem Bad kam und mich wunderte, warum dieser Fernseher lief. Da hatte das Tablet über das Netz den Fernseher eingeschaltet und angewiesen, selbiges Youtube-Video zum Besten zu geben.

Ja.

Nun ist es aber auch so, dass ich auch nicht endlos Lust habe, irgendwo vor der Glotze zu sitzen, ich sitze nämlich schon viel zu viel.

Neulich ist mir nun etwas aufgefallen, und das heißt, dass ich ein neues Projekt angehe.

Kennt Ihr LED-Beamer?

Gibt es ja schon lange, aber die sind bisher nur Mist gewesen. Zwar hübsch klein und nicht so anfällig wie die herkömmlichen Beamer mit Birne, auch mechanisch weniger aufwendig, aber viel zu dunkel und mit lausigster Auflösung, meist 640×480, 854×480, mitunter noch weniger. Das ist nichts. Hat mich bisher überhaupt nicht überzeugt. Ich habe die schon mal auf Messen oder in Läden gesehen, das war bisher unbrauchbares Spielzeug und das viel zu teuer. Meist so zwischen 300 und 1000 Euro.

Ich habe zwar auch noch einen FullHD-Beamer mit Birne und so weiter, den ich mal vor einiger Zeit für Vorträge benötigt und angeschafft habe, aber der ist für zuhause zu groß und zu Umständlich, und den will ich auch nicht unnötig bewegen, weil das die Lebenszeit der Birne verkürzen kann. Ist halt ein Vortrags-Beamer.

Inzwischen hat sich da aber wohl etwas getan.

Es gibt aufeinmal im Handel eine Reihe von LED-Beamern, die anders gebaut sind. Nicht so winzig im Zigarrenkistenformat, sondern wie ein richtiger Beamer im Maßstab 1:2 oder 2:3 verkleinert, mit einer Lichtausbeute um die 4000 Lumen, was für Tageslicht nicht reicht, aber im abgedunkelten Zimmer schon was hermacht, mit einer echten Auflösung von 1280×720 und zu Preisen um 140 Euro.

Da muss man nun sehr aufpassen, denn da wird gerade ganz viele angeboten, und überall heißt es 1080p unterstützt, was aber nur heißt, dass man ein 1080p-Signal per HDMI reinpumpen kann und der das versteht, die echte Auflösung steht dann nur irgendwo im Kleingedruckten. Und da sind eben auch noch viele ältere Beamer mit 640×480, 800×600, 854×480 noch dabei. Nur die neueren Modelle haben 1280×720 und vermutlich hat irgendein Hersteller da die Bauteile auf den Markt geworfen, um die nun verschiedene chinesische Hersteller ihre Beamer drumherum basteln.

Es heißt in den Kommentaren, für Präsentationen taugten sie nichts, weil einfach zu schwach und nicht scharf genug, und für Spiele wegen der niedrigen Wiederholrate auch nicht. Aber für Video wären sie nicht zu schlecht, wenn das Zimmer abgedunkelt sei.

Kann das taugen?

Ist so eine Sache.

Viele Kritiken laufen auf ein „kann man zu dem Preis nicht mit einem teuren Beamer vergleichen, man darf nicht zuviel erwarten, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis ist verblüffend gut”. Manche schreiben, wäre prima für’s Kinderzimmer (wie sich die Zeiten ändern: Beamer im Kinderzimmer, Mutti ruft dann per Video-Live-Schaltung aus der Küche zum Essen), andere sagen, so als Ersatz oder um mit Kumpels in der Gartenlaube Bier zu trinken und Fußball zu gucken, wär’s OK.

Ein seltsames Stück ist mir zudem aufgefallen: Im Online-Versand für alles und jedes wurde mir noch ein Beamer für sage und schreibe 77 Euro angeboten, mit 1280×720, allen möglichen Eingängen, Mediaplayer und so weiter. Da dachte ich, das kann doch nun wirklich nichts taugen und haben einige Reviews dazu gelesen oder als Video auf Youtube gesehen.

Einhelliges Fazit: Der taugt wirklich nichts, aber nur aus einem einzigen Grund: Das Objektiv taugt nichts, es ist unmöglich, das Bild ganz scharf zu kriegen. In der Bildmitte geht’s, aber nach außen wird es zur Katastrophe. Man ist sich aber einig, dass der Rest des Geräts für den Preis verblüffend gut und voll tauglich sei. Insofern wäre die Annahme gerechtfertigt, dass man für 139 Euro Endpreis ein Gerät herstellen kann, das in diesem entscheidenden Punkt besser ist.

Ich war nun also mutig und habe 139 Euro in eines dieser Geräte investiert.

Ich stelle mir das so vor: Fernsehgucken im Liegen im Bett.

Ich habe zwar auch im Schlafzimmer einen kleinen Fernseher neben dem Bett stehen, aber das guckt sich doch sehr unbequem. Die Überlegung ist, diesen Mini-LED-Beamer hinter dem Kopfende des Bettes zu befestigen, dass der senkrecht nach oben an die Zimmerdecke strahlt und ich einfach bequem und ohne jede Verrenkung oder Muskelanspannung auf dem Rücken liegen und nach oben gucken kann.

Eben kam das Ding.

Mmmh.

Naja, also so gut wie ein herkömmlicher Beamer ist er wirklich nicht. Vor allem gibt es ein Problem mit dem Kontrastumfang, helle Bereiche fressen leicht aus, die dunkeln saufen ab. Und ich dachte erst, ich bekomme das auch nicht scharf, aber vielleicht war die Distanz Schreibtisch-Zimmertür (ich hatte das erst mal an die Tür gestrahlt) zu klein. Stelle ich das Ding einfach hochkant auf den Tisch (was mit normalen Beamern nicht geht) und leuchte an die Decke, sieht das tatsächlich schon deutlich besser aus, aber leider nicht so groß, wie ich mir das erhofft habe, weil meine Zimmer nun auch nicht 3 Meter hoch sind. Das Ding hat keinen Zoom und man wird es wohl in Bodennähe anbringen müssen (wo die Lüfter dann vermutlich Staub ansaugen).

Dazu kommt das Problem, dass das Ding zwar eine sehr einfache, begrenzte und primitive (optische) Trapezkorrektur hat, aber nur in eine Richtung, als wenn das Ding auf dem Tisch steht und nach oben beamt. Was aber heißt, dass das Ding am Kopfende des Bettes nicht aufrecht strahlen kann und direkt angeschraubt werden kann. Man muss es um 180° drehen, damit die Füße des Beamers vom Bett wegzeigen und ihn dann Richtung Bett, also kopfüber kippen, damit das Bild an der Decke über meinen Augen und nicht über dem Beamer ist. So mit überstrecktem Hals im Bett liegen und nach hinten gucken ist auch nicht schön. Das Ding hat zwar eine Stativschraube, aber ich kein Stativ, das sowas kann.

Bei einigen Testfilmen ist mir dann auch aufgefallen, dass der Mediaplayer des Beamers zwar Filme in Matroska und HEVC anzeigen kann, aber keinen Ton in AC-3. Immerhin geht AAC. Apropos Ton: Lautsprecher sind auch drin. Etwas quäkig, hören sich billig an, aber für Filme mit Handlung ausreichend.

Das Ding frisst Videodateien auf USB oder MicroSD. Neulich gab es im Sonderangebot eine 512GB-Micro-SD-Karte für 66 Euro. Mit so einer Karte könnte ich meine ganze Video-Sammlung in so einem Beamerchen unterbringen.

Aber immerhin: Das Ding wirkt als Gerät gar nicht billig. Nicht wie irgendein billiger China-Scheiß, sondern schon wie ein professioneller Beamer. Nur eben mit schlechterem Bild, dafür kleiner, leichter, billiger und wegen der fehlenden Glühbirne viel weniger anfällig.

Jetzt muss ich mal schauen, ob ich das so hinbekomme, wie ich mir das vorstelle, und ob ich damit dann zufrieden bin.

Wenn nicht, kommt das Ding auf’s Klo. Ich habe im Bad einen Sims, in dem die Wasserspülung verborgen ist, und der nur bis etwa Brusthöhe geht, weil man am Waschbecken auch Spiegelkästen, Zahnbürsten und sowas draufstellen kann. Da könnte man das Ding draufstellen, damit es dann, wenn man gerade sitzt, über denen eigenen Kopf hinweg an die Wand gegenüber strahlt, oberhalb der Badewanne. Da kann man dann Nachrichten gucken oder sowas.

Mal sehen…

Nachtrag 1: Ha, erstaunlich. Ich hatte im Sammelschrank für alten PC-Krempel noch ein paar billige analoge PC-Lautsprecher, die per USB-Stecker gespeist werden, die ich mal für Schulungen usw. mit dem Notebook gekauft hatte. Die passen wunderbar an den Beamer. Damit erreicht man zwar jetzt auch keinen sonderlich lauten, aber einen guten Ton, Stereo, und der Beamer kann die Laustsprecher über die USB-Stick-Buchse mit Strom versorgen.

Nachtrag 2: Ist mir gerade so aufgefallen: Bei dem 77-Euro-Beamer (Sonderangebot beendet, kostet wieder 119, ich hätte ihn vielleicht doch nehmen sollen) beschrieben doch viele, dass sie das Bild nur in der Mitte scharf bekommen. Ich hatte gerade ein ähnliches Problem und dachte Nanu, das hatte ich doch vorhin noch nicht. Lösung: Ich hatte an der Trapezkorrektur herumgespielt, die im Gegensetz zu teuren Beamern anscheinend den Chip kippt und nicht verschiebt (also tilt statt shift wie beim Tilt-Shift-Objektiv) und deshalb die Schärfeebene mitkippt. Wenn man die richtig einstellt, dann wird das Bild so scharf, dass man die feinen Linien zwischen den Pixeln erkennen kann.

Wenn man also die externen PC-Lautsprecher dranhängt und das Bild ordentlich einstellt, ist das durchaus gut. Die Farben sind etwas flach, vor allem rot, aber wenn man im Menü auf Vivid stellt, sind sie etwas kräftiger.

Nun hege ich die Vermutung, dass die Leute, die den billigen Beamer getestet haben, darauf reingefallen sind, denn im Gegensatz zu meinem, der vorne am Objektiv zwei Einstellräder hat, ist bei dem noch billigeren die Trapezkorrektur über einen Schieber auf der Gehäuserückseite gelöst und zumindest einer der Reviewer hatte bemängelt, dass es keine gäbe, hat die also anscheinend gar nicht bemerkt. Insofern könnte es also sein, dass der ganz billige Beamer nicht schlecht ist, sondern nur nicht richtig eingestellt war. Ich hätte ihn wohl doch für 77 Euro nehmen sollen, aber jetzt ist er wieder bei 119. Das war nur ein Blitzangebot für ein paar Stunden.

Nachtrag 3: Anscheinend tut sich noch mehr, ich habe jetzt ein Gerät entdeckt, dass ich vorgestern noch nicht gesehen habe, auch LED, mit 5000 Lumen und nativer FullHD-Auflösung (1920×1080), kostet dann aber auch 230 Euro.