Hadmut Danisch

Ansichten eines Informatikers

Zuschrift eines Künstlers

Hadmut
19.12.2019 22:02

Ein Künstler schreibt mir pampig, dass er mit einem meiner Blogartikel nicht einverstanden ist.

Es geht um den Artikel von gestern, wonach Leipzig gerade 10 Millionen Euro auf Kunstprojekte verteilt.

Da schreibt mir nun einer anonym (und wenn mich Leute anonym anmoppern, kann ich das gar nicht leiden, ich trete ja auch nicht anonym auf, er möge schon daher meiner Geringschätzung gewiss sein) nach ein paar Eingangshöflichkeitsfloskeln,

Ich denke mal, an dem von mir angesprochenen Beitrag haben Sie sich überhoben, weil Sie über zu wenig interne Kenntnisse verfügen oder nicht richtig über das Geschriebene nachgedacht haben.

Oh, ich verfüge über innere Kenntnisse darüber, was 10 Millionen Euro so sind. Ich kann zum Beispiel meinen Steuerbescheid betrachten und hochrechnen, wieviel Jahre ich leben und arbeiten müsste, bis mir der Staat soviel Geld abgenommen hat. Und darüber denke ich schon lange nach.

Ich bekomme da auch kein Geld vom Staat geschenkt.

Was sind denn für Sie Künstler? Dazu gehören Schauspieler, Sänger, Musiker na klar – auch die Maler, Bildhauer, Grafiker. Die ganze Palette des darstellenden, musizierenden und bildenden Personal und im weiteren Sinn auch die “Handlanger” also Regisseure, Bühnen-und Szenenbildner, Kameraleute, Bühnentechniker, Beleuchter, Tontechniker usw.

Das mag ja sein. Zumindest in gewissen Hinsichten bin ich auch irgendwo Künstler.

Aber warum muss ich mein Geld durch Arbeit verdienen, und zwar durch solche Arbeit, die jemand haben und mehr oder weniger viel dafür bezahlen will, und mich dafür nach Wünschen anderer richten und immer wieder umziehen, während andere leistungs- und bedarfsunabhängig alimentiert werden?

Warum muss ich mich danach richten, woran bei denen, die Geld haben, ein Bedarf besteht, während Künstler machen, wozu sie Lust haben, und dafür das Geld zu ihnen kommt?

Was in Rede steht sind Projektförderungen. Sie können doch nicht im Ernst die 10 Millionen durch 300 teilen!

Klar kann ich. Nennt sich Durchschnitt. Und das insinuierte Argument, dass da welche weniger bekommen, heißt halt auch, dass manche mehr bekommen.

Davon macht sich niemand einen Lenz. Wie auch in Ihrer Branche muß man in der Kunst große Summen in die Hand nehmen um überhaupt existieren zu können.

Stimmt auffällig. „Wie auch in meiner Branche.” Nur mit dem Unterschied, dass ich kein Geld vom Staat dafür bekomme, sondern umgekehrt der Staat mit einen Haufen Geld wegnimmt.

Warum also werden meine Branche und die der Künstler so gegenteilig behandelt?

(Es sind nicht die Maßstäbe, die mich so besonders ankotzen. Es sind die doppelten Maßstäbe.)

Theaterprojekte: da hängen mitunter 10 und mehr Leute dran.

Und? In einem Softwareprojekt oft auch. Oder im Schreiben einer Webseite. Warum bekommen die keine Steuergelder?

Sie brauchen Bühnentechnik, Beleuchtung (sonst sieht man ja die Kunst nicht) Bühnenbild, einen Raum.
Ein Musicalprojekt braucht ja eigentlich auch Musiker. Nur wenn Sie einen vernünftigen Flügel anschaffen wollen, sind die 33.000 weg. Da haben Sie nicht einen Musiker bezahlt.

Ja, glaubt der, Informatiker oder Blogger arbeiten im Freien und mit einem Notizblock?

Ein ordentliches Auto oder so eine gepflegte Foto- und Video-Ausrüstung frei und Studio sind auch nicht billiger. Und? Bekomme ich dafür Steuergelder?

Sie sind ein Mann von Einfluß. Deshalb lege ich mich so ins Zeug.

Pffff.

Auch eine Galerie braucht Mitarbeiter. Ein Maler braucht Farben und Leinwände.

Und Informatiker und Blogger lutschen mal am Daumen oder wie?

Der Ausbildungsweg von Künstlern beginnt oft in der Kindheit.

Ich habe im Prinzip auch in der Grundschule damit angefangen, und kurz danach schon mit einer Speicherschreibmaschine mit Ringkernspeicher, einem primitiven Textsystem mit 8-Zoll-Disketten, das eine Textseite noch aus 4 Textsegmenten zusammensetzen musste, einem weiteren Textsystem und Typenraddruckern angefangen, noch bevor irgendwo die Rede von C64 oder Apple II war. Da war ich auch erst 11 oder 12. Und habe dafür nie Steuergelder vom Staat bekommen.

Was da in der freien Szene stattfindet ist von sehr – – unterschiedlicher Qualität. Aber es sind tolle Sachen dabei und großartige Leute.

Das ist bei Informatikern und bei Bloggern auch nicht anders.

Mir wäre übrigens nicht bekannt, dass diese Steuergelder nur an die tollen Sachen und die großartigen Leute ging. Erfahrungsgemäß wird Gießkannengeld besonders an die untersten Qualitätsschichten verteilt.

Wenn Sie meinen, Ihren Beruf verfehlt zu haben, dann spulen Sie Ihren Lebensfilm zurück und setzen mit 7 oder 8 Lebensjahren noch einmal an.

Wie gesagt, ich habe mit 7 oder 8 Jahren angefangen.

Künstler werden wollen, müssen Sie von Anfang an. Dazu brauchen Sie Talent, unsäglichen Fleiß, die richtigen Eltern (damit meine ich nicht reiche Eltern), ganz viel Glück und wenig Pech.

Die wenigsten Künstler, mit denen ich zu tun hatte, hatten Talent oder Fleiß. Kunst ist meist, was man das nennt, was rauskommt, wenn Talent und Fleiß auf Null sind.

Durch die Ausschüttung solcher Finanzmittel (man wird evaluiert) wird Kunst z.T. überhaupt ermöglicht !!

Und was heißt das? Dass sie überflüssig ist und keiner sie haben will, sonst würden die Leute ja normal dafür zahlen. Wozu soll Kunst gut sein, die ohne Steuergeldpumpe gar nicht möglich wäre?

Ich habe gestern Abend für zweieinhalb Stunden Star Wars 16,50 Euro ausgegeben. Warum gibt es in Berlin kaum Kunst, die mich für 3,50 Euro unterhalten würde? Ich gehe hier ab und zu in diverse Ausstellungen, und zahle gelegentlich auch Eintritt, aber nur sehr selten denke ich dann, dass es sich gelohnt hat.

Ich war hier mal bei einem Galeriewochenende, bei dem ganz viele Berliner Galerien öffnen und man auf einem Plan von einer zur anderen ziehen kann, kostenlos. Ich kam mir in einer verarschter vor als in der anderen. In einer sehr teuren Galerie habe ich zwischen all dem Kunstkram nur einen eigenen Gegenstand entdeckt, der mich überhaupt irgendwie ansprach. Ich habe nicht gleich gemerkt, dass es kein Kunstwerk, sondern nur ein Heizkörper in einer Baumform war, die ich noch nicht kannte und nicht gleich erkannt habe (senkrechtes Rohr mit einer spiralförmigen Wendel außenrum). Als ich es gemerkt habe, stand der Galerist schon neben mir und ich wollte nicht auf peinlich machen, also bin ich da einfach stehen geblieben, und habe das Kunstwerk weiter betrachtet und wertgeschätzt, im vollem Genuss des Umstands, dass der Galerist kochte, aber auch nichts sagte. Wenn schon Banause, dann konsequent. Will sagen: Der beste Künstler des Wochenendes saß beim Hersteller der Heizkörper.

Wenn Sie gegen die öffentliche Förderung sind, muß man auch die öffentliche Finanzierung der Theater, Opernhäuser, großen Orchester, die Filmförderung usw. einstellen. Dann sind wir erst recht eine kulturelle Wüste. Das können Sie nicht wollen.

Oh, wenn man sieht, was für ein Schindluder da getrieben wird, kann man das durchaus wollen. Wo etwa das Geld für die Filmförderung hingeht. Stand nicht irgendwo mal, dass wir in großem Umfang Hollywood subventionieren? Und wenn ich mir anschaue, was für eine Politscheiße etwa auf der Berline kommt, wird mir schier übel. Und ich war hier mal auf einem Pornofestival, ordentliche Pornos kriegen sie auch nicht hin, viele sind schon mit dem Drehbuch und dem Handlungsstrang überfordert. Alles gequirlte Scheiße, nicht zum Anschauen, sondern zum Abgreifen von Fördergeldern.

Also noch einmal als Zusammenfassung: Niemand der Nutznießer der Projektförderung der Stadt Leipzig oder sonstwo wird sich eine goldenen Nase verdienen. Ich begreife natürlich, daß Ihr Beitrag polemisch und mit Augenzwinkern zu lesen ist. Falls es doch 1:1. gemeint ist, sage ich: Sie liegen schief und finanzieller Neid auf die Kunstszene ist völlig überflüssig.

Neid?

Das ist ungefähr so dumm, wie jegliche Kritik unter Hass zu subsumieren.

Ich bin auf Künstler ungefähr so neidisch wie auf einen Straßenräuber, der mit meinem Geld davonläuft.

Was mir insbesondere auf den Wecker geht, ist, wenn das in der linken Müllhalde Leipzig passiert, in der jede Menge Linksradikale hausen und politisch gefördert und finanziert werden. Etwa wenn ich solche kriminellen Dinger der „Kreativen von Leipzig” lese. Scheiben einwerfen, weil ihnen nicht passt, dass es noch etwas anderes gibt als sie.

„Kunst” ist in vielen Bereichen eine Deckbezeichnung für parasitäre Lebensformen. Nicht bei allen, aber ich wüsste jetzt auch nicht, dass die da groß differenzieren. Und die, die als Musiker oder sonstiger Künstler wirklich etwas drauf haben, verdienen sich auch fett in die Millionen. Oft sogar, wenn sie nicht viel drauf haben. Ein Großteil der Kunstszene ist aber eben auch nur ein Auffangbecken für Leute, die gar nichts können, weil man bei Kunst halt immer so tun kann, als ob. Ich kenne eine, die legt Leinwände auf den Boden, wirft dann völlig willkürlich, aus allen Richtungen, kaum mit Hinschauen, und ohne über den reinen Effekt, das schon ein paarmal gemacht zu haben, Farbe drauf, einfach ein buntes Durcheinander, nennt es dann Kunst, und war höllenstinksauer auf mich, weil ich bei einem dieser quadratischen Bilder mal nicht gemerkt habe, dass es um 90° gedreht dastand. Ich vermochte schlicht nicht zu erkennen, wo da oben und unten sein soll. Und dann kommt zur Vernisage stets ein Geisteswissenschaftler von der Uni und faselt 60 bis 90 Minuten irgendetwas über die Tanszendenz, und nicht ein einziger aus dem Publikum versteht auch nur einen Satz. Wäre auch nicht so, dass das, was er sagt, irgendetwas mit den Bildern zu tun hätte, da geht’s einfach nur darum, eine Vorlesungsdauer Blabla zu erzeugen, damit’s aussieht, als wär’s wichtig.

Ich war im Sommer in New York. Unter anderem auch in vielen Museen, das Naturkundemuseen, im Metropolitan, und natürlich auch mal im weltberühmten Museum of Modern Art. Und in letzterem kam ich mir permanent verarscht vor. Das fand ich Zeitverschwendung. Geld hatte ich schon nicht extra ausgegeben, weil das im Langzeittouristenticket mit drin war.

Ich war in Berlin in der Ausstellung eines angeblichen Spitzenfotografen, alles jubelte, und anscheinend war ich der einzige, der meinte, dass der einfach nicht fotografieren kann. Die ganze Bildwirkung wurde damit erreicht, dass man die Bilder teuer und riesengroß ausgedruckt und mehrer Meter hoch aufgehängt hatte, etwa um zu vertuschen, dass der die Bilder nicht scharf kriegt. Oder einfach verwackelte Scheiße fotografiert, indem er im Taxi mal das Handy aus dem Fenster hält. Und wenn man sich die Negative auf der ausgestellten Replik seines Arbeitstisches ansah, merkte man, dass der auch 200 Bilder machen musste, bis mal ein Vorzeigbares dabei rauskommt. Aber: Der große Künstler.

Oder anders gesagt: Die meisten modernen bildenden Künstler halte ich schlicht für Betrüger. Mit Theaterleuten tue ich mir schwer, bei den Musikern gibt es gute.

Und wenn man dann noch sieht, wie die linksradikale Szene in Leipzig mit den Künstlern verflochten ist, dann wirkt das alles einfach wie Geldwäsche, um sich eine kriminelle Szene zu halten, die man dann immer mal braucht, wenn man sich mal wieder außerhalb des Rechts bewegen will. Und wenn ich dann auch noch an den MDR denke…

Die zentrale Frage

Ich komme nochmal auf die Frage zurück: Warum kriegen Künstler vom Staat Geld, während der Staat mir das Geld wegnimmt? Der jammert, wie teuer ein Flügel wäre. Sowas zahle ich im Jahr an Steuern. Warum arbeite ich überhaupt, wenn man mir das Geld wegnimmt und es Künstlern gibt? Und mir dafür auch noch „Neid” vorwerfen lassen soll?

Wann bin ich denn mal dran mit den Fördergeldern? Wann kriege ich denn mal welche?