Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Beamtenlustreisen

Hadmut
11.1.2020 13:58

Kenn ich.

Focus schreibt über den Göttergatten der Giffey:

Karsten Giffey, der Ehemann von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD), soll laut Informationen des Wirtschaftsmagazins “Business Insider” seinen Job verloren haben. Er arbeitete als Beamter im Landesamt für Gesundheit und Soziales und war dort als Veterinär eingesetzt. Dem Mann der SPD-Politikerin wird vorgeworfen, seine Arbeitzeiten nicht korrekt erfasst zu haben. Er soll zudem Dienstreisen abgerechnet haben, die gar nicht stattfanden.

Verraten haben sollen ihn ausgerechnet Urlaubs-Fotos. Wie der “Tagesspiegel” berichtet, habe Giffey die Reise zu einem Kongress in Griechenland als Urlaubszeit angegeben. Die dort verbrachte Zeit deklarierte er dann kurzerhand als Arbeitszeit. Nach seiner Rückkehr ins Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales zeigte er dann seinen Kollegen aber Urlaubsfotos aus Zypern, die während der Zeit entstanden sein sollen, als er offiziell auf dem Kongress war.

Kenn’ ich.

Der Professor, bei dem ich damals an der Uni war, hat das öfters so gemacht. Der ist auch immer gern erster Klasse geflogen (damals ging das mit Drittmitteln noch, keine Ahnung, ob das heute noch geht) und hat das damit begründet, dass er sich ja mit seiner „Freiheit von Forschung und Lehre” auch ganz kurzfristig immer umentscheiden könnte, den Flug nicht anzutreten, und mit diesen ganz teuren Erster-Klasse-Tickets ginge das, die könnte man jederzeit kostenlos umbuchen. (Niemand hat gefragt, ob es nicht trotzdem billiger wäre, Holzklassetickets zu buchen und sie bei Bedarf einfach verfallen zu lassen.) Natürlich immer an die schönsten Orte der Welt. Wenn er dann von unterwegs anrief, hat er immer erst mal erklärt „Ich sitze hier am Strand von …”, denn ein krankhafter Angeber war er ja auch. Wie viele Professoren, die eigentlich auch nichts anderes machten, als untereinander einen Wettbewerb auszufechten, wer am meisten Kohle reinholt und sie auf die schrägste Art veruntreut. Und da gab es dann eben unglaublich viele „Dienstreisen”, und dummerweise ist halt ein paarmal aufgefallen, dass er bei sündhaft teuren Konferenzreisen zwar gereist war, man ihn auf der Konferenz aber nicht gesehen hatte.

Ja, schon übel. Da fliegt man um die Welt an die schönsten Orte der Welt, und kann dann an der Konferenz nicht teilnehmen, weil man gerade unpässlich war oder von einer plötzlichen Umentscheidung der Wissenschaftsfreiheit ereilt wurde, und einen ja keiner zwingen könne, da jetzt auch wirklich hinzugehen, das wäre ein ein Eingriff in die Freiheit von Forschung und Lehre.

Verfolgt wurde das nie.

Im Gegenteil.

Die Uni hat noch fleißig Geld mitgewaschen.

Das lief dann beispielsweise so: Ein Professor nimmt für irgendwas illegal Geld. Beispielsweise fordert er Schmiergeld einer Firma für die Annahme einer Diplom- oder Doktorarbeit, oder verhökert die Software, die seine Mitarbeiter geschrieben haben.

Entweder war’s direkt kriminell – Vorteilsannahme, Bestechlichkeit, Erpressung, Betrug, Untreue, Geldwäsche – oder Steuerhinterziehung.

Auf der Rechnung stand dann aber nicht die Kontonummer des Professors oder Instituts, sondern das große dicke Zentralkonto der Universität, einer öffentlich-rechtlichen Einrichtung. Da geht das Geld erst mal drauf, natürlich ohne Umsatz-, Einkommens- oder Unternehmenssteuer, brutto für netto. Und hat – der große See – erst einmal keinerlei Bezug zum Professor. Man kann dem erst mal nichts.

Einige Zeit später tritt der Professor dann beispielsweise eine teure Dienstreise an, weil auf Hawaii irgendeine totaaal wichtige Konferenz stattfindet. Also macht der Professor dort Urlaub, muss den aber nicht nur nicht bezahlen, sondern auch keine Urlaubstage dafür nehmen und bekommt noch Tagegeld obendrein. Steuerfrei.

Und niemand könnte nachweisen, dass das eine Geld irgendetwas mit dem anderen Geld zu tun hätte.

Das ist übrigens auch der Grund, warum die Politik sich so einfach Gender-Professuren für ihre Günstlinge kaufen kann. Man überweist der Universität dann eben ein paar „Forschungsgelder” in den See. Verwendung dann Freiheit von Forschung und Lehre.

Ähnlich habe ich das mal mit einem Macintosh erlebt, die damals noch viel teurer waren als heute.

Töchterchen wünscht sich einen Mac. Aber nicht so’n kleines Popelding, sondern die heftige Orgel.

Also kauft Prof. Dr. Papi im Institut die vollausgerüstete Superorgel, selbstverständlich mit aller kommerzieller Software drauf, die das Töchterchen gebrauchen könnte. Und ein Inventaraufkleber an unauffälliger Stelle. Untendrunter oder so. Und füllt dann einen Leihschein dafür aus, der nur in seinem eigenen Sekretariat liegt, den sonst niemand sieht. Weil er ja als Professor frei in Arbeitszeit und -ort ist und zuhause arbeiten möchte. Zuhause ist es dann natürlich so beengt, dass der einzige Platz für das Riesen-Trumm auf dem Schreibtisch des Töchterchens ist.

Und natürlich geht das Ding dann regelmäßig zurück ins Institut, um Hard- und Softwarewartung, Aufrüstung usw. auf Institutskosten und durch Institutsmitarbeiter machen zu lassen.

Damit sind also Einnahmen aus Diplom- und Doktorschmiergeldern und ähnlichen faulen Einnahmen oder auch sonstige Drittmittel gewaschen und steuerfrei auf dem Tisch der Tochter gelandet, keine Umsatz-, keine Einkommensteuer, keine Nebentätigkeitsgenehmigung. Schmiergeld für die Annahme von Diplom- oder Doktorarbeiten wäre als Nebentätigkeit auch etwas schwierig. An manchen Instituten mussten die Doktoranden selbst einen „freiwilligen” Beitrag von 5000 D-Mark in den See zahlen, während bei externen Doktorarbeiten der Arbeitgeber dann breit zahlen musste.

Ein Professor sagte mir damals unter der Hand, dass ich zwei Fehler gemacht hätte. Der erste war, auf die Dissertation „zur Erlangung eines Dr. Ing.” zu schreiben. Denn die Fakultät vergebe ja zwei, den Dr. rer. nat. und den Dr. Ing. Ich fand den Ing. eigentlich interessanter, wusste aber nicht, dass die Fakultät die beiden für unterschiedliche Zwecke gemacht hatte, den rer.nat. für wissenschaftliche Leistungen und den Ing. für industriegekaufte Pseudopromotionen. Handelsware. Und weil ich dann zum Prüfungstermin auch gekündigt hatte, galt das dann aus Sicht der Fakultät, die die Hintergründe der Dissertation und des Streits nicht kannte, vornerum als „der hat sich bei uns einen Doktor gekauft und nicht gezahlt”. Denn schon wenige Wochen nach meinem Weggang wurde man bei meinem damaligen Arbeitgeber vorstellig, und wollte Geld bzw. mich auf dessen Kosten an die Uni zurückabstellen (später behaupteten sie, ich sei hochgefährlich, man hätte mich kündigen müssen), wovon man dachte, das geht so. Weil derselbe Arbeitgeber für zwei andere Promotionen schon gezahlt hatte, von denen aber nur eine stattgefunden hatte. Der Arbeitgeber war durchaus bereit, an solchen Schmiergeldspielchen mitzumachen, dachte aber, er habe noch eine gut und schon bezahlt, während die Uni meinte, es wird pro Kopf gezahlt, das ist nicht übertragbar. Außerdem fand man den Preis bei mir dann viel zu hoch. Der Arbeitgeber sprach deshalb mit mir, und ich war damals entrüstet und sagte, das gehe gar nicht, ich will keine gekaufte Promotion, und so sah die Fakultät, die von Security und den Hintergründen keine Ahnung hat, die Sache als „bestellt und will nicht zahlen” an.

Und dergleichen Stories mehr. Es gab Informationen über einen Professor, der seine komplette Buchhaltung gefälscht hatte, um zu vertuschen, dass er groß Geld veruntreut hatte. Störte aber keinen. Er solle bitte so fälschen, dass man es übersehen kann und nicht bemerken muss. Es wurden dann Drittmittel einfach doppelt in verschiedenen Jahren gebucht, erst das Jahr mit dem Bescheid Ende Dezember, und im nächsten Jahr nocheinmal, als das Geld tatsächlich kam. Und schwups stimmte wieder alles, solange man immer nur ein Jahr in den Büchern prüfte.

Es hieß ja neulich, der Grund dafür, dass man Giffey nach den Plagiaten den Doktor nicht abgenommen hätte, sei, dass die Berliner SPD mit regierenden Bürgermeister Müller so gar kein Glück habe und Giffey gerade der SPD einzige Hoffnung zur Neubesetzung des Amtes wäre. Da gehe sowas gar nicht.

Ich habe keinen Zweifel, dass die betreffende Berliner Universität dann – ohne jeden Zusammenhang – wieder Forschungsgelder in den See bekommt, zur Erforschung der Geschlechtermodelle hawaiianischer Sandregenwürmer oder sowas.

Bei Tierärzten wie Giffeys Mann geht das dann natürlich nicht.

Professor für Tiermedizin hätte er sein müssen, dann wär’s kein Problem gewesen.