Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Die Morddrohung im Übergang vom Playboy zum Dschungelcamp

Hadmut
6.1.2020 21:54

Ich auch, ich auch!

Es gab mal eine Zeit, da haben sich junge Möchtegern-Promis (die weiblichen) im Playboy ausgezogen oder haben seltsame Sex-Filmchen wie Barbarella oder „Als die Frauen noch Schwänze hatten” gemacht, um ins Geschäft zu kommen, Stichwort „Ich war jung und brauchte das Geld”.

Da war die Welt noch in Ordnung.

Dann kam die Phase, als es zum Lifestyle wurde, sich im Playboy auszuziehen, als man über die, die es nicht taten, sagte „Die hat was zu verbergen”, vorne Hänge*, hinten Hänge*.

Das ging auch noch.

Irgendwann aber kam die Phase, als sich die Karrierewracks, die, die schon zu sehr altern, um vor der Kamera noch mit etwas unter der Putzfrau oder Großmutter besetzt zu werden, noch schnell auszogen. Entweder nach dem Schema „geht noch”, oder „alles neu machen lassen, war nicht billig”.

Es gab dann so einen fließenden Übergang vom Playboy zum RTL Dschungelcamp. Was der Playboy im Allgemeinen nicht mehr nahm und auch sonst keinen Platz mehr vor der Kamera bekam, musste eben nach Murwillumbah. Ins Dschungelcamp. Kröten und Ziegenhoden fressen. Um noch irgendwie ins Fernsehen zu kommen.

Dass der Übergang fließend war, merkte man daran, dass die ein oder zwei Fleischstücke, die von RTL bewusst etwas jünger und noch ausziehfreudig gewählt wurden, damit es wenigstens etwas zu sehen gibt, sich natürlich regelmäßig zur Sendung im Playboy entblätterten. Symbiotisch. Ich bin mir aber nicht sicher, wer heute weniger Leser oder Zuschauer hat und nekrotischer ist: Playboy oder Dschungelcamp. A- und B-Promis kriegen sie beide nicht mehr und selbst bei C-Promis tun sie sich sehr schwer. D-Promis vielleicht und der Trend geht zum E-Promi. Sehen will man beide nicht mehr.

So ungefähr im Bereich zwischen Lifestyle-Entblättern, Altersexhibitionismus und Dschungelcamp angesiedelt ist das PR-Metier des Empfangs von Morddrohungen.

Früher eher so Lifestyle-PR-Manöver, danach eher so Karriere-Retter für Alternde, dann letzte Hoffnung auf Medienpräsenz für das menschliche Gegenstück zum Euro-1 oder 2-Diesel mit defektem Partikelfilter. Rote Plakette.

Längst ist es so, dass man ohne Morddrohungen zu erhalten nichts mehr zählt, nicht mehr wichtig ist. Ein Politiker ohne Morddrohung ist wie ein Schauspieler, der nicht mehr vor die Kamera kommt. F-Besetzung. Selbstverständlich gibt es längst Agenturen, die einem das auf Wunsch machen und einem schöne Drohungen schicken. Seht her, „alles machen lassen, war nicht billig”.

Und wer sie nicht machen lässt, dem machen sie liebe Freunde, denn kaum etwas macht Politiker so depressiv, wie keine Morddrohung zu bekommen. Bin ich so unbekannt? Bin ich so unwichtig? Habe ich so wenig politisches Programm? Wofür soll man mich wählen, wenn ich nicht mal jemanden störe?

Es bleibt nur noch die Wahl zwischen Morddrohung und Dschungelcamp. Aber die Plätze im Dschungelcamp sind knapp und das findet nur einmal im Jahr statt. Und Ziegenhoden zu fressen ist selbst unter Politikern doch nicht jedermanns Sache. Der Feministinnen schon eher.

Wusstet Ihr schon, dass auch Kevin Kühnert jetzt Morddrohungen bekommt?

Der Juso-Vorsitzende und stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD, Kevin Kühnert, ist auf Facebook bedroht worden. In einem Screenshot, den er auf Twitter veröffentlichte, ist ein Bild zu sehen, das ein anderer Nutzer offenbar an Kühnert adressiert hatte. Darauf ist eine Pistole zu sehen, aus der sich ein Schuss löst. „Das ist die einzige Antwort auf solche Typen!“, steht darunter. Auf Facebook wurde das Bild inzwischen gelöscht.

Schrecklich. Die Intensität dieser Drohung.

Seltsam. Auf der einen Seite diskutiert man über Nazi-Sau-Omas und dass die Kunst- und Meinungsfreiheit einfach alles dürfe, auch Leute als Nazis abkategorisieren, und dann wendet derselbe Journalienbrei wieder ganz andere Maßstäbe an. Ist das dann keine Kunst mehr?

Was, wenn der Absender bei einem ARD-Sender arbeitet?